Gebäude mit Geschichte- Zigarrenfabrik Rinn und Cloos

die Fabrik
 
original Arbeitstisch steht jetzt im Heimatmuseum in Heuchelheim
Heuchelheim: Deutschland | Wenn man über die Zigarrenfabrik Rinn und Cloos schreiben will, muss man erst einmal klarstellen, über welches Gebäude man schreibt. Ich schreibe über die von den Heuchelheimern liebevoll Fabrik genannten Hauptsitz der Zigarrenmacher. Teile der Fabrik sind noch aus der Gründerzeit also um 1900. Die Fabrik wurde jedoch im 2. Weltkrieg von den Bombenangriffen nicht verschont. Aus diesem und aus Gründen der Neunutzung zeigt sich die Fabrik heute in einem baulichen Mix. Die alten Teile sind deutlich am roten Backstein zu erkennen. Um die Geschichte der Fabrik zu verstehen, muss man die Geschichte der Firma Rinn und Cloos belichten. Die Firma wurde von Ludwig Rinn und Heinrich Wilhelm Cloos im Jahr 1895 in Heuchelheim gegründet. Damals noch einer von vielen Zigarrenfabriken in Hessen. In Handarbeit später auch maschinell wurden hier Tabak zu Zigarren. Herr Cloos hielt sich aus den Geschäften raus. Er war Geldgeber und Ludwig Rinn der leidenschaftliche Zigarrenfabrikant. Im Ersten Weltkrieg gab es dann die Ersten Schwierigkeiten in der Tabakindustrie. Ein Einfuhrverbot machte allen das leben schwer, auch bei Rinn und Cloos kam es zur Kurzarbeit. 1920 wurde Rinn und Cloos eine Aktiengesellschaft. Die hohen Fenster des gründerzeitlichen Gebäudes erlauben gute Lichtverhältnisse, die damals und heute das Arbeiten in der Fabrik angenehmer machen als in den modernen Hallen, die heute so üblich sind. In der Fabrik zu Arbeiten war für viele Frauen der Region die Möglichkeit etwas zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Bei Rinn und Cloos gab es bereits die Heimarbeit. Frauen auf den Dörfern bekamen Holzkisten und Papierbanderolen zum Bekleben nach Hause und konnten so Arbeiten. Rinn und Cloos eröffnete in Alten Buseck, Daubringen und Fellingshausen, Frankenbach, Garbenteich und Großen Linden, Londorf, Rodheim und Staufenberg sowie viele Orte mehr Zweigstellen, in denen hauptsächlich Frauen beschäftigt waren. Insgesamt gab es neben Heuchelheim noch 36 Filialen.1927 errichtete Rinn & Cloos eine Stiftung für Hinterbliebenenunterstützung und Pensionszuschüsse. Also man kann sagen das der Fabrikant Ludwig Rinn für seine Arbeiter und Arbeiterinnen sorgte. Das half ihm aber nicht um gegen die Zigarette anzukämpfen. Bereits 1932 besorgte er sich ein zweites Standbein mit dem Erwerb der Konkursmasse der Gießener Maschinenfabrik Heyligenstaedt AG. Die Zigarre hatte es zunehmend schwerer und so wurden mit der Zeit alle Filialen der Zigarrenfabrik geschlossen. In der Stammfabrik in Heuchelheim wurde ebenfalls die Produktion gedrosselt. Die frei werdende Kapazität des Fabrikgebäudes wurde durch den Erwerb von Minox , einer Kamerafirma, wieder belebt. Ab 1945 gab es nun Zigarren und Fotoapparate im Gebäude der Fabrik. Doch auch die neuen Standbeine konnten den Untergang der Fabrik nicht verhindern. 1986 wurde Heyligenstaedt verkauft und 1988 musste auch Minox Vergleich beantragen. Die Zigarrenfabrikation überlebte bis ins Jahr 1991. Das Gebäude wurde verkauft und zum Gewerbepark Rinn und Cloos umgewandelt. Jetzt sind dort viele kleine und mittelgroße Betriebe wie die Zaugküche oder Architekturbüros beheimatet. Die hohen Decken und großen Fenster erlauben auch Künstlern ein angenehmes Werkeln. In dem Gebäude ist immer noch sehr viel Leben! Seit 1994 gibt es in Hessen wieder einen Zigarrenfabrikanten. Der Name ist Steffen Rinn aus Heuchelheim. Der Sitz der Firma ist wieder die Fabrik in Heuchelheim. In einem Bereich des Gewerbeparks geht er dem Handwerk seines Vorfahren nach. In der Fabrik gibt es wieder Zigarren aus Handarbeit. Die Firma Don Steffanos liefert Zigarren in kleinen Holzkästen in der Tradition der Familie. Genau dieser Tradition entsprechend wird die nächste Generation den Betrieb weiter führen. Das Gebäude der alten Zigarrenfabrik hat viele kommen und gehen sehen. Es ist noch heute Sitz von vielen Arbeitsplätzen, auch wenn es unterschiedliche Firmen sind, die Sie bevölkern. Wenn man in den verschiedenen Heimatmuseen in der Region nachschaut, kommt man immer wieder mit der Fabrik in Kontakt. Wenn man Glück hat, bekommt man einen Museumsführer der einen genau erklären kann, wie man Zigarren macht. Gelernt in der Fabrik in Heuchelheim und immer noch voll Begeisterung für Ihre Fabrik. Wie in der Fabrik gearbeitet wurde und wie die Hallen damals ausgesehen haben, kann man im Heuchelheimer Heimatmuseum anschauen. Dort gibt es 2 original Arbeitstische sowie ein Album mit Bildern aus der produktiven Zeit von Rinn und Cloos.
Die ,, Fabrik,, ist eben nicht nur ein Gebäude, sondern sie ist mit viel Emotionen und Geschichten gespickt. In den Herzen der Heuchelheimer ist ein Platz für die Fabrik.
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