Die Sage der Burgruine zu Rathen.

Vor vielen hundert Jahren war die Burg Rathen mächtig. Heute steht nur noch altes Gemäuer. Sie ist mit der Zeit verfallen. (Foto: Kolossos)
 
Drei reiche Schiffsherren saßen in Rathen im Erbgericht bei Lampenschein um den Tisch mit durstigen Kehlen. Doch sie wollten kein Wasser, sondern löschten ihren Durst mit Wein. Es wurde gezecht, getobt und gelacht bis weit nach Mitternacht.

Rathen: Burg Rathen | Vor vielen hundert Jahren war die Burg Rathen mächtig. Heute steht nur noch altes Gemäuer. Sie ist mit der Zeit verfallen.

Die Sage erzählt, dass steigt man hinauf zur Mitternacht und klopfet an, dann öffnet sich die alte Wand. Die alte Schaffnerin erscheint mit der Lampe in der Hand. Reicht man ihr einen Krug, dann füllt sie ihn voll bis zum Rand mit Wein. Der soll immer noch dort oben lagern. Wer allerdings nur aus Übermut und nicht aus Not sich das edle Gut holt, dem bringt es Gefahr, wenn nicht sogar den Tod.

Drei reiche Schiffsherren saßen in Rathen im Erbgericht bei Lampenschein um den Tisch mit durstigen Kehlen. Doch sie wollten kein Wasser, sondern löschten ihren Durst mit Wein. Es wurde gezecht, getobt und gelacht bis weit nach Mitternacht. Als die Wanduhr zur Geisterstunde schlug, nahm einer der Zecher einen großen Krug und sprach zur Magd: „Eurer Wein ist nicht gut. Geh flink zur alten Burg hinauf und klopf dort an. Dann kommt die alte Schaffnerin. Ihr gibst Du den leeren Krug, damit sie ihn füllen tut mit kostbarem Wein. Den bringst du dann geschwind zu uns und bekommst dafür einen blanken Taler.“

Die Magd nimmt den Krug ganz ohne Arg. Sie wusste nichts von der großen Gefahr. Sie tat nur das, was ihr geheißen ward. Zur Burg eilt sie hinauf und klopft dort an die Mauer. Plötzlich öffnet sich die Wand. Eine steinalte Frau nimmt ihr den Krug aus der Hand und gibt ihn zurück gefüllt mit Wein. Sie spricht zur Magd mit dumpfem Ton: „du dummes Mägdelein eil davon! Nur zur Sonnenwend darf ich geben um Mitternacht vom alten Wein, wenn ein unschuldiges Mägdelein kommt. Wer den Wein trinkt zur rechten Stund, den hält er frisch und gesund. Aber den Säuferkehlen bekommt er nicht, drum scheue den Fluch der höheren Mächte und versuche es kein zweites Mal.“

Das Mägdelein lief voller Grauen ohne sich umzusehen zurück zum Erbgericht. Sie setzt den Krug mit Wein auf den Tisch und berichtet, was sie erlebt hat. Den Taler aber nimmt sie nicht. Die Schiffer packen lachend den Krug und trinken reihum ihn Zug um Zug leer. Die Zecher aber wollen immer mehr. Sie schreien und schlagen auf dem Tisch herum: „Geh und hol noch mehr von dem Wein.“ Doch alles Fluchen, Bitten und Flehen hilft nichts, sie will nicht gehen. Da tritt einer der Schiffsherren zu ihr hin und spricht zu ihr: „Ich weiß lange schon, dass du und mein Sohn euch liebt. Ich habe es bis heute nicht gewollt, aber wenn ihr noch von dem Wein uns holt, so soll in vier Wochen die Hochzeit sein.“

Die Jungfrau strahlt über das ganze Antlitz und eilt mit dem Krug in der Hand hinauf zur Burgruine. Sie klopft an die Wand und im fahlen Licht erscheint die alte Schaffnerin, die zu ihr spricht: „Du störst mich zum zweiten Mal? Oh, ich warnte Dich. Doch da Du mit reinem Sinn handelst und nicht der schnöde Geldgewinn dich treibt, sondern die Macht der Liebe, stehst Du unter Gottes Schutz.“ Die Mauer schlug wieder zu und das Mägdelein stand mit dem vollen Krug davor.

Kreidebleich im Gesicht kam sie zurück, wo sie schon grölend und lachend empfangen wurde. Der Wein machte sofort die Runde. Die Schiffer tranken und tranken, bis der Krug geleert.

Als durchs Fenster dann der Morgen graut und der Hahn laut kräht, sitzen die Trinker in der schwülen Luft des Zimmers bleich und stumm um den Tisch. Draußen in der klaren Luft leuchtet die Burg im Morgenrot. – Jedoch am Tisch die Trinker waren tot.

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Dieter Goldmann aus Seelze am 22.06.2009 um 00:53 Uhr  
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