Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Die alte Kapelle diente zuletzt als Spritzenhaus

Die alte Wülfeler Kapelle. Foto: unbekannter Fotograf, Repro: Schade
Hannover: Wülfel | Die ehemalige Kapelle zu Wülfel gehörte zum Kirchspiel in Döhren und wurde von hier auch geistlich versorgt. Erst nach 1900 erhielt Wülfel eine eigene Pfarrstelle. Der Überlieferung nach wurde um 1450 die Kapelle von der Einwohnerschaft auf dem Friedhof des Dorfes auf eigene Kosten errichtet. Doch scheint sie zumindest in Teilen älter gewesen zu sein. Das kleine Gotteshaus lag nahe der Masch an der damaligen Wilkenburger Straße. Aus einer Notiz des Jahres 1550 geht hervor, dass eine Familie namens Ernst ein Gartengrundstück für das Kirchlein zur Verfügung gestellt hatte.


Eine alte Beschreibung (Wolff, Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, Band Landkreis Hannover, 1899) berichtet über das Bauwerk: „Die Kapelle bildete ein Rechteck von 10,8 x 7,5 Metern, war aus Bruchsteinen mit Eckquadern erbaut und mit einem Satteldach aus Pfannen gedeckt.“ Die Westseite war abgewalmt, während die Ostseite mit einen dachpfannenbehängten Fachwerkgiebel schloß. „Am westlichen Ende des Daches erhob sich oberhalb eines kurzen Walmes ein vierseitiger, mit Pfannen behängter Dachreiter“, seine Wetterfahne zeigte angeblich einen Wolf. Weiter heißt es in der Beschreibung: „In der Ostwand der Kapelle war ein zugemauerter, aus Backsteinen hergestellter gotischer (spitzbogiger) Triumphbogen mit zierlichen Profilen. Die Reste eines achteckig geschlossenen Chores fügten sich ostwärts an. An der Nordseite ließen Backsteinrippen erkennen, daß der Chor überwölbt war. Das Schiff selbst überspannte eine Balkendecke. In der Nordwestecke fand sich ein 45 cm breites Spitzbogenfenster, dessen Leibung nach außen mit Schräge und Hohlkehle profiliert war. In der Südwand lag ein gleichbreites romanisches rundbogiges Fenster mit tiefen schrägen nach innen und außen, außerdem eine zuletzt vermauerte spitzbogige Tür mit abgefaßten Leibungskannten.“

Im Dachreiter befand sich eine 60 cm durchmessende Glocke, die laut Inschrift 1818 (eine andere Beschreibung nennt das Jahr 1717) von I.C. Weidemann in Hannover gegossen wurde. Zusammen mit dem schmucklosen Taufbecken von 1678 brachte man sie ins damalige Vaterländische Museum.

Um die Jahrhundertwende wurde die Kapelle dann zweckentfremdet. Sie diente der Freiwilligen Feuerwehr Wülfel als Spritzenhaus. Im Verlauf des ersten Weltkrieges sollte in Wülfel eine Munitionsfabrik gebaut werden. Dafür mußte die Kapelle geopfert werden. Das historische Bauwerk fiel unter der Spitzhacke.
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