Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Die Reste von Döhrens alter Schmiede wanderten in den Museumskeller

Dieser kleine Inschriftenstein am Eckhaus Landwehrstraße/Abelmannstraße ist von der Döhrener Schmiede geblieben.
Hannover: Döhren | Die ehemalige Zweigstelle der Stadtsparkasse an der Ecke Abelmannstraße/Landwehrstraße (heute ist in den Räumen eine Zahnarztpraxis) hieß „Alte Schmiede“. Davor wartete hier ein Wirt auf Gäste, servierte Essen und Getränke. Der Name seines Restaurants: „Alte Schmiede“. Richtig getippt: Beide Namen erinnerten an den Döhrener Schmied, der in seiner hier gelegenen Werkstatt das glühende Eisen bearbeitete.

Seit Jahrzehnten schlummert die Inneneinrichtung der Döhrener Dorfschmiede nun schon in den dunklen Gewölben des Historischen Museums am Hohen Ufer, darunter ein übermannsgroße Blasebalg. Eigentlich sollten die historischen Werkzeuge verschrottet werden, als am 15.Dezember 1954 die Bauarbeiter zum Abbruch der Schmiede anrückten. Aber der Heimatforscher Theodor Dreimann sorgte dafür, daß die wertvollsten Teile der Werkstatt dann doch ins Museum wanderten.

Dreimann hat das geschäftige Treiben des Hufschmieds noch selbst erlebt. Für die Nachwelt hielt der gelernte Kartograph die alte Schmiede in Zeichnungen fest. Inmitten eines großen Gartens zeigen seine Bilder ein kleines Häuschen mit bröckelndem Lehm zwischen den Fachwerkbalken. Mehr als 150 Jahre lang wurde hier das glühende Eisen gehämmert und geformt. Die Geschichte der Döhrener Schmiedefamilie Köppe verfolgte der frühere Stadtarchivar Helmut Zimmermann zwei Jahrhunderte zurück: „1791 zog Heinrich Adam Köppe aus Westerhof bei Osterode an die Leine.“ Zuletzt war der traditionsreiche Familienbetrieb allerdings verpachtet. Theodor Dreimann: „1948 übernahm Fritz Renner aus Hemmingen die Schmiede.“ Anfangs gingen dessen Geschäfte recht gut. Noch 1950 hatte der Schmiedemeister mehr als 100 Pferde in Beschlag, doch 1954 waren es dann nur noch 40.

Das Ende der Dorfschmiede brachten aber die Verkehrsplaner. Die Landwehrstraße sollte verbreitert werden, das geschichtsträchtige Fachwerkhäuschen stand im Weg. Heute erinnert nur ein unscheinbarer Inschriftenstein von 1880 neben der Eingangstür des neuen Hauses an den Handwerksbetrieb. In letzter Minute gelang es Dreimann 1954 jedoch, die wertvollen Werkzeuge und Geräte ins damalige Heimatmuseum an der Prinzenstraße zu schaffen. Ursprünglich hatten die Museumsleute gar kein Interesse an den Sachen. Dreimann mußte erst die Zeitung einschalten, bis man im Museum aus dem trägen Beamtenschlaf aufwachte. Gerettet werden konnten auf diese Weise neben den fast drei Meter hohen Blasebalk ein langer Sperrhornamboß, eine hölzerne Lochplatte, ein großes Horn zum Ringeschmieden und ein kleiner deutscher Amboß noch ohne Rund- und Vierkanthorn. Ein Teil der Werkzeuge war dann in den Jahren, als die Stadtsparkasse hier residierte, in Vitrinen ausgestellt. Es ist zu hoffen, dass nach dem Ende der Sparkassenfiliale alle Stücke wieder zurück in die Archive des Museums wanderten.
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