Bürgermeisterkandidat Harald Wegener für Hann. Münden

(V.li.) Bürgermeisterkandidat Harald Wegener zieht mit seinem Team „Gemeinsam für unser Münden“, Renate Bitz, Angelika Deutsch, Markus Jerrentrup, Sylvia Flor-Gerth und Silke Zindel auf unserem Bild symbolisch an einem Strang. Auch in Zukunft soll die Zusammenarbeit zwischen Wegener und diesem Kompetenzteam eng verzahnt werden.

An einem Strang ziehen für die Stadt



Er ist Mündener durch und durch und darauf sehr stolz: Harald Wegener, von der parteiübergreifenden, unabhängigen Wählergruppe „Gemeinsam für unser Münden“ zum gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten von CDU und BürgerForum gewählt (wir berichteten), erinnnert sich noch genau an ein Telefonat mit Markus Jerrentrup, dem Vorsitzenden des CDU-Stadtverbandes Hann. Münden, vor einigen Monaten: „Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könne Mündens Bürgermeister zu sein und zu kandidieren. Das kam für mich natürlich plötzlich und unerwartet. Ich bat um vier Wochen Bedenkzeit. Nach Rücksprache mit meiner Familie und reichlicher Überlegung war die Entscheidung getroffen.“ Danach gründete sich die unabhängige Wählergruppe in der Mitglieder der CDU und des BürgerForums vertreten sind. Sie machten Wegener schließlich offiziell zu ihrem gemeinsamen Kandidaten. Der 51-Jährige trifft mit diesem „Kompetenzteam“, wie er es nennt, zur Zeit erste Vorbereitungen für den Wahlkampf im Frühjahr.



Politisch aktiv ist Wegener seit 2012. Er ist Mitglied der FREIE WÄHLER (FW), trat während der Finanzkrise der Partei bei, wollte Bürger diesbezüglich besser informieren. „Hier gibt es keinen Fraktionszwang und man kann auch mal anderer Meinung sein. Mit FREIE WÄHLER konnte ich mich am ehesten identifizieren“, erklärt der 51-Jährige. Er ist zwar für den Erhalt des Euro, will ihn aber nicht um jeden Preis retten. Ihm geht es um Nachhaltigkeit und darum, dass internationale Finanzhilfen beispielsweise auch beim griechischen Mittelstand ankommen.


Verbände und Vereine stärken

Den will er übrigens auch in seiner Heimatstadt unterstützen. Überhaupt geht es Wegener darum, dass alle etwas vom Kuchen abbekommen – jederzeit und überall. Ihn stört es deshalb sehr, dass es „immer nur um Münden“ gehe. „Die Ortschaften sind mindestens genauso wichtig, ebenso deren Vereine und Verbände, die die Gemeinschaft zusammen halten. Das alles sollte viel mehr gestärkt werden, damit Jugendliche sich nicht auf der Straße rumdrücken, sondern in die Gesellschaft eingegliedert werden. Für junge Familien könnte das schnelle Internet auf dem Land ein Anreiz sein sich hier nieder zu lassen. Andere Vorteile liegen auf der Hand: Das Bauland ist in den Ortschaften viel günstiger als in der Stadt. Gute Verkehrsanbindungen sind vorhanden. Das alles muss natürlich entsprechend beworben werden“, fordert Wegener. Das gelte auch für studentischen Wohnraum: In Göttingen sei das Angebot nahezu erschöpft. Hedemünden sei aufgrund der Lage und der Bahnanbindung eine Option.

Was die Innenstadt anbelange, sei dringend ein Stadtentwicklungsplan nötig, der gemeinsam mit dem Stadtrat, Verwaltung und Initiativen (z.b. Pro Innenstadt) umgesetzt werden sollte und das zielführend. „Mit Brückenbau ist es nicht getan. Viele solcher Ideen ziehen hohe Folgekosten nach sich, die sich die Stadt nicht leisten kann. Bislang gab es in diesem Feld zuviel Geplänkel, das große Ganze wurde aus den Augen verloren.“

Sollten die Bürgerinnen und Bürger ihm ihr Vertrauen schenken, so der Kandidat, würde eine effiziente Organisation der Verwaltung für ihn kein Problem darstellen. Tagtäglich habe er in seinem Beruf mit Verwaltungseinheiten in einer Größenordnung von mehreren hundert Angestellten zu tun. Er selbst habe Verwaltungstrukturen von Schulen mit eigenem Haushalt und Budget mit aufgebaut und damit zu deren Qualitätssicherung beigetragen.


Zur Person



Harald Wegener, Jahrgang 1962, ist geboren und wohnhaft in Wiershausen. Seit über 20 Jahren ist er Meister im Raumausstatterhandwerk und ebenso lange selbständig. Seit 2006 ist er Lehrer an der Berufsbildenden Schule Einbeck. Vor zwei Jahren erfolgt die Qualifizierung durch die niedersächsische Landesschulbehörde zur Fachkraft für Arbeitssicherheit und Gesundheitsmanagement, darunter in Verwaltung, Werkstätten, Schulen, Kindertages- und Sportstätten. Wegener ist unter anderem Obermeister der Raumausstatterinnung Südniedersachsen, Stellv. Kreishandwerksmeister der Kreishandwerker Südniedersachsen, Jugendschöffe am Landgericht Göttingen und zeichnet als 1. Vorsitzender des BürgerForum Hann. Münden verantwortlich. Wegener ist verheiratet und hat zwei Kinder (15 und 18 Jahre alt).



Harald Wegener im Gespräch



Mündener Rundschau (MR): Herr Wegener, die Stadt drückt ein Schuldenberg in Höhe von 70 Mio. Euro. Im Falle eines Wahlsieges wären Sie in Ihrer Funktion als Bürgermeister nicht zu beneiden. Warum kandidieren Sie angesichts der städtischen Schieflage?
Harald Wegener: Die Stadt muss – auch mit Schulden – weiter verwaltet werden. Die Schulden sind über viele Jahre angehäuft worden. Eigentlich hat Hann. Münden eine gute Wirtschaftsstruktur und gute Steuereinnahmen. Es muss langfristig möglich sein, die Stadt zu entschulden. Einsparmöglichkeiten wären die Vermeidung von neuen Baumaßnahmen mit Drittmittelfinanzierung und solchen, die in ihren Folgekosten nicht überschaubar sind. Zudem müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um dringend notwendige Investitionen, wie die Sanierung der Schlagden, des historischen Rathauses und der Blasiuskirche, zu tätigen. Hier ist auch das Land in der Pflicht, diese geschichtsträchtigen Bauwerke zu sanieren. Ich werde bei allen meinen Entscheidungen mit gesundem Menschenverstand handeln. Ebenso wichtig sehe ich es an, es nicht zuzulassen, dass wir im Süden Niedersachsens abgehängt werden. Mit den direkten und indirekten Nachbarn beabsichtige ich eine konstruktive Zusammenarbeit. Die indirekten Nachbarn sind die Städte, die das Fachwerk-Fünfeck bilden. Osterode am Harz, Einbeck, Northeim, Duderstadt mit Hann. Münden. Als geborener Wiershäuser sehe ich es als eine Verpflichtung meiner Heimatstadt gegenüber, gerade in schwierigen Zeiten mit weiteren Unterstützern „Gemeinsam für unser Münden“ zu handeln.

Mündener Rundschau (MR): Der Verbrauchermarkt an der Bahn ist vom Tisch. Wie bewerten Sie die Situation in der Innenstadt? Braucht Hann. Münden in Ihren Augen ein solches Angebot, vielleicht an anderer Stelle?
Harald Wegener: Der tägliche Bedarf wird auch ohne großen Verbrauchermarkt von den vorhandenen mittelgroßen Märkten gedeckt. Die Innenstadt lebt von vielen gemütlichen Läden, verbunden mit dem gastronomischen Angebot, dem Einkaufserlebnis in einer historischen Stadt. Es muss alles getan werden, um diesen Charme zu erhalten bzw. wieder herzustellen. Der Denkmalschutz sollte hinter der Fassade zweckmäßigen Veränderungen nicht im Wege stehen, damit sich neue Möglichkeiten zur Schaffung zusätzlicher Quadratmeter ergeben. Die Innenstadt braucht ganz besonders ein „Gemeinsam für unser Münden“. Es gibt viel Arbeit, die ein Einzelner nicht leisten kann. Bürgerinnen und Bürger wollen anpacken, mitmachen, mitgestalten und begleiten. Dies hat auch 9X24 gezeigt und landes-, ja bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Touristen, die ich mit meiner Frau an einem dieser Tage traf, sagten uns: „Hann. Münden hebt sich durch Freundlichkeit von anderen Städten eindrucksvoll ab.“ Darüber haben wir uns sehr gefreut.

MR: Ein Kreisel an der Schnittstelle Vogelsang/ Philosophenweg soll wegen der momentanen Verkehrsgefährdung von Fußgängern und Radfahrern gebaut werden. Die SPD setzt sich dafür ein. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?
Wegener: Für Überlegungen zum Bau eines Kreisels oder einer Ampelanlage am Vogelsang/Philosophenweg besteht kein dringender Handlungsbedarf. Nur weil der Kreis seine Mittelzusage vom Bau eines Kreisels abhängig macht, sollte die Stadt sich nicht drängen lassen. Im Gegenteil: Solange die Baumaßnahme am nephrologischen Zentrum nicht abgeschlossen ist, würde eine Baustelle dort ein zusätzliches Hindernis darstellen. Belastbare Zahlen zu den Verkehrsströmen nach der räumlichen Zusammenlegung der Krankenhäuser sind notwendig, um über eine abschließende Vorgehensweise zu entscheiden. Eine Lösung ohne Berücksichtigung der beiden neuralgischen Punkte “Vietor-und Natermannkreuzung“ kann nicht funktionieren. Bis dahin muss eine sichere Übergangslösung für Fußgänger gefunden werden, zum Beispiel weitere Verkehrsinseln am Galgenberg und Zebrastreifen, die mit geringem Kostenaufwand realisiert werden können.

MR: Die städtische Wirtschaftsförderung (WWS) will junge Unternehmer in die Dreiflüssestadt locken und ihnen Raum geben, damit auf einen Schlag Ladenleerstände dezimieren und die Bevölkerungsstruktur verjüngen. Was kann man ihre Meinung nach noch tun, um dem demografischen Wandel zu begegnen und Mündens Innenstadt mehr zu beleben?
Wegener: Wir müssen eine Willkommenskultur entwickeln. Die Strategie muss sein, Neubürger und Unternehmen für unsere Stadt zu gewinnen. Ein kommunales Leitbild muss erarbeitet werden. Zum Beispiel: „Wir sind eine freundliche Stadt, die unterstützt“. Willkommensangebote mit regionalen Aufmerksamkeiten und Unterstützungsangeboten bis hin zu ehrenamtlichen Willkommensbegleitern.
Wie in Wanfried könnte sich aus 9X24 ein Verein entwickeln, der bei Fachwerkrenovierungen unterstützt und damit das Wohnen im Fachwerk attraktiver macht. Wohnen im Fachwerk muss in Göttingen und Kassel aktiver beworben werden, auch mit dem Hinweis auf die gute Anbindung im öffentlichen Nahverkehr. Und wie in anderen Gemeinden sollte sich diese Werbung nicht auf Deutschland beschränken – ältere Bürger der Niederlande suchen Wohnraum für den Lebensabend. Die inhabergeführten Geschäfte müssen gestärkt und die Ansiedlung ergänzender Waren und Dienstleistungen gefördert werden. Touristische Anziehungspunkte müssen finanzierbar und auf Nachhaltigkeit ausgelegt sein.
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