Hildesheim: zuhause | Es sind schon einige Jahre vergangen, als ich mich zum ersten Mal genauer wissen wollte, wer oder was Löcher in die Blätter unserer Gartenbepflanzung nagt, als mir zum ersten Mal etwas Grünes, mit diesem unverkennbaren Insektenfluggeräusch um den Kopf schwirrte. Die typisch abwehrende Bewegungen, die ein solches Gesumme normalerweise auslöst unterblieb aus Neugier. Etwas derart Summendes kann doch nicht so grün daherkommen. Um einen grünen Käfer dürfte es sich nicht handeln. Dann brach das Geräusch ab und ich sah gerade soeben noch ein Bewegung am Rand eines Pflanzgefässes. Aufgepasst. Da gab es ein Einflugloch. Aufgepasst, es regte sich etwas, schoss jetzt schnell aus dem Erdloch. Es war nicht grün. verschwand aber mit dem schon bekannten Summton. Ein Insekt ohne Zweifel, aber kein grüner Käfer. Käfer brummen; sie summen nicht.
Ich rückte meine Terrassenliege näher an den Pflanzenkübel, legte mich auf die Lauer. Hörte das Geräusch näher kommen, anhalten, sich entfernen, dann erneut nahen; sah wieder etwas Grünes heran fliegen, im Loch verschwinden. Aber das Grün stammte nicht von farbigen Flügeln, sondern schien die Unterseite des Insekts zu bilden. Von meinem Beobachtungsposten aus überwachte ich nun nicht mehr den Landeplatz, sondern die Anflugzone des UFOs. Ich sah zunächst nichts Aufregendes. Einige Bienen summten im Laub der Kornelkirche. Was treiben die dort? Hier blühte noch nichts. Dann fielen mir auf, dass einige Blätter beschädigt, am Rand abgefressen waren. Solche Spuren hinterlassen Raupen, wie ich durch meine Schmetterlingsstudien http://www.hildesheimer-miszellen.de/010PyramidenE... wusste. Eine Suche nach einer gefressigen Raupe blieb erfolglos. Dann sah ich eine Biene am Blattrand nagen - nein sägen. Wie mit einer Stichsäge schnitt sie ein rundes Stück heraus, klemmte es mit den Beinen unter ihren Körper und summte davon in Richtung Terrasse. Daraufhin beschäftigte auch ich mich mit Blättern, mit solchen aus bedruckten Papier, suchte in verschiedenen einschlägigen Büchern eine Erklärungen für meine Beobachtungen. Fand sie und seither weiß ich einiges über die Blattschneidebiene. Ein entsprechender Artikel bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Blattschneiderbienen zeigt mir sogar gute Fotos, viel bessere als ich sie mit meinen bescheidenen Möglichkeiten machen konnte.
Was ich besonders erstaunlich finde: Die Bienenart scheint standorttreu zu sein. Seit mehreren Sommern ist der mit Mauerrosen beflanzte Sandsteintrog ihre Heimat.
Schöne Grüße vom Norden nach München.
Man wird alt und lernt immer noch dazu ;-)
ja, Tina, und das ist das Gute beim Altwerden. Wir haben unseren jungen Leuten eben einiges voraus, sehen die Wunder der Natur liegen unmittelbar vor unseren müden Füßen liegen und rennen weniger dem schnell wechselnden Trends hinterher.
Mit freundlichem Gruß
Rolf
Hildesheim: zuhause | Auf meinem Schreibtisch wächst jetzt ein Kaffee-Baum (Coffea arabica). Noch ist er klein. Vom Edeka-Markt war ich mit ihm als 'Coffee to go' unterwegs.
Mit den Worten "Now thrive and grow" auf dem Schreibtisch plaziert, darf er nun gedeihen und wachsen. Zumindest so lange, bis er einen der Bildschirme vom Schreibtisch verdrängt. Es sind drei, die ich stundenlang vor meiner Nase habe. Die beiden flachen behandelt Windows xp...
Das magische Auge.
Alle in der Klasse sollten es sehen. Herr Stein hielt das Schulheft so hoch wie es seine Handprothese erlaubte.
„Kannst Du erklären, warum dein Heft so verschmiert ist?“
Horst hatte mit einer Rüge gerechnet, nicht aber mit einer Demütigung. Er zuckte zusammen, spürte das schwarzbraune Leder der künstlichen Hand, bedrohlich hoch über seinem Kopf. Die Prothese glänzte wie ein frisch geputzter Sonntagsschuh...
Hildesheim: Bombardierung | Der 22. März 1945
Wie eine Erlösung empfand ich die Überwindung des mir selbst auferlegten Schweigens. Über bestimmte Kindheitserlebnisse wollte ich nicht reden. Doch irgendwann fing ich an Gedanken zu notieren, legte das Geschreibsel jedes mal weit weg, wenn mir Tränen in die Augen steigen wollten. War das Selbstmitleid? Das wäre doch ungerecht gegenüber jenen, die in den zwei Jahrzehnten nach 1933 ungleich viel...
Es ist so still.
Der alte Kirschbaum neben der Kirche hat sich prächtig geschmückt, mit zig-tausend Blüten.
Aus jeder Perspektive ist er ein Prachtkerl und bietet unendliche Motive für den Fotografen, ob Makro oder Totale.
Aber dieses Jahr ist etwas ganz und gar nicht in Ordnung, obwohl die ganze Umgebung nach sonnensatten Blüten riecht; aromatisch - süß, verlockend.
Doch es ist so still! Um den alten Kirschbaum und...