Die Mausoleumsruine Graf Carl von Altens bei Hemmingen ist gerettet

Die Mausoleumsruine Graf Carl von Altens.
 
Der Graf war ein hannoversch-britischer General, der bei der Schlacht von Waterloo einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Sieg der Alliierten leistete.
Hemmingen: Sundern | Im April 2011 habe ich über die Ruine des Grafen Carl von Alten bei Hemmingen vor den Toren Hannovers berichtet (Die Mausoleumsruine Graf Carl von Altens im Naturschutzgebiet Sundern). Der Graf war ein hannoverscher-britischer General, der einen nicht unbedeutenden Beitrag zum Sieg bei der Schlacht von Waterloo geleistet hat. Vor dem Landesarchiv am Waterlooplatz ist ihm ein wohlverdientes Denkmal gesetzt. Wohlverdient wäre auch die letzte Ruhe nach seinem Tod gewesen. Doch die sollte er nicht haben.
Gewünscht hatte sich Graf von Alten, dass er nicht weit entfernt von seinem Rittergut in Hemmingen im nahen Sundern, einem einst verlandeten Arm der Leine, einem wunderschönem Auenwald, beigesetzt würde. Seinem Wunsch wurde entsprochen, und dazu wurde ihm im Stil der damals beginnenden hannoverschen Backsteinarchitektur ein Mausoleum errichtet. Es war der erste neugotische Bau dieser Art in Norddeutschland. Stadtbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves, der in Hannover viele Bauwerke errichtet hat und der bedeutende Architekt Conrad Wilhelm Hase setzten das Vorhaben in die Tat um. Zwei Jahre nach von Altens Tod war das Mausoleum fertiggestellt. Im Jahr 1842 wurde der Graf darin in einem Zinnsarkophag beigesetzt.
Gut 100 Jahre später war es mit seiner Ruhe jedoch vorbei. Einbrecher drangen auf der Suche nach Wertvollem durch das Dach in das Mausoleum ein, zerstörten den Zinnsarkophag und zerstreuten die Knochen, die später ein zweites Mal beigesetzt wurden, dieses Mal in der Neustädter Schloss- und Stadtkirche. Diese Freveltat war leider der Beginn des Verfalls der Ruhestätte.
Nach und nach wurde das Mausoleum immer mehr zerstört. Hauptsächlich durch Vandalismus. Doch irgendwann wurden auch Steine von Hemmingener Bürgern für private Bauten entnommen, so dass der mehr und mehr zur Ruine werdende Bau auch als Steinbruch diente. Die natürliche Erosion tat ein Übriges dazu.
In den achtziger Jahren lernte ich die Ruine bei einer Radtour in den Sundern kennen. Der Verfall war schon weit voran geschritten. Nur noch ein einziger der einst vier Ecktürme stand. Wände waren eingestürzt. Überall lagen Gesteinstrümmer herum. Efeu rankte von den Wänden herab und diese waren mit Graffitis und Farbe beschmiert. Nicht unbedingt ein schöner Anblick, wenn man wusste, wie es einst ausgesehen hatte. Doch andererseits hatte es auch eine romantische Seite. Irgendwie wirkte dieser verborgene Ort, zum Teil umgeben von schönstem Auenwald, mystisch und verwunschen. Und gerade diese immer mehr verfallende Ruine war es, die das ausmachte. Ähnliche Ansichten sieht man auf den romantischen Bildern des Malers Caspar David Friedrich. Er hätte, nachts vom Mondschein beleuchtet, sicher seine helle Freude an dieser Szenerie gehabt und seinen Pinsel geschwungen. Doch natürlich war es ein Trauerspiel, dass diese Ruine immer weiter verfiel, und es war absehbar, wenn sie nur noch ein unansehnlicher Trümmerhaufen sein würde.
Doch soweit sollte es dann doch nicht kommen. Hemmingener Bürger hatten zur Rettung der Ruine bereits 1987 einen Förderverein ins Leben gerufen. Sie spendeten selber und konnten diverse Sponsoren für die Erhaltung gewinnen. 2013 war es dann soweit. Bauarbeiter rückten an und begannen mit der Sanierung. Das war nicht einfach, denn schließlich liegt die Ruine inmitten eines Naturschutzgebietes, sogar des zweitältesten in ganz Deutschland. Doch im Folgejahr waren die Arbeiten abgeschlossen. Im April 2014 konnte die gesicherte Ruine mit einer kleinen Feier eingeweiht werden. Auch Graf von Alten hätte sich sicher darüber gefreut.
Nun steht zu hoffen, dass die Mausoleumsruine ihr jetziges Aussehen behalten und nicht wieder durch Vandalismus zerstört wird oder Graffitis an die Wände geschmiert werden. Sie ist ein historisches Zeugnis, einerseits baulich und eben deswegen, weil sie an den Grafen von Alten und damit an die Schlacht bei Waterloo erinnert. Durch dieses Ereignis wurde Europa beim anschließenden Wiener Kongress neu geordnet und Hannover wurde zum Königreich. Graf Carl von Alten wurde darin zum Kriegsminister und Außenminister ernannt. Im Jahr 1840 starb er in Bozen.

Siehe auch: Vor 300 Jahren begann die Personalunion der Welfen mit Großbritannien
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 06.11.2015 | 14:51  
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