Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: In der neuen Siedlung blieben die Lastwagen im Morast stecken

Festunzug zum 50. Jubiläum der Siedlungl
 
Die Siedlungshäuser "Im Bruche"
Hannover: Döhren | Auf eine über 80jährige Geschichte können die Bewohner der Döhrener Siedlung "Im Bruche" zurückblicken. Die schmucken Ein- und Zweifamilienhäuser mit den charakteristischen Dacherkern östlich der Hildesheimer Straße entstanden in den Jahren 1933/34. "Damals war hier eine unwegsame Sumpflandschaft. Die Häuser wurden unter abenteuerlichen Umständen erbaut", erinnerte sich der damalige langjährige AGDV-Vorsitzende Siegfried Hebestreit in einem Gespräch anlässlich des 50. Jubiläums der Siedlung im Jahr 1984.

Beim Bau der Siedlung gab es allerhand Hindernisse zu überwinden. Die Lastwagen mit dem Baumaterial blieben im Morast stecken. Noch beim Einzug mussten die Möbel getragen oder mit einem Handkarren in die neue Wohnung gebracht werden. Denn auch die Möbelwagen konnten die Häuser nicht anfahren.

Bereits im Jahre 1910 erwarb die Stadt Hannover die Fläche der späteren Kleinsiedlung. Aber erst Anfang der dreißiger Jahre begann das Wohnbauprojekt. Für 1,50 Reichsmark pro Quadratmeter konnten bauwillige Hannoveraner Parzellen kaufen. Strenge Vorschriften herrschten. Die Häuser durften nicht mehr als 6000 Reichsmark kosten, die Hälfte davon musste als Eigenkapital aufgebracht werden.

Die Straßen der neuen Siedlung wurden nach bekannten Astronomen benannt und gehen zum Teil auf Vorschläge der Bürger zurück. "Ich erlaube mir freundlichst, die Bitte auszudrücken, einer neu zu errichtenden Straße in Döhren den Namen Mädlerstraße beilegen zu wollen, zur Erinnerung an den großen deutschen Astronomen Mädler", heißt es in einem Brief an den Magistrat der Hauptstadt Hannover vom 8. Oktober 1932. "Die Benennung nach Mädler erscheint umso mehr berechtigt, als ich auf dem an dieser Straße belegenen Grundstück nach Errichtung eines bescheidenen Wohnhauses auch astronomische Beobachtungen anstellen werde", begründete der Briefautor seinen Wunsch.

Bis 1937/38 mussten die Siedler ohne Abwasserkanalisation auskommen. Noch heute ist in der Klinkerfuesstraße ein Regenwassergraben vorhanden. Schon 1936 wurde dagegen eine Wasserleitung verlegt. Davor förderten Pumpen Grundwasser zu Tage. "Das Wasser war durch den Boden rot gefärbt und verdarb die Wäsche", erzählte mir eine der Anwohnerinnen, die dort von Anfang an mit dabei war. Das Wasser musste erst in großen Kesseln gekocht werden und dann hieß es abwarten, bis sich die Verunreinigungen abgesetzt hatten. In den Gärten im hinteren Teil der Grundstücke zogen die Bewohner Obst und Gemüse. Auch Kleinvieh wurde dort gehalten. Kaninchen, Gänse, Schweine und Ziegen bevölkerten die Siedlung.

An die Schrecken des zweiten Weltkrieges erinnert der alte Bunker an der Olberstraße. In drangvoller Enge und schlechter Luft suchten die Bewohner der Siedlung Schutz vor den Fliegerbomben. Viele der Wohngebäude wurden bei den Luftangriffen beschädigt oder zerstört.

Die nahe Eisenbahnlinie bot in der unmittelbaren Nachkriegszeit eine willkommene Gelegenheit zum Kohleplündern. Sobald Züge vor einem Haltesignal warteten, sprangen die Männer auf die Waggons und warfen Steinkohlebrocken herunter. Ihre Frauen standen derweil "Schmiere" und warnten vor heranrückender Polizei.

Mit dem aufkommenden Wohlstand verringerte sich die Fläche der Küchenecke im Garten zusehends, Zierrasen breitete sich aus. Und der Südschnellweg trennte den nördlichen Teil der Siedlung von den anderen Siedlern ab.
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Werner Szramka aus Lehrte | 22.03.2016 | 09:21  
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