„Konrad Adenauer würde sich heute schwerer tun“
Ehemaliger Kultusminister Professor Hans Maier referierte am Albertus Gymnasium über das 60 jährige Bestehen des Bonner Grundgesetzes
Zwei Landkarten flankieren das Rednerpult, das auf der Bühne des Theaterkellers bereit steht. Die erste zeigt die föderalistische Bundesrepublik, auf der anderen sieht man Europa. Im vollbesetzten Saal haben sich die Schüler der drei Kollegstufenjahrgänge zusammengefunden, um den Vortrag eines Zeitzeugen zu verfolgen. Als der Staatsminister a.D. den Raum betritt, applaudieren die Schüler. Schulleiter Hans Lautenbacher preist in seiner Laudatio den prominenten Gast, als einen Mann, dessen Wort Gewicht hatte und auch heute noch hat. Hans Maier, der das Amt des bayrischen Kultusministers von 1970 bis 1986 ausführte, kam ursprünglich aus Freiburg im Breisgau. Vom Wahlkreis Günzburg wurde der CSU-Politiker in den Landtag gewählt.
Seine Ausführungen beginnt der Politiker mit der Vergegenwärtigung der Situation nach dem zweiten Weltkrieg: Die Menschen lebten in Ruinen, sorgten sich ums Überleben. Hinzu kamen viele Vertriebene, die in dem geographisch dezimierten Deutschland eine neue Heimat suchten. Trotzdem schätzt Maier die damalige Lage als positiv ein. So meint er: „Die Befreiung durch die Alliierten, war eine Befreiung von einem Regime, dass die Deutschen selbst nicht abschütteln konnten.“ Das größte Problem der Verfassungsväter stellten die mangelnden Vorbilder dar, da die Bevölkerung stigmatisiert vom Dritten Reich war und auch ungute Erfahrungen mit der ersten Republik auf deutschen Boden machte. So sagt er: „Konrad Adenauer würde sich heute schwerer tun.“
Als wichtig erachtet Maier das Verhalten Deutschlands als ein normaler Nationalstaat. Dies sei wichtig um als verlässlicher Partner für andere Länder zu gelten. Die größte Herausforderung sei ein normaler Patriotismus, da das Ehrgefühl für das Vaterland von den Nationalsozialisten missbraucht wurde. An diesem Punkt warnt Maier: „Falsche Antithesen werden zu späten Siegen Hitlers!“
Im Anschluss an den Vortrag wurden eben diese Gefahren von rechts und links genauer diskutiert. Maier, der während des so genannten „Deutschen Herbsts“ aktiv in der Politik als Kultusminister tätig war, schätzte die damalige linke Bedrohung als gefährlich ein. Aktuelle Gefahren wie die sinkende Wahlbeteiligung sieht Maier mit großer Sorge. Dies sei ein Anzeichen für eine Krise der Demokratie. Ein weiteres Problem sieht der Unionspolitiker im Rückgang der SPD. Der Politiker würdigte die Verdienste der beiden Volksparteien, auf deren Schultern unsere Demokratie basierte. „Die Leute wollen sich heute nicht mehr binden, weder durch die Ehe, noch durch Politik, noch durch die Kirche.“ Hinzu komme, so Maier, dass sich die Bevölkerung nicht mehr ausreichend mit ihren Volksvertretern identifizieren kann.
Als kleine Anekdote zum Schluss fügte er hinzu: „Intellektuelle haben immer die Nase gerümpft über Konrad Adenauer, mit der Begründung er könne nur tausend Wörter Deutsch - diese konnte er aber gut!“
Manuel Knoll, Philipp Polifka
Dieser außergewöhnliche Besuch bleibt den Schülern sicherlich noch lange in Erinnerung.


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