Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Die Weltkriegsbunker – letzte Phase der Wehrbauten

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Entfestigt und als Wohnhaus genutzt: Weltkriegsbunker in der Olberstraße.
Hannover: Döhren | Dem Gebäude an der Hildesheimer Straße, Ecke Im Wölpfelde sieht man es kaum an: Es ist ein Relikt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Hinter der renovierten schmucken Fassade verbirgt sich ein alter Bunker. Nach Auskunft des Landesamtes für Denkmalpflege baute man ihn 1942. Er sollte der Bevölkerung Schutz vor Fliegerangriffen bieten. Viele alte Döhrener und Wülfeler werden sich nur ungern an die schreckliche Zeit erinnern. Auf engen Raum zusammengedrängt, bei schlechter stickiger Luft mußten sie oft lange hinter dunklen Mauern ausharren, fürchteten um Leben, Hab und Gut.

Bunker stehen am Ende einer langen Reihe von militärischen Bauten, die bei den alten Wallanlagen der Jungsteinzeit begann und über antike Kastelle, mittelalterliche Burgen bis hin zu Forts und Festungen führte. Ursprünglich wurden Bunker nur an der Front als Schutzeinrichtungen gegen Artilleriebeschluß errichtet; im Zweiten Weltkrieg erfolgte dann der Bau von großen Anlagen in den Städten. Zum Teil gelten die Luftschutzbunker, wie etwa der einem mittelalterlichen Stadtturm nachempfundene Schutzbau am Deisterplatz inzwischen sogar als schützenswerte Baudenkmale. In die Denkmalsliste hat der Wülfeler Bunker allerdings noch keine Aufnahme gefunden.

Schon das graue Äußere des Bunkers an der Wiehbergstraße zeigt, daß im weiteren Kriegsverlauf die Zeiten härter geworden waren. Nun kam es nicht mehr auf die schöne Ansicht an. Der Zweck war alles. Unser Döhrener Bunker ist, wie mir berichtet wurde, auch gar nicht mehr richtig fertig geworden. Nach dem Krieg beherbergte er ein Möbellager in seinen starken Mauern, später zog ein Bildhauer ein und das Gebäude diente sogar als Abstellkammer für Giftmüllfässer. In den 80iger Jahren war der Bunker dann kurzfristig mit dem Vorhaben im Gespräch, ihn atombombensicher auszubauen. Doch in Bonn wurde das Geld immer knapper, und so verschwand der Plan wieder in einer Schublade. Heute ist der mächtige Bau Vereinsheim der Döhrener Schützen und der Funkenartillerie Blau-Weiß. Das dritte Obergeschoss ist noch im ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Der Besucher bekommt ein beklemmendes Gefühl, wenn er dort steht und sich vorstellt, es wäre Krieg und draußen fallen die Bomben.

Keine Daten liegen dem Denkmalamt über die Bunker in der Siedlung Seelhorst (Mittelfeld) und an der Olberstraße (Döhren) vor. Immerhin, der Bunker Olberstraße erfüllt heute einen nützlichen Zweck und dient als Wohnhaus. Damit bereichert er die Architektur der Siedlung „Im Bruche“ um eine besondere Variante. Mehr Ärgernis dürften dagegen die kleinen Beobachtungsbunker sein, die noch ab und an in Gärten im Stadtbezirk zu finden sind und heute eigentlich nur störend wirken.
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Wilhelm Heise aus Ilsede | 26.01.2016 | 07:38  
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