Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Schützenfeste haben eine lange Tradition

Lange Tradition: 1984 gab es noch Schützenausmärsche in Döhren.
Hannover: Döhren | Die Geschichte des Schießsportes in Döhren und Wülfel geht weit zurück in die Vergangenheit. Die Anfänge wird man wohl im "Kleinen Freien" suchen müssen. Immerhin stellten die Männer des Freien eine eigene Kompanie und da mußte schließlich auch das Schießen geübt werden. Allerdings markiert der in der einschlägigen Literatur oft genannte Amtsbefehl aus dem Jahre 1697 wohl nicht den Anfang der Schützentradition in Döhren und Wülfel. Wie Hobby-Historiker Günter Porsiel recherchierte, gibt es einen derartigen Befehl, der die Dörfer Döhren und Wülfel betraf, überhaupt nicht. Es existiert lediglich eine entsprechende Vorschrift für das Amt Ilten. Dazu gehörte Döhren und Wülfel im Jahr 1697 aber schon nicht mehr.

Für die Geschichtsschreibung wichtig ist das Jahr 1861. Am späten Nachmittag des 9. Juni des Jahres formierte sich vor dem Döhrener Pfarrhaus ein festlicher Zug. Der Ortsvorstand des Dorfes und die Mitglieder der damaligen Schützengesellschaft stellen sich in Reih’ und Glied, ein Musikkorps spielt Marschmusik. Zwei junge Damen tragen ein versiegeltes Schreiben und ein kleines Päckchen. So beginnt die feierliche Übergabe der vom Hannoverschen Herrscher Georg V. gestifteten silbernen Königskette an die Döhrener Schützen. Dieser Höhepunkt war für die heutige Schützenvereinigung Anlaß, das Jahr 1861 in den Namen des Vereins einzubeziehen. Dabei ist der Verein erst Anfang der dreißiger Jahre aus dem Zusammenschluss zweier älterer Schützenverbände entstand. Rechtzeitig zum 125. Jubiläum des Ereignisses tauchte auch die entsprechende "Geburtsurkunde" wieder auf. Auf den Dachboden fand Heiner Ehlers ein vergilbtes Schriftstück vom 3.Juli 1861. Ein Beamter der königlichen Verwaltung teilte darin mit, daß den Döhrener Schützen ein silberner Halsschmuck gestiftet worden sei.

Ein Döhrener Schützenverein muss aber schon lange vor dem Jahr 1861 bestanden haben. Bereits im Jahr 1837 wurden "Tanzlustbarkeiten zum Freischießen in Döhren" genehmigt. Im August 1847 fand der Schützenverein selbst Eingang in die Akten der Königlichen Landdrostei Hannover. Zwei Gastwirte stritten sich damals um das Vorrecht, ein Tanzzelt während des Freischießens aufstellen zu dürfen.

Den silbernen Halsschmuck Georg V. trägt noch heute der Döhrener Schützenkönig als Zeichen der errungenen Würde. Das wertvolle Stück schenkte der König von Hannover seinen Untertanen in Döhren, weil Kronprinz Ernst-August Schützenkönig in dem kleinen Dorf vor den Toren der Residenzstadt geworden war. Zwar hatte seine Majestät wegen des garstigen Wetters die persönliche Teilnahme am Scheibenschießen abgesagt. Schützenbruder Georg Seemann, der dann den Kronprinzen vertrat und den entscheidenden Schuß abgab, erzielte – welch ein Zufall (!?) prompt den besten Treffer.

Im Nachbarort Wülfel muß der Chronist demgegenüber von nicht so schönen Ereignissen berichten, wenn vom Schützenwesen die Rede ist. So etwa von dem Pech, dass die Wülfeler 1886 hatten. Am 16. August des Jahres goss es in Strömen. Und das, obwohl just an diesem Tage die frischgegründete Schützengesellschaft Wülfel ihr erstes Schützenfest durchführte. Die wackeren Schützenbrüder in Zylinder, weißen Handschuhen und weißen Schlips wurden dabei ganz schön naß. Um wenigstens die Zelte und Buden auf dem Festplatz erreichen zu können, mußten zwei Fuder Stroh und Asche angefahren werden.

Fast drei Jahrzehnte später verhagelte ein Ereignis ganz anderer Art den Wülfelern ihr Schützenfest. Am Abend des 31. Juli 1914 ritt eine Gruppe Ulanen in Wülfel ein, samt Offizier und Trompeter. Der Offizier verkündete den Kriegszustand. Der erste Weltkrieg war ausgebrochen.
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Werner Szramka aus Lehrte | 29.02.2016 | 09:18  
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