„Entartete Musik“, eine spannende Auseinandersetztung mit Musik mit Elena Kondraschowa (Violine) Stella Perevalova (Klavier)
Hannover: Freizeitheim Döhren | „Ich glaube an die Sonne, auch wenn sie nicht scheint. Ich glaube an die
Liebe, auch wenn ich sie nicht spüre. Ich glaube an Gott, auch wenn ich ihn
nicht sehe.“
- Jüdische Inschrift im Warschauer Ghetto -
Um die Jahreswende 1937/38 wurde die musikalische Vielfalt im Dritten Reich „Zum Schutz des Deutschen Kulturlebens“ in starkem Maße eingeschränkt. Die Reichsmusikkammer unter Goebbels bezeichnete die von der offiziellen Linie abweichende oder von jüdischen Komponisten komponierte Musik als „entartet“. Sie galt als „artfremd, undeutsch, dekadent, und als Nigger- und Zigeunermusik“. Interpreten und Komponisten dieser Musik wurden verfolgt. In den Katalogen waren kaum noch Namen jüdischer Interpreten und Komponisten – weder aus Klassik noch aus Unterhaltungsmusik - aufgelistet. Im 1940 erschienen „Lexikon der Juden in der Musik“ wurden die Musiker und andere musikbezogenen Personen notiert, die nach der nationalsozialistischen Definition als „jüdisch“ oder „halbjüdisch“ galten. Außerdem wurde im Buch ein Titelverzeichnis mit für öffentliche Vorführungen verbotenen jüdischen Werken aufgeführt. Mit Elena Kondraschowa (Violine) und Stella Perevalova (Klavier) haben sich zwei hochkarätige Interpretinnen dieser zu großen Teilen vergessenen Musik angenommen. Sie haben ein Programm zusammengestellt, das einerseits während der NS-Zeit verfemte Stücke einschließt und andererseits Werke behandelt, die, obwohl nach dem 2. Weltkrieg komponiert, 1937/38 als „Entartete Musik“ abgestempelt und verbannt worden wären. Auf diese Weise wird die jüdische Thematik in der Musik wieder aufgegriffen und unter der Prämisse aktueller sozialpolitischer und gesellschaftlicher Entwicklungen in Deutschland und in der ganzen Welt weitergesponnen. Durch lockere aber informative Moderation werden die Werke in einen historischen Kontext eingebettet und ihre Bedeutung innerhalb der Programmzusammenstellung erläutert.
Treffend formulierte der deutsch-jüdische Journalist und Autor Henryk M. Broder in seiner Laudatio auf Marcel Reich-Ranicki (Verleihung der Ludwig-Börner-Medaille am 6. Juni 2010) die Situation, der in unseren Zeiten unbedingt Rechnung getragen werden muss und die das Programm als Impuls aufnehmen möchte:
„Könnte es sein, dass die großen Katastrophen nicht hinter sondern vor uns liegen? Wir sind damit beschäftigt, geschehene Desaster zu analysieren und auszuwerten statt potentielle zu erkennen um im Ansatz zu verhindern.“
Ort und Veranstalter: Freizeitheim Döhren
Eintritt frei, um eine Spende wird gebeten!



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