2. Interkultureller Familiengesundheitstag: Im geschützten Raum über Tabu-Themen sprechen

Die Interkulturellen Familiengesundheitstage der Aidshilfen bieten Raum für den vertraulichen Austausch über heikle Themen.
Hannover: Aidshilfe Niedersachsen e.V. | Sexualität, Verhütung, Frauengesundheit – das sind in vielen Migrantenfamilien über Generationen Tabus. Um besonders jungen Mädchen und Frauen einen geschützten Raum zu geben, in dem sie sich über ihren Körper, das hiesige Gesundheits- und Hilfesystem informieren können, hat die Aidshilfe Niedersachsen (AHN) mit Unterstützung des Niedersächsischen Sozialministeriums ein neues Veranstaltungsformat entwickelt: Am vergangenen Wochenende hat der „Interkulturelle Familiengesundheitstag“ im hannöverschen Freizeitheim Linden zum zweiten Mal mit Erfolg den Praxistest bestanden.

Wie bei der „Premiere“ am 10. August in Goslar waren die Familien begeistert von der speziell für zugewanderte Menschen konzipierten Informationsveranstaltung, bei der nicht nur Deutsch, sondern auch Englisch, Französisch, Arabisch und Farsi gesprochen wird. Im Mittelpunkt steht der kultursensible und interaktive Austausch über Frauengesundheit, den weiblichen Körper, über Schwangerschaft, Geburt und die Prävention übertragbare Infektionskrankheiten wie HIV. Zu diesem Teil des Interkulturellen Gesundheitstages haben nur Frauen Zugang. Für die männlichen Besucher wird parallel eine Einführung in die Erste Hilfe angeboten, die mit Themen wie Infektionsschutz, Selbstverantwortung und Männergesundheit verknüpft wird. Der Eintritt ist frei.

Das Konzept: Raum für vertrauliche Gespräche

In den Kaffeepausen werden Vieraugengespräche angeboten, die mit der Vermittlung weitergehender Beratung verknüpft sein können. Außerdem gibt es kurze Vorträge über die Vergabestelle Anonymer Krankenschein, Frauenhäuser, Impfungen, Frühe Hilfen, Trauma, Depression und Möglichkeiten von Rekonstruktionsoperationen bei Genitalverstümmelung. Die Kinder können an einem Tanz- oder Theaterworkshop teilnehmen, werden mit einer Hüpfburg, Basteln und viele andere Aktivitäten unterhalten. Am Ende haben alle Familienmitglieder Spaß, gehen nach einem gemeinsamen Essen gestärkt und mit vielen Informationen nach Hause, die sie in ihrem jeweiligen Umfeld verbreiten können.

Kultursensible Information

Das „Frauenprogramm“ des Familiengesundheitstages gestaltet Susan Bagdach vom interkulturellen Gesundheitszentrum Holla e.V. Die erfahrene Psychotherapeutin und Trainerin stammt aus einer syrischen Familie. Sie führt mehrsprachig, mit leichter Hand durch schwierige Themen. Der geschützte Raum ermöglicht es den Migrantinnen, häufig zum ersten Mal offen über ihren Körper und Sexualität zu sprechen. „Unabhängig vom Alter, von Bildung, Herkunft oder Lebenssituation – jedes Mädchen, jede Frau muss den Raum haben, um sich auf ihre Körperlichkeit besinnen und diese leben zu können“, sagt Bagdach. Nur so könnten Stärke und Selbstbestimmung wachsen, Verletzungen heilen.

Vier weitere Familiengesundheitstage geplant

Dieser spezielle Gesundheitstag für Migrantenfamilien ist ein wichtiger Baustein des AHN-Projekts „Positive Kids“ unter Leitung von Ingrid Mumm, Landeskoordinatorin des Netzwerks „Aids, Kinder und Familie“. In Kooperation mit den regionalen Aidshilfen und lokalen Wohlfahrtsverbänden sind für das kommenden Jahr vier weitere Veranstaltungen in Niedersachsen geplant. „Wir bauen damit Vertrauen bei den Familien auf und ermuntern sie, die Aidshilfen sowie andere niedrigschwellige Beratungsstellen und -einrichtungen zu nutzen. Im besten Fall schaffen wir es, möglichst viele Frauen als Multiplikatorinnen und Gründerinnen eigener Selbsthilfegruppen zu gewinnen“, betont Mumm.

Weitere Information
http://www.positive-network.de

Kontakt
Ingrid Mumm, Landeskoordinatorin „Aids, Kinder und Familie“
Fon 0511 13 22 12-08
Mobil 0176 50 94 16 21
mumm@niedersachsen.aidshilfe.de
www.niedersachsen.aidshilfe.de + www.positive-network.de

Spendenkonto
Empfänger: Aidshilfe Niedersachsen, Konto "Kinder & HIV"
IBAN: DE35251205100007410608
Papierform: DE35 2512 0510 0007 4106 08
BIC: BFSWDE33HAN (Hannover)
Bank: Bank für Sozialwirtschaft
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