DRK Hofgeismar und Hessische Landesfeuerwehrschule kooperieren: Retten aus dem LKW stößt auf große Resonanz

Hand in Hand wird der Fahrer schonend aus dem LKW gerettet
 
Die Feuerwehr bereitet die Geräte zur Befreiung des LKW-Fahrers vor und legt sie geordnet bereit

Hofgeismar / Kassel. Schon seit mehreren Jahren arbeiten die Hessische Landesfeuerwehrschule (HLFS) in Kassel und der Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hofgeismar erfolgreich zusammen. Im „Fortbildungsseminar Technische Hilfeleistung“ an der HLFS, stellt das DRK Hofgeismar einen Rettungswagen (RTW) und das Rettungsfachpersonal für den praktischen Teil der Ausbildung. In diesem Seminar steht insbesondere die verletztenorientierte Rettung lebensbedrohlich verletzter und eingeschlossener Personen aus LKW im Mittelpunkt.
An dem dreitägigen Seminar nehmen Angehörige von Freiwilligen Feuerwehren und Berufsfeuerwehren aus ganz Hessen teil. Trotz ihrer Einsatzerfahrung stellt die Rettung von verletzten LKW-Insassen für die Retter immer wieder eine besondere Herausforderung dar. Bei einem PKW können die schweren hydraulischen Rettungsgeräte wie Schneidgerät und Spreizer in halbwegs ergonomischer Höhe eingesetzt werden. Bei einem LKW muss aber teilweise in über drei Meter Höhe gearbeitet werden. Die Insassen müssen aus mehr als zwei Meter Höhe sicher aus dem Fahrzeug gerettet werden. Bei Auffahrunfällen mit mehreren LKW ist zudem der Zugang über die Frontscheibe oftmals nicht möglich, so dass der einzige Zugang zum Verletzten nur durch die verklemmten Türen möglich ist.
Um diesen besonderen Anforderungen gerecht zu werden, bietet die HLFS dieses Fortbildungsseminar zweimal im Jahr an. Am ersten Tag stellen verschiedene LKW-Hersteller ihre aktuellen Modelle vor. Besonderer Wert wird dabei auf die für die Einsatzkräfte wichtigen Sicherheitseinrichtungen wie Airbags und Gurtstraffer gelegt.
Am zweiten Tag werden die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer an verschieden Stationen praktisch ausgebildet. An einer der Stationen wird der Umgang mit der Ausrüstung und den Geräten für die technische Hilfeleistung, an einer anderen die erweiterte Erste Hilfe behandelt. Während die Lehrkräfte der HLFS den Umgang mit den Rettungsgeräten vermitteln, vertiefen die Mitarbeiter des DRK-Rettungsdienstes die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen. Darüber hinaus werden auch die aktuellen Erkenntnisse aus der Rettungsmedizin vorgestellt.

Übung als Lehrgangshöhepunkt
Am dritten Seminartag wird dann das Erlernte im Rahmen einer Übung in die Praxis umgesetzt. Dafür stellt die Landesfeuerwehrschule auf ihrem Übungsgelände einen Frontalunfall mit zwei LKW nach. Als Übungsvorgabe ist bei dieser Übung einer der beiden Fahrer eingeklemmt und bewusstlos. Um an dem „Unfallfahrzeug“ auch unter realistischen Bedingungen mit den Rettungsgeräten arbeiten zu können, wird für jedes Seminar ein präpariertes LKW-Fahrerhaus mit Hilfe eines Untergestells auf die reale Höhe eines LKW gebracht. Weitere Übungs-Aufgaben für die Feuerwehr sind das Absichern, Erkunden und Ausleuchten der Unfallstelle, die Sicherstellung des Brandschutzes (mit Wasser und Pulver) sowie die Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Rettungsdienst. Sollte die Feuerwehr im Einsatzfall vor dem Rettungsdienst eintreffen, leitet sie selbstverständlich eigenständig die lebensrettenden Sofortmaßnahmen ein.
Die Ausbildungs-Kooperation wird von beiden Seiten als Win-Win-Situation gesehen: Für die Feuerwehr besteht so die Möglichkeit, auf dem aktuellen Stand der notfallmedizinischen Maßnahmen zu bleiben und bei Bedarf ihre Rettungstechniken darauf anzupassen. Die DRK-Rettungskräfte haben andererseits die Gelegenheit, das Vorgehen der Feuerwehr bei LKW-Unfällen kennen zu lernen und ihre Maßnahmen ebenfalls darauf abzustimmen. Sonst haben die Rettungsdienst-Mitarbeiter kaum Gelegenheit, solch eine anspruchsvolle Situation in der Praxis zu erlernen.

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