Teamarbeit Septische Chirurgie

Priv.-Doz. Dr. Michael Wenzl, der Direktor der Chirurgischen Klinik II im Klinikum Ingolstadt, richtet das Symposium aus. (Foto: Klinikum Ingolstadt)
Sie entstehen oft harmlos und unentdeckt, haben aber nicht selten lebensgefährliche Folgen: septische Erkrankungen. Die außer Kontrolle geratenen Infektionen durch Bakterien und andere Mikroorganismen sind nach einer aktuellen Studie zwar die dritthäufigste Todesursache in Deutschland, werden aber in ihrer Bedeutung wohl bisher stark unterschätzt. Umso wichtiger sind Veranstaltungen wie das „Symposium Septische Unfallchirurgie und Orthopädie“ im Klinikum Ingolstadt, bei dem sich Experten aus ganz Deutschland und darüber hinaus treffen, um sich über die neuesten Entwicklungen auf diesem wichtigen Fachgebiet zu informieren und auszutauschen. Die siebte Auflage der Fachtagung am 24. und 25. Januar beschäftigt sich besonders mit dem Zusammenspiel verschiedener medizinischer Fachrichtungen in der septischen Diagnostik und Therapie: Teamarbeit ist gefragt.

Kleine Dinge haben manchmal große Wirkungen – gerade, wenn es um Krankheiten geht. Schon eine winzig kleine Verletzung kann buchstäblich den stärksten Mann umwerfen. Diese leidvolle Erfahrung musste auch der stärkste Mann Ingolstadts machen: Uli Schwarz. Im Laufe seines Lebens hatte er erfolgreich an zahlreichen Strongman-Wettbewerben teilgenommen, zog tonnenschwere LKWs und stemmte regelmäßig die dicksten Gewichte im Fitnessstudio. Zu seiner größten Herausforderung aber sollte eine winzig kleine Verletzung werden. Im Italienurlaub stieg er nach Medienberichten in einen Pflanzenstachel. Aus dem harmlosen Pikser wurde eine lebensgefährliche Krankheit: eine Sepsis.

Unterschätztes Phänomen

Mehr als 150.000 Menschen erkranken nach einer Studie vom Dezember im Auftrag des Bundesforschungsministeriums jährlich daran – rund 59.000 sterben demnach an der Infektion. „Unsere Studie zeigt, dass die Bedeutung der Sepsis bisher völlig unterschätzt worden ist“, bilanziert Dr. Frank Martin Brunkhorst, Studienkoordinator des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten SepNet. „Nach den neuen Daten ist die Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.“ Offensichtlich fordert sie fast genauso viele Todesopfer wie der Herzinfarkt und deutlich mehr als Brustkrebs oder Darmkrebs. Schon diese Daten zeigen, wie wichtig es ist, sich mit diesem bedeutenden und bisher wohl stark unterschätzten Thema der Medizin zu beschäftigen.

Eine exzellente Möglichkeit dafür bietet seit einigen Jahren das „Septische Symposium“ im Klinikum Ingolstadt. Bereits zum siebten Mal treffen sich zahlreiche Mediziner am 24. und 25. Januar in Ingolstadt, um sich über die neuesten Entwicklungen auf diesem wichtigen Gebiet zu informieren, das gerade für die betroffenen Patienten enorme Verbesserungen bringen kann. „Vom Solisten zum Orchester“ lautet in diesem Jahr das Motto des Symposiums. „Denn auch die scheinbaren ‚Solisten‘ wie Radiologen oder Mikrobiologen sind ein wichtiger Bestandteil im ‚Orchester‘ der septischen Chirurgie“, sagen Priv.-Doz. Dr. Michael Wenzl, der Direktor der Chirurgischen Klinik II im Klinikum, sowie Dr. Matthias Bühler, Oberarzt und Spezialist für septische Chirurgie an der Klinik, die das Symposium ausrichten.

Vernetzung gefragt

„Der Netzwerkbedarf zur Diagnostik und patientenadaptierten Therapie ist unübersehbar. Nur im Zusammenspiel der hochspezialisierten Expertise und Erfahrung aller an Diagnose und Therapie Beteiligten kann ein Therapiekonzept erarbeitet werden, das den individuellen Erfordernissen des Patienten gerecht wird und Erfolg verspricht“, so Wenzl und Bühler weiter. Von der Infektdiagnose und -beruhigung bis hin zu Defektaufbau, Antibiotika-Imprägnierung und MRSA seien stets fachübergreifende Teams gefragt. Hochkarätige Referenten werden an den beiden Tagungstagen am 24. und 25. Januar darüber referieren, wie die Zusammenarbeit funktionieren und wie moderne septische Chirurgie aussehen kann.

In mehreren Blöcken werden am Freitag nach einer Begrüßung und Einführung in das Thema sowie einer Falldemonstration durch Bühler und Wenzel verschiedene Referenten die Rollen der beteiligten Spezialisten vom Kliniker, Radiologen, Infektiologen, Pathologen oder Mikrobiologen erklären, ehe im „operativen Block“ verschiedene Aspekte aus den Bereichen Unfallchirurgie/Orthopädie, Gefäßchirurgie sowie der plastischen Chirurgie vorgestellt werden.

Am Samstag stehen innovative Ansätze und Visionen etwa im Bereich der Hygiene, Wundbehandlung, Osteosynthese, im Defektaufbau oder der Verwendung neuer Werkstoffe beispielsweise in Form von modernen Implantatbeschichtungen auf dem Programm. Zum Schluss geht es schließlich um medizinische und ökonomische Herausforderungen bei Wechseloperationen sowie Kooperationen etwa im Netzwerk Septische Chirurgie.

Mit solchen Perspektiven für eine immer umfassendere und immer besser individuell auf die Situation des Patienten abgestimmte Behandlung steigen auch die Chancen, die gefährlichen septischen Infektionen immer besser in den Griff zu bekommen und die zum Teil erheblichen Risiken und Folgen für die Patienten zu minimieren. Bei Uli Schwarz jedenfalls ist es noch einmal gut gegangen. Nach einer Notoperation und einer langen, schweren Phase der Therapie und des Wiederaufbaus hat er die außer Kontrolle geratene Infektion schließlich besiegt – mithilfe der Medizin, die vor allem bei einer intensiven und zielgerichteten Versorgung durch Spezialisten wie im Klinikum heute auch in solch gravierenden Fällen wirksam helfen kann. Und zwar per Teamarbeit: Das wird auch das Septische Symposium zeigen.
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