Bundesweiter Konvent der Bürgerinitiativen gegen SüdLink

Das Stadtschloss von Fulda - eine sehenswerte Stadt
 
Die Orangerie die Stadtschlosses von Fulda, hier tagte der Konvent
 
Unser Tagungssaal - viele Stühle, leider noch wenige Leute
 
es füllt sich langsam
14. März 2015 Fulda
Die Bürgerinitiative Fuldatal e.V. hatte mit freundlicher Unterstützung der Stadt Fulda zu diesem bundesweiten Konvent in die Orangerie des Stadtschlosses nach Fulda eingeladen
Unter der Überschrift „Energiewende – Zum Scheitern verurteilt oder Chance für die Zukunft?“ haben sich über 200 Menschen eingefunden, um den Vorträgen aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu lauschen und in späteren Gesprächen weitere Details und Informationen zu erhalten und Antworten auf ihre Fragen zu bekommen.

Johannes Lange von der veranstaltenden BI Fuldatal hieß die Teilnehmer aus Niedersachsen, Hessen, NRW und Bayern herzlich willkommen, dankte für das zahlreiche Erscheinen und reichte anschließend das Wort weiter an den scheidenden Oberbürgermeister von Fulda, Gerhard Möller, der zusicherte, die Bürgerinitiative auch weiterhin mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Zum Abschluss der Begrüßung stellte Guntram Ziepel, Vorsitzender des Bundesverbandes der Bürgerinitiativen gegen SüdLink, den heutigen Zeitplan vor, der jedoch schon bald hinfällig war.

Als nächster Tagesordnungspunkt folgten die Statements und Grußworte:

Politik


Zuerst wurde der Landrat Bernd Woide auf das Podium gebeten. Ihm folgten die Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) und Birgit Krömpel (SPD). Entgegen der ursprünglichen Planung wurden die Reden der OB-Kandidaten Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) und Ralf Zwengel (B'90/Grüne) vorgezogen, da diese aus Wahlkampfgründen noch weitere Termine an diesem Tage wahrnehmen mussten. Anschließend kamen die MdL Dr. Walter Arnold (CDU), Sabine Waschke (SPD), Jürgen Lenders (FDP) und Marjana Schott (Linke) zu Wort. Mit Jürgen Vogel (CSU), Bürgermeister von Motten im Lkr. Bad Kissingen, und Teilnehmer des Energiedialogs in München, kam ein weitere Streiter gegen die Stromtrassen zu Wort.
Bei all diesen politischen Reden war natürlich etwas Parteigezänke vorprogrammiert, gerade im Vorfeld der Bürgermeisterwahl in Fulda. Gleichzeitig waren sich die Redner einig, dass erst einmal der Bedarf dieser Gleichstromtrasse zweifelsfrei nachgewiesen werden muss, ehe man sich Gedanken über das wo und wie der Trassenführung machen könne. Diesen Bedarf sahen viele der Politiker noch nicht als gegeben an. Insbesondere Fr. Schott und Hr. Vogel plädierten für eine dezentrale Energiewende mit regionaler Wertschöpfung und votierten strikt gegen die HGÜ. Es seien genug Netze, insbesondere Verteilnetze, vorhanden und es sollten mehr auf neue Techniken, wie z.B. Power-to-Gas gefördert werden. Hr. Vogel kritisierte, dass viel Politiker nach dem „Ob“ fragen und leise im Nachsatz erwähnen, „aber wenn, dann bitte unter die Erde“.
Bei den nachmittäglichen Gesprächsrunden war dann leider keiner dieser Politiker mehr anwesend.

Verwaltung


Es folgte die Verwaltung, in diesem Fall ein Vertreter der Bundesnetzagentur (BNetzA).
Der Redner verwies darauf, dass es in seinem Vortrag nicht um die Bedarfsermittlung geht, sondern nur um das Verwaltungsverfahren. Die Bedarfsermittlung sei nachmittags Thema bei seinem Kollegen in der Gesprächsrunde.
Zuerst wurde die BNetzA vorgestellt. Sie ist eine Regulierungsbehörde und es wurde im Jahr 2011/12 eine eigene Abteilung, die Abteilung „N“, für den Netzausbau eingerichtet.
Danach wurde der allgemeinen Ablauf von der Bedarfsermittlung (Szenariorahmen, Netzentwicklungsplan, Bundesbedarfsplan), über die Planung (Bundesfachplanung und Planfeststellung) bis zum Bau erläutert und welche Maßnahmen die einzelnen Teilabschnitte beinhalten. Im Bundesbedarfsplan werden z.B. die jeweiligen Netzverknüpfungspunkte festgelegt, bei der Bundesfachplanung ein ca. 1 km breiter Korridor und bei der Planfeststellung der genaue Trassenverlauf.
Auch die Erdverkabelung war ein Thema und es wurde erklärt, wann und unter welchen Bedingungen die Kabel unter die Erde gelegt werden könnten
Ein weiteres Thema war die Überarbeitung des SüdLink-Antrages und dann folgte ein Ausblick über den weiteren Bearbeitungsablauf (z.B. Antragskonferenzen usw.).
Als Fazit wurde gezogen, dass der Vorhabenträger TenneT noch nacharbeiten muss, dass der Zeitbedarf noch nicht exakt absehbar ist und dass Hinweise, Daten, Informationen seitens Bürger ernst genommen und geprüft werden.
Im Anschluss konnten dann eine kurze Frage gestellt werden, ehe es zum nächsten TOP ging.

Wirtschaft


Den ersten Vortrag hielt ABB.
Zuerst stellte der Redner sein Unternehmen vor, verwies auf die jahrelange Erfahrung mit Erdverkabelung im Bereich HGÜ und nannte dafür Referenzprojekte. Allerdings bezog sich das überwiegend auf 320 kV Leitungen.
Die für den SüdLink angedachte 525 kV XLPE Leitung wurde bisher noch nicht eingesetzt. Die Kupferausführung hat eine Übertragungsleistung von 2600 MW, die Trassenbreite würde ca. 5m betragen und alle 1,7 km müsste eine Muffe gesetzt werden.
Gemäß BMU-Studie würde eine Erdverkabelung ca. 2 – 8 fach teuerer sein wie Freileitungen. Die Kosten sind u.a. abhängig von der Anzahl der Übergabestationen zwischen Erdkabel und Freileitungen. Erdkabel seien relativ wartungsfrei und gemäß Aussage des Redners könnte der SüdLink ziemlich komplett als Erdkabel verlegt werden können.

Anschließend hielt Hr. Rennert von Infranetz einen Vortrag
Nach einer kurzen Vorstellung des Unternehmens, stellte der Redner die Behauptung auf, dass eine reine Erdverkabelung von Wilster nach Grafenrheinfeld auch nicht teuerer sei, wie eine Freileitung, wenn man alle Kosten mit einbeziehen würde. Das teuerste sei eine Teilerdverkabelung, da wie bereits vom Vorredner erklärt, der Übergang von Erdverkabelung zur Freileitung die Kosten treiben und die Leitung anfälliger machen würde.
Er stellte auch die sehr platzsparende Verlegetechnik , überwiegend auf Ackerrändern, Feld- und Rückewegen entlang der A7 in den Vordergrund, und erklärte, dass die Abwärme keinerlei Probleme für den Boden bereite. Bäume müssten nicht gefällt werden und breite Schneisen seien nicht vonnöten.
Nach Vorstellung bereits bestehender Referenzleitungen kam er noch auf dem gesundheitlichen Aspekt zu sprechen und stellte hier die Vorteile der Erdverkabelung gegenüber der Freileitung heraus (elektrische und magnetische Felder, Raumladungswolken etc.). Auch der Wertverlust der Immobilien ist bei der Erdverkabelung bedeutend geringer als bei Freileitungen.


Als letzter Vortrag folgte zum Abschluss

Wissenschaft


Hier ging es um das Thema Gesundheit. Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Martin
benannte seinen Vortrag „Gesundheitliche Gefährdungen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern“.
Der Redner machte deutlich, das bei solch großen Projekten Umweltverträglichkeitsprüfungen vorgeschrieben sind, es aber bei HGÜs noch keine Langzeitstudien gäbe.
In seinen Ausführungen unterschied er zwischen direkten und indirekten Wirkungen der HGÜ-Leitungen auf den Menschen.
Direkte Wirkungen durch elektrische und magnetische Felder. Die indirekten Einwirkungen entstehen durch Mikroentladungen, Ionisation der Luft = Raumladungswolke, Ozonbildung (in Europa sterben jährlich ca. 16.000 Menschen an Ozon) und Entstehung von Stickoxiden. Man unterscheidet 4 Arten von Wirkungen: Wahrnehmung, Belästigung, Schmerzen und Schädigung. Ferner unterscheidet man zwischen akute Wirkung und Langzeiteffekten. Es sind sowohl physiologische, wie auch psychische Auswirkungen durch elektrische und magnetische Gleichfelder möglich.
Gegen Ende des Vortrages wies er auf die Empfehlungen der Strahlenschutzkommision (SSK) hin, die el. Gleichfelder von HGÜ-Leitungen zu begrenzen. Das SSK empfiehlt neben weiteren Forschungsprojekten in Form von Humanstudien unter kontrollierten Bedingungen auch, die Netzbetreiber darauf hin zu weisen, mögliche Sekundäreffekte (z.B. Elektroschock durch Entladungen) durch Abhilfemaßnahmen zu unterbinden. Schutz von Personen mit magnetisch aktivierbaren Implantaten (z. B. Herzschrittmacher) ist ebenfalls zu betrachten.
Ebenso wurde erwähnt, dass sich die jeweiligen Grenzwerte höchst unterschiedlich gestalten.
Zusammenfassend wurde darauf verwiesen, dass der Stromnetzbetreiber die Unbedenklichkeit beweisen müsste und nicht umgekehrt, dass stets die gesundheitlich risikoärmste Lösung gesucht werden sollte und dass grundsätzlich der Ausbau des Stromnetzes mit HGÜ-Leitungen zu hinterfragen sei.


Auf Grund der vielen und auch langen Vorträge war der Zeitplan inzwischen komplett hinfällig und nach einer kurzen Pause, in der man Kontakte knüpfen oder pflegen konnte, ging es weiter mit den unterschiedlichen Dialoggesprächen. Erwartungsgemäß hatte der Vertreter der BNetzA, Dr. Jochen Patt, der größten Personenkreis um sich geschart. Er erläuterte die Bedarfsermittlung seitens der ÜNB und die Prüfung durch die BNetzA. Bis 2024 werden in Süddeutschland 10GW Leistung durch AKW vom Netz gehen und diese muss natürlich ersetzt werden. Da im Norden Deutschlands seiner Aussage entsprechend bis dahin mehr Strom erzeugt wird als benötigt, im Süden aber zu wenig, sind die HGÜ notwendig. Die vielen BI Mitstreiter sahen das natürlich völlig anders und so kamen die BNetzA und die Bis auf keinen gemeinsamen Nenner.

Nach Abschiedsworten durch Hrn Ziepel und Hrn. Lange endete der Konvent kurz vor 18 Uhr.
Es war ein guter Anlass Vertreter der Bis entlang des SüdLinks kennenzulernen und auch bereits bestehende Bekanntschaften zu vertiefen. Neue Argumente für oder gegen die Trasse sind nicht hinzu gekommen. Mit diesem Konvent wurde gezeigt, dass es doch möglich ist eine gemeinsame Veranstaltung auf dem doch sehr langen SüdLink durchzuführen.
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Rainer Bernhard aus Seelze | 28.03.2015 | 09:38  
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