Erinnert trotz Umbauten heute noch an eine kleine Burg: Die Wehrkapelle von Hemmingen.
Hemmingen: Harkenbleck | Das Naherholungsgebiet Südliche Leineaue erstreckt sich von der Haustür in Döhren oder Wülfel bis hin zum Schulenburger Berg mit dem Schloss Marienburg als krönenden Abschluss. Die Leinemasch bietet sich dabei nicht nur als eine wunderschöne Landschaft für Ausflüge ins Grüne an; sie steckt auch voller Geschichte. In den vergangenen 20 Jahren habe ich in loser Folge interessante historische Details und Ausflugsziele im MASCHSEEBOTEN – das ist eine Stadtteil-Zeitung in Döhren und Wülfel - vorgestellt. Die Hefte mit den einzelnen „Spaziergängen in die Leineaue“ sind längst vergriffen. Daher sollen nach und nach die einzelnen Beiträge nun bei myheimat einen weiteren Leserkreis bekannt gemacht werden.
Heute: Harkenbleck - Wehrkapelle aus dem Mittelalter
Mitten im Naherholungsgebiet der Südlichen Leineaue liegt der Hemminger Ortsteil Harkenbleck. Und im 1226 erstmals erwähnten Dorf steht ein kleines sehenswertes Gotteshaus. Das Baujahr der Kapelle ist recht gut belegt. Der Eingang auf der Südseite trägt im Sturz in gotischen Minuskeln die Jahreszahl 1412. Damals bauten die Harkenblecker auf rechteckigem Grundriss ihr an eine kleine Burg erinnerndes Kirchlein.
Der trutzige Eindruck täuscht nicht. Die Kapelle wurde als Wehrkapelle konzipiert, wie ihre Schwesterbauten in Alt-Hemmingen und Arnum ebenfalls. Daher spendeten anfangs nur kleine Öffnungen dem Gotteshaus Licht. Erst später kamen die quadratischen Fenster hinzu, die von der Nordseite stammen gar erst von 1863. Nur die ehemaligen Scharten des Erd- und Obergeschosses zeigen den mittelalterlichen Zustand. Die alten Bauleute fügten damals wegen der Funktion als Wehranlage zusätzlich ein Obergeschoß hinzu. Dort konnten im Belagerungsfalle Vorräte aufbewahrt werden. Später wohnte hier der Küster. Der wahrscheinlich einstmals vorhandene Steingiebel wurde im frühen 17. Jahrhundert durch einen neuen Dachstuhl ersetzt. Damit verringerte sich das wehrhafte Bild des Gotteshauses.
Die Kapelle gehörte der Familie von Reden, die dort ihre Familiengruft hat. Die letzten Bestattungen wurden allerdings im 19. Jahrhundert vorgenommen. Sehenswert sind in der Kapelle der Altar aus dem 16. Jahrhundert und eine von Eleonora von Reden 1687 gestiftete Barockkanzel. Die Kanzel zeigt vier hölzerne Evangelisten mit ihren Attributen, gewundenen Säulchen und Engelsköpfe.
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