Wetterfrosch Sven Plöger bei der Eröffnung des „November der Wissenschaft“ im Neuen Rathaus in Hannover (Fotos: Christel Wolter)

Wetter- und Klimaexperte Sven Plöger als Stargast bei der Eröffnung des "November der Wissenschaft".
 
Der Kuppelsaal des Neuen Rathauses bildet einen schönen Rahmen dazu.
 
Oberbürgermeister Stefan Schohstok eröffnet die dreiwöchige Veranstaltung.
Hannover: November der Wissenschaft | Wer redet nicht gern, oder auch nicht so „gern“, über das Wetter? Wie es war, wie es ist und erst recht wie es werden wird, interessiert die meisten Menschen tagtäglich. Ob zu Hause oder am Arbeitsplatz, man spricht darüber. Das hat auch gestern Abend im hohen Kuppelsaal des Neuen Rathauses Deutschlands Wetterexperte Nummer eins, Sven Plöger, den wohl die meisten aus den Minuten vor der Tagesschau kennen, getan. Doch dass er darüber gesprochen hat, hatte seinen Grund.
Zum fünften Mal wurde der sich inzwischen in Hannover fest etablierende „November der Wissenschaft“ eröffnet, eine Veranstaltung, die den Wissenschaftsstandort Hannover noch populärer machen soll. Vom 3. bis zum 24. November öffnen die Wissenschaftler der Stadt die Türen und präsentieren ihre Forschungsgebiete. Mit von der Partie sind die hannoverschen Hochschulen, das Frauenhofer ITEM, das Geozentrum, die Volkswagenstiftung, das Studentenwerk und die Landeshauptstadt Hannover.
Das Angebot der über 500 Veranstaltungen, von denen 170 in einem Begleitheft vorgestellt werden und die von allen Interessierten besucht werden können - auch diverse für Kinder sind dabei – sind größtenteils eintrittsfrei. Bei unterschiedlichsten Themen sind sie breit gefächert. So berichtet zum Beispiel Weltraumfahrer Thomas Reiter über die Internationale Raumstation. Das Universalgenie Leibniz ist zu dessen 300. Todestag ein großes Thema. Natürlich Einsteins Relativitätstheorie, im Universum und im Alltag. Wie viel Hygiene braucht der Mensch? Medizin zum Anfassen in der MHH. Zum kommenden Lutherjahr geht’s auch um den Reformator. Die Tierärztliche Hochschule informiert über Deutschlands Wildpferde. Die Geoexperten widmen sich den Rohstoffen unseres Landes. Es geht um den Brennpunkt Naher Osten. Um mehr Lebensqualität per Knopfdruck. Natürlich um die Jahrhundertentdeckung Gravitationswellen. Aber auch darum, wie Gummibärchen gemacht werden. Und ein Highlight, wohl eher für die Jüngeren, ist ein Geocaching auf den Spuren von Leibniz.
Man sieht also, dass für jeden Geschmack irgendetwas dabei ist, und wohl kaum ein Wissenschaftsgebiet wird ausgelassen. Am besten schaut man sich im Netz das Programm an und verschafft sich damit einen Überblick.
Doch gestern wurde nun die Veranstaltung durch Oberbürgermeister Stefan Schostok vor den Vertretern der verschiedenen Wissenschafts-Fachrichtungen und einem vollbesetzten Kuppelsaal erst einmal eröffnet. Und nach dessen einführenden Worten bat dann die durch den Abend führende und locker plaudernde RTL-Moderatorin Sabrina Ilski den Stargast des Abends, den ARD-Wetterexperten Sven Plöger, ans Podium.
Und der sorgte sofort für Stimmung. Ob es denn auf den Stufen der großen Treppe nicht a…kalt sei?, da das Gestühl längst nicht ausreichte, wollte er wissen. Doch das war es nicht, denn vorsorglich waren überall Kissen ausgelegt worden. Und so plauderte nun auch der Rheinländer Plöger, dessen Großeltern er zu seiner Kindheit in Hannover oft besucht hatte, munter, gutgelaunt und ohne Unterlass drauflos. Die eigentlich ernsten Themen verpackte er oft in lustige Geschichten, so dass er immer wieder die Lacher auf seiner Seite hatte und das Publikum so manches Mal begeistert in die Hände klatschte.

Plögers Themen waren der Verbrauch der Ressourcen der Erde. Dass die Menschheit zurzeit 1,4 Erden verbrauche, und dass es im Jahr 2050, wenn es so weitergehen sollte, sogar 2,3 sein werden. Dass das nicht gutgehen könne, brauchte er nicht weiter erklären.
Er sprach über den Klimawandel, der zumindest zur Hälfte vom Menschen gemacht sei, und dass es einen solchen in dieser Geschwindigkeit nie zuvor gegeben hätte. Voraussichtlich wird der Mensch in 100 Jahren das Klima so sehr verändern, wie es die Natur seit der letzten Eiszeit in 10.000 Jahren getan hat.
Er erläuterte, wie sich der Jetstream über dem Golfstrom auf unser Klima auswirkt, für starke Überschwemmungen und langanhaltende Trockenperioden sorgt. Wie Kohlendioxid und das Abschmelzen der Polkappen zur Erderwärmung beitragen, und dass wir als Deutsche pro Kopf zwar nur halb so viel CO2 verbrauchen wie ein Amerikaner, aber ein Viertel mehr als ein Chinese und das Sechsfache eines Inders.
Er erklärt, warum das Tanken im Moment so günstig ist und warum es nicht so bleiben wird. Und, wie so manches mit einem Augenzwinkern, dass man eigentlich in Deutschland dank asphaltierter Straßen und fehlender reißender Flüsse, die es zu durchqueren gilt, keinen Geländewagen benötigt.
Die Energiewende ist natürlich ein Muss, die, außer den Lobbyisten von Kohle, Öl und Gas, eigentlich alle wollen. Natürlich nicht mit Windrädern und Stromtrassen vor der eigenen Haustür. Und wenn die Energiewende funktioniert, auch wenn sie jetzt noch schleppend vorangeht, so könnte sie doch in Zukunft Vorbild gerade für China sein. Die Asiaten haben inzwischen eingesehen, dass es so mit dem Smog in ihren 20-Millionen-Megastädten nicht weitergehen kann. Dass die Gesundheit der Menschen darunter leidet und damit auch die eigene Wirtschaft. Und natürlich gibt er auch einfache Tipps, wie jeder von uns im Alltäglichen und im Kleinen zum Energiesparen beitragen kann, indem man zum Beispiel beim Kochen einen Deckel auf den Topf setzt, werden dadurch doch schon 30 % Energie eingespart. So einfach kann das sein. Und so mancher, berichtet er, der sein Dach vorbildlich mit Solarzellen verkleidet hat, gibt das gesparte Geld dann für eine Flugreise nach Mallorca aus. Man muss eben die Zusammenhänge sehen.
Natürlich und erst recht ist das Wetter ein Thema, dass gefühlt im Wetterbericht oft daneben liegt. Aber eben auch nur gefühlt. Die ausgewerteten Wetterdaten ergeben Anderes. So dass eine Voraussage für den nächsten Tag zu 93 % stimmt, für drei bis sieben Tage zumindest noch seriös ist und dass danach nur noch Tendenzen angegeben werden können. Und auch, dabei lächelt er wieder verschmitzt, dass unsere Omas nur deswegen von größeren Schneehöhen aus ihrer Kindheit berichten, weil sie damals eben auch noch keinen Meter groß waren. Manchmal machts eben die Perspektive.
Plögers Fazit ist schließlich, dass er den Klimawandel nicht unbedingt negativ sieht, sondern als Warnung und die Erkenntnisse darum als Chance für positive Veränderungen. Und da drücken wir Zuhörer uns dann selbst sämtliche Daumen, dass das, auch wenn die Bedenken große sind und die Hindernisse momentan unüberwindlich scheinen, hoffentlich auch gelingen wird.
So verging die eine Stunde, in der Plöger verständlich, nicht immer bierernst, sondern mit viel Humor über die klimatischen Zusammenhänge unserer Welt berichtet hat, leider viel zu schnell. Man hätte der Plaudertasche wesentlich länger zuhören können. Gerade auch deswegen, weil man nun das eine oder andere wesentlich besser kapiert hat, was man zuvor nicht gewusst oder nicht verstanden hatte. Es war ein informativer und amysanter Abend.
Doch wer noch mehr kapieren und erfahren möchte, derjenige kann sich ja in den nächsten drei Wochen die eine oder andere der zahlreichen Veranstaltungen heraussuchen, die ihn interessieren. Von Groß bis Klein, von Technik bis Medizin, von Geschichte bis Musik ist für jeden etwas dabei. Und es ist ja nicht verkehrt, die natürliche und die vom Menschen gemachte Welt besser verstehen zu lernen, von denen die letztgenannte ohne die Wissenschaft nicht funktionieren würde.
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen | 06.11.2016 | 11:14  
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