Hüftentwicklungsstörungen bei Babys: Frühzeitige Behandlung verhindert spätere Arthrose

Prof. Schräder, Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg
Was im ersten Augenblick eher an ein Leiden älterer Menschen erinnert, ist das häufigste orthopädische Problem bei Babys: Drei von 100 Säuglingen kommen mit der Hüftfehlstellung Hüftdysplasie auf die Welt.

Hüftentwicklungsstörungen kommen bei Babys häufig vor
Bei Neugeborenen können Reifungsstörungen der Hüfte auftreten. „In vielen Fällen normalisiert sich diese Entwicklungsstörung innerhalb der ersten Tage nach der Geburt. Anders sieht es bei einer Hüftdysplasie aus“, sagt Prof. Dr. Peter Schräder, Leitender Arzt der Klinik für Orthopädie und Traumatologie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg; die Klinik unter der Leitung von Chefarzt Dr. Hanns-Edgar Hoffart besitzt umfangreiche Erfahrungen bei Hüftgelenksarthrosen.

In den ersten drei Monaten sind Knochen noch beeinflussbar
Bei einer Hüftdysplasie umschließt die Gelenkpfanne den Gelenkkopf nicht richtig und bei zunehmender Belastung und Bewegung gleitet er heraus. Die Ursachen sind vielfältig. Kinder von Eltern mit angeborenen Hüftfehlstellungen, Mehrlinge und Babys, die im Mutterleib falsch herum lagen, sind besonders häufig betroffen. Hüftdysplasien lassen sich bei Hüftscreenings feststellen. „Heute sind Hüftscreenings schon innerhalb der ersten Lebenstage und -wochen Standard. Auch ein Ultraschall beider Hüftgelenke wird bei der U2-Vorsorgeunter¬suchung, spätestens bei der U3 zwischen der vierten und sechsten Lebenswoche, durchgeführt“, so Prof. Schräder. „In den ersten drei Monaten wachsen die Gelenke eines Menschen besonders stark, sind also noch leicht beeinflussbar und lassen sich innerhalb von wenigen Wochen korrigieren“, erklärt der Facharzt.

Bei Nichtbehandlung droht Arthrose
Eine unerkannte Hüftdysplasie bei Babys schränkt die Beweglichkeit im späteren Leben erheblich ein, kann zu Funktionsstörungen des Gelenks, Gangbildstörungen, Muskelverkürzungen und zu Schmerzen in der Hüfte, den Beinen und dem Rücken bei Jugendlichen oder Erwachsenen führen. Die aufgrund der Hüftfehlstellung falschen Belastungen im Alltag und im Sport führen häufig zu einer Abnutzung des Gelenkknorpels und damit zu einer frühzeitigen Hüftarthrose. Manchmal bleibt im Erwachsenenalter nur die Behandlung mit einem künstlichen Hüftgelenk.

Konservativ behandeln mit breitem Wickeln und Spreizhose
Eine konservative Behandlung der Hüftdysplasie ist nur im Säuglingsalter möglich. Breites Wickeln, eine Spreizhose oder – schiene verhindern ein Durchstrecken des Beins und sorgen so für eine Stabilisierung des Gelenks. „Viele Eltern leiden, wenn sie ihre Kinder in dieser Situation sehen. Das ist aber unbegründet, da die Babys in der gleichen Sitz-Hock-Posi¬tion wie im Mutterleib liegen und das nicht als störend empfinden“, so Prof. Schräder. Diese „Hilfsmittel“ werden so lange getragen, bis die Gelenke ausreichend geformt sind. Entwickelt sich die Hüfte trotz konservativer Behandlungen nicht wie erhofft, sind in späterem Alter operative Eingriffe notwendig.

Operation hängt vom Alter und der Fehlstellung ab
Eine operative Behandlung kann bei Kindern und Jugendlichen bis hin zum mittleren Erwachsenenalter erfolgen. Ziel einer jeden operativen Behandlung ist es, mit möglichst wenig Aufwand eine optimale Positionierung des Hüftgelenks zu erreichen. Nach einer bildgebenden Untersuchung zur Diagnostizierung wird dann im Rahmen der Operation entweder an der Hüftpfanne oder am Oberschenkelhals - manchmal an beiden Stellen gleichzeitig - der Knochen durchtrennt und das Hüftgelenk wieder korrekt positioniert. Der durchtrennte Knochen wird wie bei einem Bruch mit Platten oder Schrauben bis zur Ausheilung fixiert. Direkt nach der Operation beginnen intensive, krankengymnastische Behandlungen sowie regelmäßige Nachkontrollen. Zur Vermeidung einer operativen Behandlung gilt bei Hüftfehlstellungen: „Je früher die Behandlung, desto schneller die Ausheilung“, sagt Prof. Schräder.

Beratungssprechstunde in der Orthopädischen Klinik
Die Orthopädische Klinik Jugenheim bietet eine Beratungssprechstunde für Kinder und Erwachsene an, um individuelle Lösungen aufzeigen zu können. Diese reichen von reiner Beratung über physiotherapeutische Maßnahmen bis hin zu Operationsempfehlungen. Manchmal bleibt im Erwachsenenalter nur die Behandlung mit einem künstlichen Hüftgelenk. Die Orthopädische Klinik bietet die gesamte Bandbreite der operativen Versorgung an. „Eine gute Kooperation und enge Vernetzung mit den niedergelassenen Orthopäden, Kinderärzten und Hausärzten ist uns in der Betreuung der Patienten sehr wichtig“, so Prof. Schräder.
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