In die "Friedensstadt" Osnabrück mit dem Bürgerverein Hemmingen

Im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses

Den Namen "Friedensstadt" hat Osnabrück erhalten, weil dort 1648 im Rathaus für die protestantische Seite, im Münsteraner Rathaus für die katholische Seite, nach dem 30-jährigen Krieg der Westfälische Frieden geschlossen wurde. Der erste Anlaufpunkt während unserer zweistündigen Stadtführung war das Rathaus, das Wahrzeichen der Stadt Osnabrück. In dem Friedenssaal hängen heute noch die 42 Porträtgemälde der europäischen Herrschern und Gesandten jener Zeit. Neben dem Stadtbild von 1633 wurden uns auch die Bilder von dem im 2. Weltkrieg sehr stark kriegszerstörten Osnabrück vor Augen geführt. Die Altstadt wurde zu 94 Prozent zerstört, doch da war auf unserem Rundgang nichts mehr zu spüren.
Die im Jahr 780 von Karl dem Großen als Bischofssitz gegründete Stadt präsentierte sich uns in einer geschlossenen Einheit. Der dreieckige Marktplatz vor dem Rathaus mit der Stadtwaage mit herrlichem Treppengiebel und der St. Marienkirche bilden eine architektonische Einheit und versprühen mittelalterliches Flair. Der Weg durch die Altstadt führte uns an Osnabrücks Bürgerhäuser vorbei mit ihren Treppengiebeln, klassizistischen Fassaden oder reichen Fachwerksfassaden wie z.B. das Hotel Walhalla. Auch wird Osnabrück die Stadt der "Steinwerke" genannt, da sich dort noch die meisten sehr gut erhaltenen Steinwerkhäuser befinden, wie z.B. der Ledenhof. Häuser, deren Grundmauern im Mittelalter aus Stein gebaut wurden, drückten Reichtum aus. Auf unserem Rundgang standen wir auch vor dem Erich Remarque-Friedenszentrum. Remarque u.a. bekannt durch seinen Kriegsroman "Im Westen nichts Neues" war Osnabrücker Bürger. Unsere Stadtführung endete in dem spätromanischen Dom St. Peter, der uns durch seine Schlichtheit sehr gefiel. Im Inneren befinden sich ein bronzenes Taufbecken aus dem Jahre 1225 und das prächtige Triumphkreuz aus dem 12.Jhd. Es zählt mit seiner Höhe von fast sechs Metern und dem Korpus von 3,80 m Länge zu den größten seiner Art in Europa.
Für viele der Teilnehmer war der Höhepunkt unserer Reise der Besuch des Felix-Nussbaum-Hauses. Felix Nussbaum war ein bekannter und begabter Maler. Er war ein Osnabrücker Jude und wurde im April 1944 zusammen mit seiner Frau in Auschwitz ermordet. Ihm hat die Stadt Osnabrück 1998 von dem Stararchitekten Daniel Libeskind in Anbindung an das Osnabrücker Kulturgeschichtliche Museum ein sehr beeindruckendes Museum bauen lassen, das jetzt gerade seinen zweiten Bauabschnitt erfahren hat. Das Felix-Nussbaum-Haus beherbergt über 200 Werke des Künstlers und ist zugleich Kunstmuseum, Denkmal und Gedenkstätte. Das architektonische Konzept setzt sich einfühlsam und intensiv mit dem Leben und Werk des Künstlers auseinander, dies wurde uns auch in einer sehr emotionalen Führung nahe gebracht. Die "Räume des Vergessens" verbinden in den Achsen der Gebäudeteile Lebensabschnitte Nussbaums mit den Bezugspunkten in Osnabrück: Synagoge, das "Braune Haus", Exil in Belgien und das Leben und Ermordung in Auschwitz.
Beeindruckt fuhren wir zurück nach Hemmingen und viele waren der Meinung, es lohnt sich, wieder nach Osnabrück zu kommen vielleicht schon bald zum dem historischen Weihnachtsmarkt auf dem Domplatz und in der Altstadt.

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Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.Leine-Nachrichten | Erschienen am 09.11.2011
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