Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Das Grab des Mehmet von Königstreu erinnert an die Zeit der Türkenkriege

Der Grabstein des Mehmet von Königstreu an der St. Petri-Kirche.
Hannover: Döhren |

Auf dem Kirchhof der St. Petri-Kirche in Döhren wurden in alter Zeit die Toten aus der Gemeinde zu Grabe getragen. Ein paar der alten Grabsteine überstanden die Zeiten und die Bomben des zweiten Weltkrieges. Die heute an und in der Kirche angebrachten Grabsteine sind wertvolle Zeugnisse aus längst vergangenen Tagen. In loser Folge sollen hier auf myheimat jetzt die uralten Grabmale vorgestellt werden.

In einer einmal vor vielen Jahren vom städtischen Amt für Verkehrsförderung (auch das gab es einmal) herausgegeben Schrift „Hannover - Sehenswürdigkeiten“ wurde Döhren recht stiefmütterlich behandelt. Lediglich der Hinweis auf einen Grabstein an der St. Petri-Kirche findet sich in dem Heftchen. Was hat es mit diesem Denkmal auf sich, dass es der Erwähnung für wert befunden wurde?

Der genannte Stein trägt die Inschrift: „Der Redlichsten Einer, Johann Ludwig Mehmet von Königstreu, gebohren d. 12. Novbr. 1709, gestorben d. 4. May 1775“.

Johann Ludewig war der älteste Sohn des türkischen Kammerdieners Mehemet. Sein Grabstein berichtet mithin auch von einem der ersten „Gastarbeiter“ in hannöverschen Raum. Sein Vater Mehemet geriet während der Türkenkriege in hannoversche Gefangenschaft. Denn damals bedrohten die Osmanen das Deutsche Reich, besetzten Teile des damaligen Süddeutschlands (heute Österreich) und standen sogar schon vor den Toren von Wien. Die Eroberung gelang indes nicht. In einer der Schlachten wurde unser Mehemet gefangen genommen und nach Niedersachsen gebracht. Der Kriegsgefangene Mehemet nahm hier den christlichen Glauben an, trat in die Dienste des späteren Königs Georg I. Georg wusste die Arbeit seines Kammerdieners zu schätzen; unter den Namen „von Königstreu“ erhob er ihn in den Adelsstand. Eine steile Karriere für einen ehemaligen Soldaten der türkischen Armee. Mehemet heirate, seine Frau gebar eben jenen Johann Ludewig, der später in Döhren zu Grabe getragen werden sollte.

Nach dem Tod des Vaters lebte Sohn Johann Ludewig zunächst von der Erbschaft. Doch die Vermögensverwaltung schien ihm nicht so recht geglückt zu sein. Nach seinem Konkurs im Jahr 1750 suchte er unter anderem auch in Döhren bei Pastor Gerber Zuflucht. Bald zog es ihn aber nach Hannover zurück. Hier gelang es Johann Ludewig Mehmet von Königstreu der Öffentlichkeit so zur Last zu fallen, daß man ihn schließlich ins Gefängnis warf. Nur den Mitgliedern der von seinem Bruder Georg Ludewig gegründeten Freimaurerloge, die sich für ihn einsetzen, verdankte er seine Entlassung.

Den Lebensabend verbracht Mehmet von Königstreu dann wieder beim Pastor in Döhren. Hier starb er fünfundsechzigjährig. Er wurde im Erbbegräbnis des Hofrates von Bobers auf den Kirchhof bestattet. Sein Gedenkstein erinnert heute noch an die Türkenkriege, die seinen Vater nach Hannover verschlagen hatte.
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 11.01.2015 | 23:42  
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