Stammzellenspender aus der Ortsfeuerwehr

Schon seit seinem 14. Lebensjahr ist Olaf bei uns aktiv und meistert zu jeder Tages- und Nachtzeit die Aufgaben einer Feuerwehr im Einsatz- und Ausbildungsdienst. Retter in der Not zu sein ist für den 20-jährigen Brandschützer also nichts Ungewohntes mehr.
Bei seinem letzten persönlichen Einsatz spielt die Feuerwehr aber fast keine Rolle.
An unserem Tag der offenen Tür im vergangenen Juni haben wir Ihnen, zusammen mit der DKMS, das Thema Stammzellenspende näher gebracht. So konnten wir mit Ihrer Hilfe eine finanzielle Spende und mehr als 30 neue Typisierungen an die DKMS weiterleiten. Dass dieser Einsatz nicht umsonst war, wird uns nun von Olaf berichtet.
Schon kurz nach seiner Typisierung bei unserer Feier zum 112. Geburtstag, nahmen die Dinge ihren Lauf.

Während Olaf, wie sollte es auch anders sein, bei einem Feuerwehreinsatz beschäftigt war, klingelte zu Hause das Telefon. Olafs Mutter musste die DKMS vertrösten, die sich dringend mit ihm unterhalten wollte. Der Grund: Olaf kommt womöglich als Stammzellenspender in Frage!
Direkt am nächsten Tag erhielt Olaf auch schon Post: Seine Spenderkarte, sowie ein Blutentnahmeset warteten auf ihn. Nach kurzer, telefonischer Rücksprache mit der DKMS, ging es direkt zum Hausarzt, der die Blutentnahme durchführte. Alles in allem konnten diese Aufgaben in weniger als einer halben Stunde erledigt werden. Die Kosten für die Rücksendung der Päckchen und der Blutentnahme wurden durch die DKMS getragen.
Nach einem weiteren Anruf in der DKMS Zentrale, bei dem er die vollzogene Blutentnahme vermeldete, wurde er von seinem zuständigem Sachbearbeiter auch direkt mit Dank überhäuft - als sei es keine Selbstverständlichkeit sofort zu reagieren.
Nach ca. drei Wochen meldete sich die Deutsche Knochenmarkspenderdatei erneut bei unserem Kameraden. Auch die Ergebnisse, die der Bluttest lieferte, waren eindeutig: Olafs Stammzellen werden dringend benötigt.
Doch bevor es so richtig losgehen konnte, machte er sich auf den Weg nach Köln ins Zentrum für Zellgewinnung. Eine Voruntersuchung mit einem weiterem Fragebogen und einer für Feuerwehrleute nicht unbekannten Prozedur: die Eignungsüberprüfung stand auf dem Plan. Hierbei wurde er auf Herz und Nieren durchgecheckt, wozu z.B. ein Arztgespräch und eine Ultraschalluntersuchung gehören. Schließlich soll der Spender ja nicht gefährdet werden. Auch hier wurden alle Kosten durch die DKMS getragen.
Da es bei einem kerngesunden Feuerwehrmann natürlich nichts zu beanstanden gab, hat Olaf gleich ein Paket mit so genannten Wachstumsfaktoren mit auf den Weg nach Hannover genommen. Wer schon einmal lange geflogen ist kennt vielleicht die kleinen Einwegspritzen, die gegen Thrombose schützen sollen. Genau solche Spritzen musste sich Olaf vier Tage vor dem Termin der eigentlichen Spende täglich verabreichen. Nicht mehr als ein Mückenstich.
Am 11.11. machten sich Olaf und seine Freundin Laura auf den Weg nach Köln - sogar eine Begleitperson durfte er mitnehmen - um am nächsten Tag endlich seine Stammzellen spenden zu können. Allein am genannten Datum in einer Karnevalshochburg mit dem Zug anzukommen, sei eine Reise wert.
12.11. - der eigentliche Grund der Reise und der vielen Vorbereitungen: die Stammzellspende.
Wer glauben möchte, dass Olaf von seltsamen Geräten und einer Menge Ärzte berichtet, die hektisch um ihn herumlaufen, irrt sich. Gelassen schildert er, wie er früh morgens im Zentrum für Zellgewinnung in einer bequemen Liege Platz nehmen konnte, sich einen Film anschaute und einfach die Zeit abwartete. Sicherlich, die beiden Nadeln in den Armen, ähnlich wie bei einer Blutentnahme, ließen keine richtige Sofastimmung aufkommen, aber dafür war er ja auch nicht hier. Zwischen drei und fünf Stunden soll so eine Entnahme nun dauern. Während dieser Zeit wird immer wieder nach dem Rechten geschaut und Verpflegung gereicht. Mit einem Lächeln erzählt er, dass er seinen Film nicht einmal ganz zu Ende gucken konnte, da wurde er schon von den Nadeln befreit.
Etwa eine halbe Stunde wurde sich nun versichert, dass Olafs Kreislauf alles gut überstanden hatte und schon wurde er entlassen. Auf dem Weg nach draußen hielt er noch an einer Deutschlandkarte, die im Zentrum für Zellgewinnung hängt. Jeder Spender steckt hier ein kleines Fähnchen in den Ort wo er herkommt. In weiten Teilen Deutschlands gibt es ziemliches Verbesserungspotential, so meint er.
Während eines kölner Stadtbummels wurde er informiert, dass er am zweiten Tag nicht erneut zur Spende kommen müsse. Dies sei aber ohnehin ganz selten der Fall.
Der bis hierhin völlig cool gebliebene vinnhorster Brandschützer erzählt, dass auf der Heimfahrt im Zug die Gedanken keine Ruhe geben wollten. Der Empfänger seiner Spende, ein Amerikaner so weiß er, wird nun hoffentlich bald wieder ein beschwerdefreies Leben führen können. Vielleicht hat er Kinder, die vor Glück geweint haben, als sie von einem Stammzellspender für Ihren Vater erfahren haben? Wie geht es wohl der Familie und dem nahen Umfeld? Jetzt wird alles wieder gut. Und es war doch so einfach!
Vom Empfänger seiner Spende seien auch schon alle bekannten Details genannt. Mehr Informationen gibt es derzeit nicht. Olaf kann versuchen anonyen Kontakt auf dem Postweg zu suchen. Nach zwei Jahren dürfen auch die Adressen ausgetauscht und werden, sodass dann einem persönlichen Kontakt nichts mehr im Wege steht. Natürlich nur in beiderseitigem Einverständnis.
Auf die Frage ob er wieder als Stammzellspender einspringen würde, antwortet er kurz und knapp: Na klar!
Zwar ist er vorerst für zwei Jahre gesperrt um vor allem für seinen jetzigen Spendenempfänger bereit zu stehen, falls dies erneut erforderlich werden sollte, die Antwort bleibt jedoch: Ja.
Zu guter letzt berichtet Olaf von der Dankbarkeit der DKMS Mitarbeiter, den Ärzten und auch von einer Gruppierung in der Stammzellspender ihre Erfahrungen miteinander tauschen können. In Briefen sei er sogar mit "Sie sind ein Held" angeschrieben worden. Ein wenig überschwänglich, so findet er. Sei es doch das Mindeste, was man von ihm erwarten könne und was jeder eigentlich leisten sollte.
Und genau diese Einstellung macht Olaf zu einem wahren Helden. Ein Held des Alltags - eben nicht nur bei der Feuerwehr.
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