Bogenschießen: Konkurrenz oder Chance für die Schützenvereine?
Die Schützenvereine haben es derzeit nicht leicht. Wenn man aktuell die Artikel über die vielen Jahresversammlungen anschaut, dann liest man über viele Probleme: vakante Vorstandsposten, abgesagte Schützenfeste, Nachwuchssorgen. Da fällt es auf, wenn die Calenberger Zeitung heute für den Kirchdorfer Schützenverein von 1954 einen Mitgliederzuwachs vermeldet - und zwar im Jugendbereich. Der Grund: die neu eingerichtete Bogensparte.
Nun geht es in diesem Fall "nur" um sieben Jugendliche. Aber es könnte auch ein Trend sein. Etliche Schützenvereine haben das Bogenschießen für sich entdeckt, ermitteln Vereins- und Kreismeister - wie auch die zahlreichen myheimat-Beiträge zum Thema Bogenschießen belegen.
Wir haben doch etliche Schützen unter den myheimat-Nutzern. Da würde mich interessieren: Was haltet Ihr davon? Ist Bogenschießen eine Möglichkeit, neue (und jüngere) Mitglieder zu gewinnen? Oder seht Ihr darin eher eine Konkurrenz?
Weiterveröffentlichungen:
Leine-Zeitung | Erschienen am 22.02.2010 Calenberger-Zeitung | Erschienen am 26.02.2010Themen zum Beitrag
Kommentare zum Beitrag
Das Eine hat mit dem Anderen nur gemeinsam, dass ein Ziel vorhanden ist, das getroffen werden soll.
Bogenschießen ist eine Sportart, die Kondition verlangt.
Meiner Ansicht nach werden sich beide Sportarten nicht weh tun.
Schlecht find ich persönlich dieses Jagdschießen, wo auf Tierimitationen geschossen wird. Das halte ich für unnötig.
Ich gehöre dem Schützenverein Osterwald Oberende an.
Auch wir haben vor 5 Jahren eine Bogensparte gegründet. Durch diese neue Sparte hat der Verein einen großen Zuspruch, auch bei den Jugendlichen erfahren.
Insgesamt sind zur Zeit etwa 20 Bogenschützen bei uns sehr aktiv, davon sind etwa die Hälfte Jugendliche.
Wir sehen diese Sparte nicht als Konkurrenz, sondern als ideale Ergänzung zu dem Programm eines Schützenvereins.
Genau wie ich es sehe. Wenn Lehrte in diesem Jahr wieder einen Tag der offenen Tür hat, werde ich schnuppern gehen.
Als Aktiver bin ich aber sicher schon zu alt.
Wir haben dort ja eine Userin, die Meisterehren erworben hat. Robin, hast Du das gewußt? (Insiderwissen, haha).
Die Bürgerschützen in Seelze haben seit einigen Jahren auch eine Bogenabteilung und seit zwei Jahren veranstalten sie das Robin-Hood-Schießen, wo alle Schützen vom Kreisverband Leine auch daran teilnehmen können. Es macht richtig spaß.
Ich weiß das hier auch mind. 2Aktive Bogenschützen desöfteren schreiben. In Lehrte findet auch jedes Jahr ein großes Turnier statt, wo Bogenschützen und Schützinnen von Befreundeten Vereinen anreisen.
Da hast Du den Daumen in eine Wunde gelegt, die schon längere Zeit viele Schützenvereine mehr als schmerzt, - die Nachwuchsförderung -. Hier kann die Implementierung einer Bogensparte nur den Anfang, wenn auch sehr lobenswerten, darstellen. Die Disziplin Bogen hat im Gegensatz zu der klassischen Gewehr- und Pistolen-Disziplin nicht diesen militaristischen Beigeschmack, den viele Eltern davon abhalten ihren Nachwuchs in die Obhut eines Schützenvereins zu geben. Das Bogenschiessen ist da irgendwie näher an der Natur und auch insgesamt betrachtet, sportlicher.
Aber wie eingangs bereits gesagt, das Bogenschiessen ist nur ein Element der chronischen Nachwuchssorgen entgegen zu wirken. Ein weiterer nicht zu vernachlässigender Fakt ist die Aussenwirkung der Schützenvereine im Allgemeinen. So war mein Erstkontakt mit dem hiesigen Verein das Schützenfest!. Aber Hallo, was da abging und auch heute noch "gepflegt" wird, war und ist keine Werbung für den Schützensport. Soll es letztlich auch nicht sein,sondern der Höhepunkt eines ereignisreichen Schützenjahres. Doch der Aussenstehende sieht das nicht so, weil nicht eingebunden in das vergangene Wettkampfjahr. Der sieht nur die Unmengen an Bier und anderen alkoholischen Getränke, und in diese Gemeinschaft soll er seinen Nachwuchs geben?
Die Bogensparte stellt hier eine Chance und Anfang dar, die wenn möglich, genutzt werden sollte. Darüber hinaus müssen sich die Schützenvereine völlig neu aufstellen, wenn sie künftig bestehen wollen.
Waldemar, da hast Du recht,aber es sind nicht nur die Schützenfeste.
Wenn Du an Deinem Outfit irgendetwas vergisst: Flasche Schnaps, Kiste Bier und ähnliches als Strafe. Da könnten die Schützen mal ansetzen.
Zurück zum Thema.
Ich denke, das jagdliche Bogenschießen riecht verdammt nach der Hobbyjägerei und das hat mit Sport nicht mehr viel gemein. Ist aber meine persönliche Einstellung. Sonst finde ich das als Sport wirklich ok.
@ Waldemar
Bogenschießen gab es aber bei den Indianern, und nicht nur zur Nahrungssuche. Zum anderen ist auch das Pistolenschießen eine sehr sportliche Sache. Unser Sohn hat es bis zur Deutschen Meisterschaft gebracht, dahinter stecken viele Trainingseinheiten und sportliche Betätigungen. Nicht nur so einfach mal ballern.
Nun zum Schützen- Bürger- Dorffest: Schützen trgen eine Uniform. Sportler kommen in Privatklamotten. Feuerwehrleute feiern auch mal gerne bei einem Bier. Ratsabgeordnete in Privat sowie auch die Bürger des Dorfes oder der Stadt in Privatklamotten.
Das fällt aber niemandem auf oder?
@ Robin
sicherlich ist das Bogenschießen eine Alternative um neues anzubieten. Dieses ist aber nicht in jedem Verein möglich. Bedenken wir doch mal wieviel Freizeitangebote es heute gibt. Selbst Kindergartenkinder haben teilweise schon einen eigenen Terminplaner nötig um die Aktivitäten ( die meistens die Eltern aussuchen ) unter einen Hut zu bekommen. Da bleibt kaum Zeit mit anderen Kindern zu spielen.
Dazu kommt dann leider auch noch der Medienspektekel nach einem Amoklauf, der die Schützenvereine nicht in ein besseres Licht rückt. Meistens sind es doch auch unsere eigenen Kinder die wir mit in Verein einbringen, doch diese ziehen irgendwann mal weg, oder haben mit Schule, Ausbildung und Freundeskreis andere Interessen.
Es ist übrigens nicht nur der Nachwuchs der fehlt. Auch bei den Erwachsenen werden es immer weniger die an den Schießabenden oder Terminen teilnehmen!
Hallo Robin,
Ich bin seit 22 Jahren Bogenschützin. Habe an Deutschen Meisterschaften teil genommen.Dieser Sport ist ein wunderbares Hobby. Seit 14 Jahren bin ich auch Abteilungsleiterin in der Bogensportabteilung in unserem Verein,in der Zeit habe ich viele Kinder und Jugendliche trainiert und betreut,es ist mit viel Geduld und Abwechselung in den Trainingseinheiten machbar Nachwuchs zu halten. Das Problem kommt dann aber ,wenn die Jugendlichen in die Lehre gehen oder Freund-in haben die kein Interesse am Bogensport haben.
Ich wünsch euch viel Glück und Erflog mit der Sparte.Vielleicht sieht man sich mal auf einer Meisterschaft.
Alle ins " Gold" Anne Kensy
Hallo Sieglinde,
irgendwie haben alle recht. Auf keinen Fall will ich das eine oder andere Argument einseitig oder gar mit eingefärbter Brille betrachten. Auch ich bin aktiver Schütze, sogar im Gross-Kaliber -Bereich und habe auch mit der Luftpistole angefangen.
Letztendlich sind wir alle, die diesen Sport lieben, gefordert die positiven Seiten zu vermitteln- Bogen oder Pistole etc. -. Aber eines ist ist klar und davon lasse ich mich nicht abbringen, das Vereinsmarketing liegt vieler Orts brach und bedarf dringend neuer Impulse. Es gibt einfach zu wenig Aktive die auch ein Amt (mit Aufgaben!) übernehmen. Die Vorstände sind in der Regel nicht mehr die Jüngsten, entsprechend wird dann auch gehandelt oder auch nicht usw. u.s.f. Einen ganz wichtigen Punkt hat auch Annegret angesprochen, dass die Jugend, im "richtigen" Alter angekommen erst mal Beruf und Freundschaften in den Vordergrund stellen und den Schießsport hinten anstellen. Hier gelte es dran zu bleiben und nach zu haken.
...und die Alten, Robin, tja auch diese brauchen Impulse, auch die müssen ständig motiviert und aktiviert werden. Sei es durch sinnvolle Aufgaben oder interessante Wettbewerbe. Wir alle müssen umdenken und uns vom klassischen Vereinsleben verabschieden. Allen voran die Verbände und Vorstände. Ich betone an dieser Stelle, vorsorglich, niemanden auf die Füsse treten zu wollen. Ebenso wenig den Stein der Weisen gefunden zu haben, nur wenn wir unvoreingenommen und so objektiv wie möglich Nabelschau betreiben, d.h. uns und unser Tun stets hinterfragen, ehrlich und ohne mimosenhafte Alüren, werden wir es schaffen.
> "Die Disziplin Bogen hat im Gegensatz zu der klassischen Gewehr- und Pistolen-Disziplin nicht diesen militaristischen Beigeschmack, den viele Eltern davon abhalten ihren Nachwuchs in die Obhut eines Schützenvereins zu geben"
Der Bogen ist eine Kriegs- und Jagdwaffe wie Schusswaffen auch.
> "Schlecht find ich persönlich dieses Jagdschießen, wo auf Tierimitationen geschossen wird"
Wären dir echte Tiere lieber?! Zumindest zum Üben haben Tierimitationen schon ihren Sinn. Wobei mir aber neu wäre, dass Schützenvereine etwas mit echter Jagd zu tun haben.
Ne, natürlich nicht, Andreas, aber das eine ist vom anderen nicht so weit entfernt.
Jagd mit Pfeil und Bogen gibt es aber in Deutschland glaube ich nicht.
Habe in Burgdorf Jäger erlebt,die Kindern Hunderassen vorgestellt haben.
Jedes 5. Wort war "vor dem Schuß" oder "nach dem Schuß" und das bei Kindern bis ungefähr 14 Jahre. Hat mir nicht gefallen.
Mir ist es lieber, Menschen erzählen Kindern, wie man die Hasen abknallt, als dass Menschen Kinder wie Hasen abknallen.
Und dann sind mir die Kinder lieber, die Hasen jagen, als jene, die Menschen jagen.
@Kurt und Andreas: Jetzt kommen wir aber doch ziemlich weit vom Thema ab. Hier geht es ja um Schützenvereine und Bogensport, nicht um die Jagd.
Robin, schau in Deine Zeitung.
Da ist vor gar nicht langer Zeit vom Schützenverein Ehlershausen in Bericht über diesen Sportstil gedruckt worden (mit Fotos). Du siehst, wie nahe dieses Thema am Bogensport liegt.
Hallo Robin, meiner Meinung nach ist Bogenschießen auf jeden Fall eine Möglichkeit neue Mitglieder zu bekommen ohne in Konkurrenz zu den Schützen zu stehen. Ich mache seit 2 Jahren Bogenschießen in unserem kleinen Dorfverein, mein Sohn seit 6 Jahren. Hätte es die Alternative Bogenschießen zu den Schützen nicht gegeben, wären wir heute noch keine Mitglieder. Unser Verein hat die meisten Mitglieder in der Schützensparte, bietet aber kein Training an. Wichtig ist nur, kurz vor dem Sommer- oder Winterschützenfest ca. 4 Wochen vorher Schützenkönige zu finden, damit man feiern kann. Vielleicht ist es ja in Vereinen in anderen Dörfern genauso. Auf jeden Fall ist es nicht attraktiv -schon gar nicht für Jugendliche und Kinder- zur hiesigen Schützensparte zu gehören. Entsprechend schwinden diejenigen, die sich als Könige zu Verfügung stellen (es sind zu oft die gleichen). Es ist ja auch nicht ganz billig ist, Schützenkönig zu werden. Manche Veranstaltungen und Ehrungen, die wir mit unserem Sohn besucht haben, der wegen seiner Teilnahme an Landesmeisterschaften im Bogenschießen geehrt wurde, haben uns gezeigt, wie verstaubt doch solche Veranstaltungen mit ihren Ritualen inzwischen sind. Und bei jedem Redner wurde die Sorge um die Verminderung der Mitgliederzahlen deutlich, dabei hätte ein Blick in die Runde schon genügt um eine Antwort darauf zu geben. Auf jeden Fall ist es genau das- die Sauferei, die Rituale, salutierende Zuschauer beim Schützenfestumzug, das Marschieren, was wohl viele Jüngere davon abhält, in Schützenvereine einzutreten. Für mich sind Bogenschießen und Schützenverein zweierlei Dinge mit deutlichen Unterschieden. Deshalb kann hier auch keine Konkurrenz entstehen, die Interessenten werden sich ganz bewußt für den einen oder den anderen Sport entscheiden.
Robin, das Schützenwesen wird halt oft in die Nähe von Militär und Jagd gerückt, was sich hier und dort negativ auf die Attraktivität auswirken kann, wie man sieht - und was ja auch Thema ist ;)



Warum sollte das Konkurrenz sein, wenn es Schützenvereine selbst anbieten? Und es ist passend - immerhin gab es sogar vor dem Gewehr den Bogen ;)