Lahnaue Wanderung mit der Bürgerinitiative schützt die Lahnaue

Wanderung durch die westliche Lahnaue
 
Begrüßung
 
Klosterkirche
 
Herr Busse erklärt
Heuchelheim: Deutschland | Meine Sonntgswanderung durch die Lahnaue war diesen Sonntag etwas anders als sonst. Nachdem sich der Nebel des frühen Morgen gelegt hat, die ersten wärmenden Sonnenstrahlen das Fell des Feldhasen getrocknet und mein Kaffee gemundet hat, wurde alles für die Sonntagswanderung gerüstet. Diesen Sonntag sollte es in die westliche Lahnaue gehen. Zu meiner Freude wollte sich meine Familie der geführten Wanderung der Bürgerinitiative schützt die Lahnaue anschließen. Um 10 Uhr war Treffpunkt an der Schleuse in Dorlar. Nachdem wir erst auf der falschen Seite der Lahn nach der Gruppe gesucht haben, wurden wir von einer netten Dame mitgenommen. Bei dieser Frau muss ich mich auf diese Art und Weise Bedanken, da sie die Wanderung nicht komplett mitgemacht hat, und ich mich nicht richtig bedankt habe. Wir wären ohne sie zu spät gewesen. Danke noch mal an die Unbekannte! Wir waren gerade rechzeitig zur Ansprache von Herr Busse an der Schleuse angekommen. Kurz wurde die Bürgerinitiative erklärt. Das es hier nicht darum geht den Menschen aus der Natur zu entfernen, sondern den Menschen einen guten Umgang mit der Natur nahe zu bringen. Dass man ein wachsames Auge auf die Planungen der Lahnpark GmbH hat, um eine weitere Zerstörung vorhandener Natur und Kultur, sowie das Verschwenden von Steuergeldern, zu belichten. Nur wenn bekannt wird, wie viel Geld in dieses Projekt gesteckt wird und welche Ideen verwirklicht werden sollen kann man etwas für den Erhalt der Natur und gegen die Vermarktung der Lahnaue tun. Die ersten geschichtlichen Informationen bekamen wir gleich an der Schleuse. Diese wurde 1845 bis 1848, im Rahmen der Schiffbarmachung der Lahn, unter preußischer Leitung erbaut. Es handelt sich um eine Kammerschleuse mit benachbartem Schleusenwärterhaus. Direkt dahinter liegt die Amendsmühle. Diese wird bereits 1324 als Erbpachtmühle des Klosters Dorlar erwähnt. Sie gehörte zeitweilig den Herren von Buseck bzw. den Grafen von Nassau. Mühlengeschichtlich ist diese Mühle von Bedeutung. Sie hatte für damalige Verhältnisse eine sehr gute Auslastung. Zwischen Schleuse und Mühle befindet sich eine kleine Insel, auf der eine Ölmühle steht. Vonseiten des Denkmalschutzes ist nur die kleine Ölmühle und die Schleuse von Bedeutung. Die Amendsmühle wurde abgerissen und ein modernes Wohngebäude errichtet. Wohnen an der Lahn ist ja jetzt Trend. Die kleine Insel, die vor dem Verkauf der Amendsmühle noch ein kleines Naturparadies war, ist nun Privatbesitz und Partyzone für die Bewohner der Amendsmühle. Für die Natur ist nun kaum noch Platz. Wir gehen den Weg etwas weiter, bis wir an eine Stelle kommen, wo kleine Gärten angelegt sind. Herr Busse präsentiert den ersten Ort für den neuen geplanten Bootsanleger. Hier wurde viel Geld für eine Planung ausgegeben, ohne das der Gemeinde die Gärten gehören. Die Besitzer der Gärten scheinen diese auch gar nicht verkaufen zu wollen. Der neue Anleger soll die touristischen Fahrzeuge der Kanuverleiher aus dem Ort bekommen. Aber an dieser Stelle ist das gar nicht möglich, weil weder die Grundstücke noch die Zufahrtsstraße zur Schleuse der Gemeinde gehört. Hier wurde Geld verschleudert, das viel besser hätte angelegt werden können. Durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung der Wiesen sind die wilden Orchideen verschwunden, genau wie der Fasan, der Kiebitz und das Rebhuhn. Herr Busse führte die Gruppe über die breite Straße auf die andere Seite der Lahnaue. Hier zeigte er uns einen kleinen Auenwald und zwei kleine Bäche, die sich an dieser Stelle treffen. Leider ist dieser Bachbereich so verschlammt, das hier kaum noch Fische zu sehen sind. Auf der linken Seite stehen schöne alte Obstbäume. Gerade als ich diese Bäume bewundere, erklärt Herr Busse, dass hier der zweite Platz ist, wo ein Bootsanleger geplant wurde. Direkt auf der anderen Seite ist der jetzige Anleger. Hier wäre die Zufahrt gegeben, aber für die Wendemöglichkeit müsste der Auwald und die Streuobstwiese weichen. Dazu kommt, dass diese Stelle bei Hochwasser regelmäßig geflutet ist. Hätte man die Einheimischen gefragt, hätte man sich das Geld für die Planung sparen können. Wir gehen über die Lahnbrücke zum Bootsanleger. Ein Imbiss ermöglicht Wanderer, Radfahrern und Wassersportlern eine Pause zu machen. Hier gibt es eine Toilette, die aber keiner findet, weil der Wegweiser fehlt. Der Rastplatz für Wassersportler bietet Sitzmöglichkeit und befestigte Uferbereiche. Man muss nicht wild aussteigen und den Schilfgürtel demolieren oder an die Gartenmauer pinkeln. Probleme machen hier nur die Zufahrtswege und die lautstarke Partystimmung. Oft kommt es zu Unfällen zwischen Radfahrern und Kanuanhänger, da die Radfahrer oft mit überhöhter Geschwindigkeit die Abfahrtskurve unterschätzen. Ein echtes Problem, das es zu lösen gilt. Etwas weiter an der Lahn war einst eine Badestelle, bevor es das Schwimmbad gab. Wir gehen den Weg weiter, bis wir an eine Streuobstwiese kommen. Uralte Obstbäume mit Höhlen für Fledermaus und Eule erfreuen mein Auge. Etwas oberhalb ist das Klärwerk. Herr Busse hält inne und erklärt uns, dass dies Stelle Nummer drei sei, an der man einen neuen Bootsanleger geplant hatte. Diesmal sogar mit Campingplatz. Zum Glück ist auch diese Planung vom Tisch. Leider hat man vor der Planung übersehen, dass die Lahn in diesem Bereich unter besonderem Schutz steht. Wieder wurde unnötig Geld für eine Planung ausgegeben.Hätte man sich nur einmal die Karte angesehen, hätte man das Schutzgebiet erkannt. Wir gehen weiter durch die Streuobstwiesen Richtung Autobahnbrücke. An der Lahn sehen wir wunderbaren Schilfbewuchs. Die Autobahnbrücke ist in einer Sanierungsphase. Deutlich zu sehen sind die Entwässerungsrohre, die von der Brücke führen. Ein breiter Zufahrtsweg für die Baufahrzeuge ist angelegt. Der Geräuschpegel unter der Brücke ist da, aber nicht zu vermeiden. Die Lahn ist an dieser Stelle befestigt. Zu sehen sind noch Metallpfosten. Herr Busse erklärt das an dieser Stelle ein altes Wehr ist. Hier soll es eine Mühle gegeben haben. Archäologen vermuten einen römischen Hafen an dieser Stelle. Warum nutzt man diese Stelle nicht als Bootseinstieg? Zufahrt ist gesichert, die Lahn bereits befestigt und Anwohner werden nicht gestört.
Man will die Touristen ja nicht von der Lahn vertreiben, sondern einen reibungslosen aber auch naturverträglichen Ablauf. An diesem eventuell alten römischen Hafen gibt es ein Wrack. Es ist ein alter BMW, der vor ca 4 Jahren seinen Weg in die Lahn gefunden hat. Seit dem streitet man über die Bergung. Warum kann so ein Autowrack einfach in der Lahn bleiben? Ist das nicht schädlich für die Natur? Wie ich so darüber nachdenke, kommen die ersten Stehpaddler vorbei. Gemütlich und leise ist diese Gruppe unterwegs. Es könnte so schön sein, wenn sich alle so verhalten würden! Unsere Wandergruppe geht weiter Richtung eiserne Brücke. Diese alte Eisenbahnbrücke gehört der Gemeinde, erklärt uns Herr Busse. Sie ist ein Teilstück der Kanonenbahn. Also kulturgeschichtlich von Bedeutung. Jedoch fehlt das Geld zur Instandhaltung. Man überlegt was mit dieser Brücke passieren soll. Wird sie erhalten oder einfach abgerissen. Wird nach Instandsetzung ein Radweg von Heuchelheim bis Wetzlar gebaut, der Historisches mit Natur verbindet, und was hätte das für Folgen für das angrenzende Naturschutzgebiet? Alles unbeantwortete Fragen. Ein Abriss würde bedeuten, dass die Gemeinde Umweltpunkte bekommt, wenn auch der Brückenpfeiler der alten Bahntrasse aus der Lahn verschwindet. Umweltpunkte, die dann im Internet gehandelt werden könnten. Verschwindet die alte Brücke, dann verschwindet ein Stück unserer Geschichte und ein unberührter Lebensraum für Vögel, Eidechsen und andere Tiere, die diese Brücke bewohnen und als Überweg nutzen. Einfach dem Verfall hingeben geht aber auch nicht. Sanieren ohne Nutzen ist unsinnig! Eine Kleinigkeit noch an dieser Stelle. Im Krieg hat man versucht diese Brücke zu zerstören. Direkt in unmittelbarer Nähe des Brückenpfeilers befindet sich ein Bombentrichter. Die Lahn ist an dieser Stelle ca. 11 Meter tief. Mein Blick geht über die Lahn an eine kleine Wiese, die regelrecht rot leuchtet. Rote Lichtnelke so weit das Auge reicht. Wunderschön an zu sehen. Auf der Lahn kommen die ersten Motorboote vorbei. PS stark sind sie und durchaus in der Lage durch ihre Wellen die Schwimmnester von Haubentaucher und co zu zerstören. Auf der Lahn gibt es zwar eine Geschwindigkeitsbegrenzung aber zu wenig Kontrolle durch die Wasserschutzpolizei. Übrigens, die Lahn ist eine Wasserstraße! Auch wer beim Paddeln betrunken ist, kann daher für Alkohol am Steuer bestraft werden! Hier endet die informative Wanderung. Leider ist dieser Teil der Lahnaue bereits sehr touristisch genutzt und man erkennt, das hier die Vermarktung Fuß gefasst hat. Bleibt zu hoffen, dass man schlimmeres Verhindern kann! Wohnen an der Lahn bedeutet auch immer mit Hochwasser rechnen zu müssen. Die Lahnwiesen werden für den Hochwasserschutz gebraucht und sollten der Natur überlassen werden. Ich bedanke mich für den schönen und lehrreichen Sonntag.
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2 Kommentare
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Werner Szramka aus Lehrte | 23.05.2016 | 12:47  
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 23.05.2016 | 16:39  
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