Der 22. Juni und kriegerische Parallelen

Tränende Herzen
 
Napoleon
Ende Juni sind auf der Nordhalbkugel die Tage am längsten. Der höchste Sonnenstand wird am Sonnenwendtage erreicht. Das kann der 21., aber auch der 22. Juni sein.
Es darf darüber spekuliert werden, ob Napoleon den 22. Juni 1812, einen Montag, bewusst auswählte, als er seiner Grande Armee befahl, den Niemen (die Memel) zu überschreiten und in Russland einzumarschieren.
Fast ganz Europa hatte er unterworfen. Nur England leistete im Westen zu Wasser und zu Lande (Peninsula = Iberische Halbinsel) ernstzunehmenden Widerstand.
Im Osten war der Frieden mit Russland (Frieden von Tilsit) brüchig geworden, so dass Napoleon sich voller Zuversicht, aber unzulänglich vorbereitet, entschloss, mit 610.000 Mann nach Moskau zu marschieren.
Hauptverbündete der russischen Truppen waren die russische Weite und der russische Winter. Der napoleonische Feldzug endete in einer bis dahin beispiellosen Katastrophe. Nur kümmerliche Truppenreste kehrten in die Heimat zurück.

Diese Geschichte kannte auch Adolf Hitler. Doch der "größte Feldherr aller Zeiten", „Gröfaz“ nannte man ihn despektierlich, zog daraus keine Lehren. Trotz des Nichtangriffspaktes (Hitler-Stalinpakt, auch Ribbentrop-Molotow-Pakt genannt nach den beteiligten Außenministern), befahl Hitler der Wahrmacht, im sonntäglichen Morgengrauen des 22. Juni 1941, die sowjetrussische Grenze zu überschreiten. Das geschah auf den Tag genau 129 Jahre nach Napoleon. War das Absicht oder Zufall?
Auch Hitlers Truppen hatten fast ganz Europa unterworfen. Im Westen war nur noch England stark und willens genug zu wirksamem Widerstand.
Mit dem Bruch des Nichtangriffspaktes entstand im Osten eine weitere Parallele zu Napoleon. Der Vormarsch litt ebenfalls unter mangelnder logistischer Vorbereitung. Er kam vor Moskau zum Stehen. Schließlich führten eine Welt von Feinden, die russischen Weiten und der russische Winter auch hier zum Scheitern des Feldzuges. Allein der Kessel von Stalingrad stürzte 300.000 Angehörige der 6. Armee ins Verderben.

Während für die zurückkehrenden Reste der geschlagenen napoleonischen Armee mit dem Überschreiten des Niemen der Russlandfeldzug beendet war, endete der Russlandfeldzug Hitlers erst mit der Einnahme Berlins durch sowjetische Truppen und der bedingungslosen Kapitulation am 8. Mai 1945.

Man konnte auch in früheren Zeiten nicht in die Zukunft schauen. Deshalb sollten wir nicht in den Fehler verfallen, die damaligen Entscheidungen aus heutiger Sicht und nach heutigen Maßstäben zu beurteilen. Dennoch brauchte man seinerzeit kein Prophet zu sein, um bei entsprechender Würdigung des napoleonischen Russlandfeldzuges zu erkennen, dass Hitlers Angriff auf die Sowjetunion bei einer Welt von Feinden nur in die Katastrophe führen konnte.

Der vorstehende Artikel soll lediglich einige erstaunliche Parallelen der beiden Feldzüge aufzeigen. Es ist nicht beabsichtigt, die Personen Napoleons und Hitlers miteinander zu vergleichen . Nur so viel sei gesagt: Deutschland und Europa haben unter den napoleonischen Eroberungsfeldzügen viel gelitten. Hitlers Eroberungs- und Vernichtungskrieg führte in erster Linie Deutschland, aber auch das übrige Europa, in eine nie dagewesene Katastrophe.
Wollen wir hoffen, dass sich die derzeitigen dunklen Wolken über Russland und der Ukraine alsbald verziehen und am 22. Juni eitel Sonnenschein herrscht.
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