Offener Brief an Heidi!
Helgoland: Helgoland | Erst war es ein Kommentar, doch dann dachte ich, er ist auch eine Laudatio auf "Helgoland", die ich gerne öffentlich halten möchte. So schreibe ich sie als "Offenen Brief an Heidi":
Liebe Heidi!
Föhr ist sehr schön und ich liebe auch Amrum. Aber auf Helgoland "läuft man nicht nur die Wege ab".
Das Meer, der Himmel mit seinen Wolken und vor allen Dingen das Licht verändern sich ständig und sie erzählen ihre Geschichten. Das gilt besonders jetzt in der eher stillen Jahreszeit. Wenn man an den Klippen entlang über das Oberland sich beim Laufen gegen den Wind stemmt und die Möwen im Vorbeiflug den Kopf nach dem einsamen Wanderer drehen, dann ist jeder Weg immer wieder neu. Und dann gibt es da auch die stillen Momente auf einer geschützten Bank mit dem Blick an den unendlichen Horizont und in die rauschenden Wellen. Und so ganz nebenbei erholt man sich in der klaren Luft und geht gerne am Strand der Düne auf Entdeckungsreise. Jetzt im Winter, da gibt es noch die inzwischen große Familie der Kegelrobben, die in den vergangenen Wochen ihren Nachwuchs bekommen haben. Natürlich ganz zu schweigen von der Vogelwelt, die für die Kenner noch ein Eigenes zu bieten hat.
Bei mir war es schon vor Jahrzehnten eine "Liebe auf den ersten Blick" und sie hält noch immer. Ich erkenne oft die Gesichter der Menschen, die hier leben und von dem einen oder anderen kenne ich auch dessen Geschichte. Sie ist mir auch deswegen so sympathisch, diese kleine Welt, die mitten in der Nordsee über die Jahrhunderte ihren großen Kampf führt.
Ich lese zur Zeit in den Büchern des Inseldichters James Krüss, dessen Werke einen internationalen Rang bekommen haben. Und wenn ich über die Insel gehe, dann begegnen mir viele bedeutende Namen, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Aber auch für die deutsche Geschichte ist diese Insel ein besonderer Ort. Für mich ist da der nachhaltigste Eindruck der des Aufbauwillens. Im großen Krater, dem heutigen Mittelland, steht die Paracellsus-Nordseeklinik-Helgoland. Unweit von ihr haben die Kinder einen großen naturbelassenen Bolzplatz. Gibt es ein schöneres Zeichen, das man dem Wüten des Krieges und der Gewalt entgegensetzen kann? An vielen Stellen der hoch über das Meer aufragenden Klippen kommen alte zerfallene Reste von Festungsanlagen ans Licht. Sie sind überwundene Vergangenheit und die Natur zeigt, wie sie die Stärkere ist. Auch das grüne Oberland ist durch die Bombentrichter eine Hügellandschaft geworden, auf der heute Schafe (Heidschnucken) friedlich grasen.
Helgoland ist ein Sinnbild für den Wiederaufbau und den Frieden geworden und so dicht mit der deutschen und europäischen Geschichte verwoben, dass es nicht nur eine touristische Bedeutung haben sollte. Deshalb bin ich froh, dass die Helgoländer am Klippenweg mit kleinen Pyramiden hierauf einen kurzen Blick werfen lassen.
An dieser Insel kann man nicht achtlos vorübergehen.
Erst gestern führte ich im Café Krebs an der Falmmauer mit dem Bäcker und Konditor, Jahrgang 1938, ein kleines Gespräch beim Tee. Mit dem Blick auf die Düne waren wir uns einig, dass die Insel und die Helgoländer die Beachtung und Achtung unseres ganzen Landes verdient hätten. Nein, sie lamentieren nicht, diese Helgoländer. Sie sind stolz und sie wissen anzupacken. Das haben sie schon bewiesen. Ich mache mir da keine Sorgen für ihre Zukunft. Aber ich weiß auch, dass sie uns auf dem Festland nicht gleichgültig sein dürfen.
Diese Insel ist "meine Insel" und ich hoffe, sie wird im Bewusstsein unseres Landes auch "unsere Insel" werden und bleiben!
Ich grüße Dich herzlich!
Gerhard
P.S. Die beigefügten Bilder sind von meinem jetzigen Aufenthalt (9.1. - 9.2. 12), einer Kur für Körper und Seele! Auch dafür steht Helgoland...



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