Usutu-Virus tötet Amseln

Usutu-Virus tötet Amseln (Foto: © picture alliance / Hans Punz / p)

Tropenvirus tötet weitflächig Amseln


Aktualisiert am 07. Oktober 2016, 22:19 Uhr
In Kooperation mit SPIEGEL ONLINE

In Deutschland breitet sich erneut das tropische Usutu-Virus aus. Vor einigen Jahren hatte es bereits Hunderttausende Vögel getötet.

Norbert Becker erinnert sich noch daran, wie es 2012 war: "Im Minutentakt haben mich die Leute angerufen und tote Vögel gemeldet. In dem Jahr sind mindestens 300.000 Vögel an dem Usutu-Virus gestorben." Becker ist Biologe bei der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage mit Sitz in Speyer.

Amselsterben geht weiter ...
Jetzt scheint sich das Virus erneut auszubreiten. Ein Spaziergänger hatte Becker alarmiert, nachdem er eine tote Amsel entdeckt hatte. Becker holte das Tier ab und schickte es zum Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI).
Dort bestätigte sich: Die Amsel starb höchstwahrscheinlich am Usutu-Virus. Der Erreger wird durch Mücken übertragen und kommt eigentlich aus Afrika. 2001 wurde er erstmals in Europa nachgewiesen. Gefährdet sind vor allem Singvögel, Amseln sterben häufig an der Infektion.

"Sehr starke Aktivität"
Jonas Schmidt-Chanasit vom BNI bekommt derzeit Proben toter Vögel aus vielen Regionen Deutschlands geschickt. Das Virus zeige in diesem Jahr eine sehr starke Aktivität und trete besonders weitflächig auf, sagte er. Stark betroffen sei diesmal das Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien.

Vor fünf Jahren starben vor allem im Südwesten Deutschlands Vögel. In diesen Gebieten haben die Tiere offenbar eine Herdenimmunität entwickelt, so dass dort jetzt weniger Fälle auftreten. "Diejenigen, die schon eine gewisse Resistenz haben, überleben jetzt", sagte Becker. Auch Schmidt-Chanasit meinte zum geringeren Auftreten im Südwesten: "Das kann ein erstes Anzeichen dafür sein, dass die Amseln Antikörper gebildet haben."
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte vor zwei Wochen zu einer Online-Meldung von kranken und toten Tieren aufgerufen. Inzwischen sind bereits 611 Verdachtsfälle gemeldet worden - eine bemerkenswert große Zahl, erklärte der Nabu. Die meisten Meldungen kamen diesmal aus Nordrhein-Westfalen, insbesondere vom Niederrhein und aus dem Raum Aachen. Hinzu kämen Funde aus der Region entlang des Rheins von Freiburg bis Köln und aus dem Raum Leipzig und Berlin.
Das Usutu-Virus kann durch Mücken auch auf den Menschen übertragen werden. Eine Infektion ist jedoch selten und verläuft meist harmlos. Symptome sind Fieber und Hautausschlag. Bei immungeschwächten und älteren Patienten kann das Usutu-Virus aber schwere Erkrankungen wie eine Gehirnentzündung auslösen. Grundsätzlich sollten Vogelkadaver nicht mit bloßen Händen angefasst werden.

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7 Kommentare
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k-h wulf aus Garbsen | 08.10.2016 | 12:42  
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Uwe Roßberg aus Garbsen | 08.10.2016 | 12:45  
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 08.10.2016 | 12:54  
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Reinhold Peisker aus Burgdorf | 08.10.2016 | 12:57  
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Helmut Bathen aus Köln | 08.10.2016 | 13:14  
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Francis Bee aus Hannover-Südstadt | 08.10.2016 | 14:15  
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gdh portal aus Brunnen | 10.10.2016 | 18:54  
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