Der Griechische Staatsbankrott und Groß Lafferde

Griechische 1 Euro-Münze
 
Karl Marx
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wir werden sehen:

Griechenland wurde nach seinem EU-Beitritt aufgrund gefälschter Wirtschafts- und Finanzdaten in die Eurozone aufgenommen. Im Laufe der Jahre verschuldete sich das Land immer mehr. Die Gründe sind bekannt: Strukturprobleme, mangelnde Produktivität, Misswirtschaft, katastrophales Besteuerungswesen, Steuerflucht der Reichen, Bürokratismus, Vetternwirtschaft, Korruption und unfähige, selbstsüchtige Politiker.

Statt die hausgemachten Probleme zu lösen, insbesondere zu sparen (wie es andere Länder, die in vergleichbarer Lage waren, erfolgreich praktiziert haben), versucht die amtierende griechische links-rechts Regierung mit provozierenden Auftritten die Verantwortung für die Misere auf die EU abzuschieben. Sie möchte, dass bei den bisherigen Milliarden an EU-Hilfskrediten ein Schuldenschnitt durchgeführt wird um dann neue EU-Hilfskredite aufnehmen zu können.
Es war noch nie ratsam, schlechtem Geld gutes Geld hinterherzuwerfen. Schon Karl Marx (1818 – 1883) sagte „In Geldsachen hört die Gemütlichkeit auf“. Die gleichen Worte sprach auch David Hansmann (1790 – 1864) am 08.06.1847 in seiner Rede im Preußischen Landtag. Er fügte noch hinzu: „ … da muss der Verstand uns leiten“.
Es stellt sich die Frage, ob es nicht besser wäre, Griechenland aus der Eurozone zu entlassen und zur Drachme zurückzukehren. Hierher passt die alte Dakota-Weisheit „Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steige ab“.
Die bisherigen Milliardenkredite sind ohnehin verloren, neue Hilfen notwendig. Die griechische Politik macht das Land zu einem Fass ohne Boden.

Insbesondere Deutschland, größter Gläubiger Griechenlands, wird von griechischen Politikern und Medien angeprangert. Selbstverständlich gibt es an der Verantwortung Deutschlands für die in seinem Namen verübten Kriegsverbrechen nichts zu deuteln, aber das längst verblasste alte Feindbild aus dem 2. Weltkrieg wird publikumswirksam aufgepeppt.
Man mag darüber streiten, ob die finanzielle Schuld durch erfolgte Entschädigungszahlungen inzwischen abgetragen ist oder ob trotz des Einigungsvertrages noch finanzielle Ansprüche bestehen. Aus Gründen der Rechtssicherheit muss aber auch zur Kenntnis genommen werden, dass 70 Jahre nach Kriegsende das Thema Entschädigungszahlungen der Vergangenheit angehört.
Dass die griechischen Politiker das Thema ausgerechnet im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkriese auf ihre Agenda gesetzt haben, lässt tief blicken. Sie versuchen mit allen Mitteln, Geld für den maroden Staatshaushalt aufzutreiben. Entschädigungszahlungen an direkt betroffene Kriegsopfer wären vermutlich nicht in ihrem Sinne. Es wäre wohl auch nicht in ihrem Sinne, wenn die Bundesregierung einige Entschädigungsmilliarden anbieten würde, um sie mit den Schulden, die Griechenland bei Deutschland hat, zu verrechnen, denn die griechische Devise heißt „Frisches Geld“ und nicht „Schuldentilgung“.

Während die Erinnerung an die in Griechenland begangenen deutschen Kriegsverbrechen noch immer allgegenwärtig ist, sind erhaltene Wohltaten völlig aus dem Fokus verschwunden.

Schon 1821, als Griechenland gegen die osmanischen Besatzer revoltierte, um einen souveränen griechischen Staat zu schaffen, war das Land finanziell am Ende. Vielerorts in Europa war man bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen.

Der angehende Historiker Marcel Giffey hat im Hauptstaatsarchiv Hannover eine Akte entdeckt, die belegt, dass in Groß Lafferde schon im Jahre 1821 eine Griechenlandhilfe ins Leben gerufen wurde.
Nachfolgende Ausführungen sind einem Artikel entnommen, den Giffey am 07.04.2015 in der Peiner Allgemeinen Zeitung veröffentlichte:

Ein Brinksitzer aus Groß Lafferde, Conrad Wilke (Haus Nr. 82, jetzt Bierstr. 81), hatte in der Zeitung Aufrufe gelesen, den „armen Griechen“ finanziell zu helfen. Sein Gewissen gebot ihm, „sie in ihrer Not zu unterstützen“. Zu diesem Zweck überreichte er dem damaligen Pastor Andreas Bahrs eine Goldmünze.
Pastor Bahrs berichtete, dass junge Leute „ im Kruge beim Vorlesen der Zeitungen von demselben Geist ergriffen wurden“. Sie zogen von Haus zu Haus, um Unterschriften für Griechenland zu sammeln.
Bahrs war sehr berührt und setzte sich mit dem vormaligen Groß Lafferder Philanthropen Johann Peter Hundeiker (1751 – 1836) brieflich in Verbindung. Der zeigte sich stark beeindruckt und wünschte seinen ehemaligen Schülern in einem Brief viel Erfolg.
Nach einer Betstunde am Montag der 2. Adventswoche 1821 legten viele der Anwesenden spontan einen beliebigen Betrag für die Griechenlandhilfe auf den Altar. Es kamen mehr als 52 Reichstaler zusammen. Das war eine ansehnliche Summe. Bahrs soll die Spende aber nicht angenommen haben, weil er das als Pastor damals angeblich nicht durfte.
Im August 1822 war in den Braunschweigischen Nachrichten zu lesen, dass der Buchhändler Ludwig Lucius für Braunschweig und umliegender Gegend Geldbeträge für die Griechenlandhilfe entgegennehme. Bahrs übergab die Spende an Lucius. Der war so ergriffen, dass er den Groß Lafferdern ein Gedicht widmete. Sogar im Ausland fand die Hilfsbereitschaft Beachtung. Der Schweizer Bote lobte, dass sich Groß Lafferde mit dieser Tat vor allen Städten auszeichnete. In der Neckar-Zeitung war zu lesen „Lafferde, die That erschalle durch die ganze Christenwelt, die Dich in den Kreis der Größten, in den Kreis der Besten stellt“.

Somit hat Groß Lafferde mit seiner Spende einen kleinen Beitrag zum griechischen Freiheitskampf und zur Gründung des Königreichs Griechenland geleistet.

Vielen Dank an Marcel Giffey, der diese Episode der Vergessenheit entriss und es ermöglichte, auch mal etwas Positives im Zusammenhang mit der griechischen Finanzkrise zu berichten. Ganz so böse waren und sind die bösen Deutschen eben doch nicht.
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 27.05.2015 | 19:27  
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