Flucht nach vorne?
gefunden auf stattzeitung.in (Artikel lesen)
Ingolstadt: Warum berichtet der "Donaukurier" erst jetzt über den Fall des Ex-Polizeichefs, der einen der eigenen Mitarbeiter stalkte? Die "Augsburger Allgemeine" griff das Thema bereits am Samstag auf.
Es ist das Thema des Tages: Ludwig Egner, langjähriger Polizeidirektor in Ingolstadt hat wohl den Polizei-Berichterstatter Horst Richter vom "Donaukurier" über Monate mit Briefen und Anrufen terrorisiert. Was der "Donaukurier" am Dienstag auf der ersten Seite im Lokalteil präsentierte, war aber bereits am Samstag in der "Augsburger Allgemeinen" im Bayernteil gestanden - und sorgte dort für Aufsehen. Verfasst wurde der Artikel vom Journalisten Harald Jung, der für die "Neuburger Rundschau", einem Regionalableger der "Augsburger Allgemeinen", aus Ingolstadt berichtet. In diesem Zusammenhang stellt sich schon die Frage, warum der "Donaukurier" die Geschichte, bei der immerhin ein eigener Redakteur betroffen ist, erst jetzt brachte, nachdem eine überregionale Zeitung berichtete?
Im Bericht des "Donaukurier" heißt es: "Erst vorige Woche gab es ein Gespräch über einen Täter-Opfer-Ausgleich. Den wollte Egner instrumentalisieren: Teil der Vereinbarung sollte sein, dass der DK sich bei der Berichterstattung über den Fall zurückhält ? das kam aber nie in Frage." Ob eine Zurückhaltung bei der Berichterstattung tatsächlich nie zur Diskussion stand, oder ob der "Donaukurier" nach dem Artikel der "Augsburger Allgemeinen" die Flucht nach vorne ergreifen musste - darüber kann jetzt spekuliert werden...
Zu Ludwig Egner selbst kommt man telefonisch derzeit übrigens nicht durch. Stattdessen nimmt seine Ehefrau ab, die sehr mitgenommen klingt. Ihr Mann habe kein Interesse mit der Presse zu sprechen, ist die einzige Auskunft, die sie erteilt - wahrscheinlich nicht zum ersten Mal an diesem Tag... (tm)
Und so lief es wohl ab:
Juni/Juli 2008: Horst Richter berichtet als Polizeireporter des "Donaukurier" über fehlende Beamten in Ingolstadt und in diesem Zusammenhang auch kritisch über Ludwig Egner.
16. Dezember 2008: Egner möchte Präsident des neuen Polizeipräsidiums Oberbayern Nord werden. Als statt ihm aber Johann Rast den Vorzug erhielt, ging Egner in den Ruhestand. Der Telefonterror gegen den Redakteur Horst Richter beginnt. Egner macht ihn wohl für sein Scheitern verantwortlich.
Mitte 2010: Egner wird durch eine Fangschaltung an Richters Handy überführt.
Dezember 2010: Egner soll laut Strafbefehl 150 Tagessätze zu je 100 Euro (insgesamt also 15.000 Euro) zahlen. Es ist davon auszugehen, dass die Öffentlichkeit relativ gering geblieben wäre - hätte Egner bezahlt. Doch Egner legt Einspruch ein. Eine öffentliche Verhandlung anberaumt.
18. Dezember 2010: Die Neuburger Rundschau / Augsburger Allgemeine berichtet über den Fall.
20. Dezember 2010: Wenige Stunden vor dem angesetzten Termin der öffentlichen Verhandlung zieht Egner den Einspruch zurück, was wohl einem Geständnis gleich kommt. Die 150 Tagessätze akzeptiert er, will aber wohl weniger als die 100 Euro zahlen und schachert mit dem Gericht.
21. Dezember 2010: Der "Donaukurier" berichtet. Weitere Medien, wie z.B. die "Nürnberger Nachrichten" ziehen online nach.


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