Geschichtliches aus Döhren-Wülfel: Beim ersten Schützenfest regnete es in Strömen

In den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts gab es noch Schützenausmärsche in Wülfel.
Hannover: Wülfel | Das war nun wirklich Pech. Am 16. August 1886 goß es in Wülfel in Strömen. Und daß, obwohl just an diesem Tage die frischgegründete Schützengesellschaft Wülfel ihr erstes Schützenfest durchführte. Die wackeren Schützenbrüder in Zylinder, weißen Handschuhen und weißen Schlips wurden dabei ganz schön naß. Um wenigstens die Zelte und Buden auf dem Festplatz erreichen zu können, mußten zwei Fuder Stroh und Asche angefahren werden.

Unser Stadtbezirk Döhren-Wülfel wird durch seine vielfältigen Vereine gelebt. Die Geschichte diese Zusammenschlüsse aktiver Döhrener und Wülfeler ist deshalb auch ein untrennbarer Bestandteil der Historie unseres Stadtteils. Im Rahmen der Serie „Aus der Vergangenheit“ soll deshalb jetzt auch ab und zu ein Blick auf die Vereine geworfen werden. Heute geht es um die Wülfeler Schützen.

Begonnen hatte alles am 26. Mai des Jahres im Wülfeler Biergarten. Der Landwirt Karl Kracke, Vorsitzender der Liedertafel Wülfel von 1863, lud zu einer Gründungsversammlung ein. Mit Erfolg. 43 Leute kamen, 36 wurden Mitglied des neuen Schützenvereines. Sie wählten Initiator Kracke dann auch gleich zu ihrem ersten Vorsitzenden. Karl Kracke nahm dieses Amt bis 1903 war. Dann übergab er den Vorsitz an den Bäckermeister August Eggeling. Ein Jahr später - die Schützengesellschaft war mittlerweile bereits auf 124 Mann angewachsen - weihte der Döhrener Pastor Ernst Wehr am 9. August bei einem Feldgottesdienst die neue Schützenfahne. Mitglied im Verein war auch ein bedeutender Mann des Dorfes. Der Guts- und Brauereibesitzer A. Fontaine. Er baute der neuen Schützengesellschaft hinter dem Wiehegraben einen Schießstand. 1904 ging es dann Frack und Zylinder an den Kragen. Die ersten Uniformen wurden angeschafft. Allerdings blieben einige Gruppen im Verein vorerst noch der alten Tracht treu.

1898 konnten die Wülfeler Schützen mit Kanonen schießen (die Wülfeler Spatzen blieben wohl aber weitgehend verschont). Denn Schlossermeister Köhler stiftete zwei bronzene Kanonen, die beim Umzug von je zwei seiner Lehrlinge gezogen wurden. Bis 1959 eröffneten die Wülfeler nun mit Böllerschüssen ihrer Feste. 1910 verzeichnet die Vereinschronik erneut ein weiteres wichtiges Datum. Man beschließt, den jeweils besten Schützen auszuzeichnen. Einige Damen stiften ein Ehrenschild. Erster Träger dieser „Königskette“ wird Karl Oppermann.

Am Abend des 31, Juli 1914 kam eine Gruppe Ulanen in Wülfel angeritten, samt Offizier und Trompeter. Der Offizier verkündete den Kriegszustand. Der erste Weltkrieg war ausgebrochen. Daraufhin beschloß schweren Herzens der Vorstand, daß geplante Schützenfest abzusagen. Um die Not der Familien einberufener Mitglieder zu lindern, stellte der Verein Gelder zur Verfügung. Als schließlich der Krieg 1918 zu Ende ging, waren 80 Wülfeler gefallen.

In den zwanziger Jahren ging es mit der Schützengesellschaft wieder aufwärts. 1927 waren 271 Grünröcke in dem Verein zusammengeschlossen, 1926 bereits eine Jungschützenabteilung gegründet worden. Im Mai 1933 zogen jedoch wieder dunkle Wolken auf. Die Nazis griffen auch nach den Schützenvereinen. Der NSDAP-Stadtrat Wilhelm Bakemeier wurde neuer Schützensenator in Hannover, sein Vorgänger August Schrader mußte zurücktreten. Die braunen Machthaber setzten die alten gewählten Vorstände ab und bestimmten in Wülfel Karl Rossmann zum neuen Vorsitzenden. 11 Schützen meldeten sich gleich darauf noch am selben Tag ab, später traten nochmals fünf Mitglieder aus. Immerhin: Der Aufforderung, sich der NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freunde“ (KdF) als förderndes Mitglied anzuschließen, kam die Schützengesellschaft trotzdem nicht nach. Sie mußte jedoch der Hitlerjugend ihre Schießstände zur Verfügung stellen.

Ab dem Jahr 1939 tobte dann wieder ein Krieg. Bei dem Bombenangriff am 22. September 1943 verlor die Schützengesellschaft ihr ganzes Hab und Gut. Gewehre und Fahnen fielen den Flammen zum Opfer, die Schießstände blieben stark beschädigt zurück. Das Vereinsleben erlosch und nach 1945 verboten die Besatzungsmächte erst einmal jede Vereinstätigkeit. Am 22. Juni 1950 war es dann aber wieder soweit: Die Schützengesellschaft Wülfel gründete sich neu.
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