Die Kunst der Rhetorik

Landessieg im Plenum (Foto: (C) HLS Hannover)
 
Landessieg im Plenum (Foto: (C) Jugend debattiert)
 
Bundesentscheid in Berlin (Foto: (C) Jugend debattiert)
Hildesheim: Andreanum |

Von der Schule ins Landessieger Seminar


„War jemand schon einmal auf dem Landessieger-Seminar auf der Burg Rothenfels?“, fragte meine damalige Trainerin Xenia auf dem niedersächsischen Regionalsiegerseminar in Bad Nenndorf. Damals hatte ich nicht gedacht, dass mir zwei Wochen später Kultusministerin Heiligenstadt als Landessieger nach dem Klassen-, Schul- und Regionalwettbewerb die Einladung für dieses Seminar überreicht und ich damit das Burgleben genießen darf.

Am 21. Mai war es dann soweit, ich reiste im Zug nach Würzburg. Hier kam ich dann mit einer Trainerin, die auch mit in Bad Nenndorf gewesen ist, und dem Brandenburger Jurek an. Nach einem „Small-Talk“ zu dem sich auch noch Johannes aus Rheinland-Pfalz zugesellte zeigte sich was für Jugend debattiert typisch ist: Nach wenigen Minuten haben wir engagiert und mit kontroversen Standpunkten über die aktuelle Außenpolitik in der Krim-Krise über die Bildungspolitik unserer jeweiligen Länder bis hin zu unseren Erwartungen für das bevorstehende Seminar debattiert. Auf diese Weise verging die Zeit bis zum Eintreffen unseres Busses gegen 16:00 Uhr sehr rasch.

Auf dem Weg zur Burg genossen wir den traumhaften Blick über den Main auf das gegenüberliegende Ufer. Als wird dann die ersten Wahlplakate zur Europa-Wahl erblickten, bestimmte natürlich dieses Thema unsere nächste Debatte. Während unser Bus zügig die Serpentinen hinauffuhr, wuchs in uns die Neugier auf die zuvor kurz erblickte Burg. Die letzten Meter legten wir zu Fuß zurück, wobei das Pflaster des Burghofs für unsere Koffer die erste große Belastung darstellte. Nach der herzlichen Begrüßung mit kleinen Snacks und saftigem Obst wurden wir in unsere Zimmer eingeteilt.

Nach einer kurzen Zimmervisite versammelten wir uns in den fantastisch kühlen Katakomben. Hier bot unser Plenumsraum eine sonnige Terrasse mit einem einmaligen Blick über das beschauliche Dörfchen Rothenfels. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit dem „Kennenlernen-Bingo“ wurden wir von unserer zukünftigen Trainerin durch das weitläufige Burggelände geführt, und nahmen uns vor, direkt nach dem Abendessen den Burgfried als Wahrzeichen der Gegend zu besichtigen.

Zur einfachen, aber sättigen Kost servierten wir selber philosophische Definitionsansätze für „Gerechtigkeit“, „Glaube“ und „Religon“. Auch hier zeigt sich der einmalige Charakter von Jugend debattiert sich auch noch spätabends über die großen Fragen unser Welt auf höchstem Niveau mit anderen netten Jugendlichen aus ganz Deutschland auseinandersetzen zu können. Besänftigt durch das leckere Essen trafen wir uns dann spät abends noch zu einem Treffen in den Kleingruppen, zu welchem dann auch alle Teilnehmer zum Glück gut angekommen sind.

In unserer Trainingsgruppe haben wir uns sofort gut verstanden. Wir alle wollten in den nächsten Tagen intensiv an unserem Debattierpotenzial arbeiten. Dazu wählten wir einen „Ressourcendetektiv“, der uns immer wieder unsere Stärken rückmelden und uns Verbesserungsvorschläge geben sollte. Aber auch der Spaß kam von der ersten Minute an nicht zu kurz, sodass wir und unsere Trainerin Heike mit Witzen und lustigen Geschichten von unserer Anreise das Training immer wieder auflockerten. Den Abend ließen wir noch mit einer Runde „Scharade“ ausklingen, nach der wir dann spätabends voller Vorfreude auf dem nächsten Tag zu Bett gingen.

Am nächsten Tag begann unser „Fine-Tuning“. Hier bereiteten wir eine Eröffnungsrede vor, die wir aufgestellt in einer Reihe unserem Vordermann gegen den Rücken sprechen sollten. Danach begann das Live-Coaching, bei der sofort Verbesserungsvorschläge gegeben werden. Durch diese beiden Übungen konnten wir unsere Sicherheit im Auftreten sichtbar verbessern. Am Nachmittag erarbeiteten wir uns dann die verschiedenen Streitebenen, um unsere Maßnahme besser beleuchten und unserer Debatte mehr Struktur geben zu können. Trotz eines abendlichen Gewitters ließen wir uns unser Abendprogramm nicht verderben, sondern machten es uns in der Burg gemütlich oder besuchten später auch das kleine Dörfchen Rothenfels.

Am Freitag setzte sich das Live-Coaching fort: Unsere Debatte wurde jeweils von Heike und den anderen Debattierenden analysiert und verbessert. Vor dem Mittagessen wurde auch unser Gruppenfoto auf der Treppe zum Rittersaal geschossen, zu dem auch Ansgar Kemmann, der Leiter von Jugend debattiert als Überraschungsgast kam. Mit seiner historischen Burgführung stärkte er unser Bewusstsein für die ehrwürdigen Mauern und lenkte unseren Blick auf bisher verborgene Schätze in der Burg.
Die letzte Übung für den großen Debattenmarathon am nächsten Tag waren neue Strukturmöglichkeiten für unsere Schlussreden wie „Bilanz“ oder „Zuspitzung“, um abschließend unsere Position noch klarer darzustellen. Im Abendprogramm erläuterte uns Ansgar als Idee, Geschichte und Ziel von Jugend debattiert: „Wozu debattieren wir?“. Er stellte sich auch unseren Fragen, die wir zu seiner Person und Tätigkeit hatten.

Am vorletzten Tag war der Tagungsordnungspunkt der Debattenmarathon als angekündigte „große Konzentrationsprobe“. Über den Tag verteilt waren acht Debatten angesetzt, die jeweils vor uns allen zu führen waren. Wir sollten jede Debatte einschätzen und jedem ein kurzes Feedback schreiben. Erfreulicherweise wurden zur besseren Konzentration aber viele Getränke und Gebäcke in den Pausen gereicht. Ich habe mich über das Lob und die konstruktiven Verbesserungschsvorschläge gefreut, die ich in Berlin umsetzen werde.

Im Abschlussplenum in den Kleingruppen ist uns allen dann noch einmal bewusst geworden, wie viel wir in den vergangenen Tagen gelernt haben. Nach der großen Anstrengung freuten wir uns deshalb auch auf den „buten Abend“, zu dessen Gelingen jeder versucht hat etwas beizutragen. Mit humorvollen Moderatoren, lustigen Improvisationen und gefühlvollen Gedichten bildete er einen versöhnlichen Abschluss diesen anstrengenden Tages.

Die lustige und spannende gemeinsame Zeit auf der Burg hat uns Debattierende eng zusammenrücken lassen. Jugend debattiert bedeutet für mich mit netten Jugendlichen aus ganz Deutschland über jede Streitfrage kontrovers mit klarem eigenen Standpunkt und vielfältigen Argumenten zu debattieren, um jedes Thema differenziert zu beleuchten und damit zu einer besseren Urteilsbildung zu kommen. Das Burgleben bot hier eine einmalige Gelegenheit sich mit aktuellen politischen Themen auseinanderzusetzen oder gemeinsam Antworten auf die großen Fragen unseres Lebens zu entwickeln.

Das Landessieger-Seminar hat damit wie zuvor das Regionalsieger-Seminar neue Maßstäbe gesetzt. Wir haben viel gemeinsam erreicht und lustige Tage auf der Burg verbracht. Mit einem gemeinsamen Lied, bei dem jeder lautstark mitsang und mit dem Klang der uns überreichten Jugend debattiert Glocken nahmen wir voneinander Abschied. Wegen unserer schönen Zeit auf der Burg war der Abschied sehr emotional. Zum Glück bleibt aber ein kleiner Trost: Am Abend sind wir alle wieder gut zu Hause angekommen und wir werden uns fast alle in Berlin wiedersehen, wo wir dann wieder über spannende Themen debattieren werden.

Bericht von Johnny Bonk
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