Hannovers schönster Berg - ein Lindener
Da saß ich nun nach dem Fegen schlapp auf der Terrasse meiner Wohnung. Mit müden Blicken schaute ich auf ein leeres Meisennetz. Da wird Anna, so dachte ich, den Nachschub an Fettkugeln für die Meisen vergessen haben. Die kleinen Dicken werden von ihr gerne übersehen, wenn sie großen Hausputz hat. Meine Freundin war bei uns die Gartenmeisterin und natürlich mehr auf Federschauen von Amsel, Fink und Star spezialisiert: Meisenknödel, daran verschwendete sie ihre Gedanken nicht.
So sinnierte ich ins leere Netz und mir fiel plötzlich ein, ich hatte im Schuppen noch zwei fette Meisenknödel gesehen. Gut, die holte ich also und befestigte die Kugeln im Netz an das Terrassenfenster und wartete, was passierte…
In der Politik ist das ja auch so: Erst einmal anbieten und dann sehen, ob das Volk es annimmt. Und da, plötzlich kam - ein Spatz! Setzte sich aufs Gitter, guckte links, rechts, flog eine Runde und fegte haarscharf an den Meisenknödeln vorbei wie Schumi und verschwand. Ein Spion vielleicht?
Doch dann kam die Invasion! Eine sehr flugtüchtige Familie erklomm meine Terrasse. Eine Heerschar von Spatzen, mindestens 15 Federbündel zählte ich auf den ersten Streich, weil alle hin und her flogen, konnte ich es nicht genau erkennen. Ich sprang aus dem Sessel, um besser zählen zu können. Es waren sogar 17 Spatzen - die blitzartig und keck an die Fettknödel flogen. Die ja eigentlich für Meisen sind! Oder sie kämpften jeder gegen jeden. Eine Flatterei war das ohnegleichen.
So ausgehungert und ausgelaugt konnten sie nur vom Lindener Berg gekommen sein.
Vielleicht haben sie auch die Terrasse meiner Wohnung insgeheim zu einem Spatzen-Kurheim mit fremdländischer Meisenverpflegung ernannt und meine Terrasse heißt schon länger, in der Vogelsprache natürlich, Sperlingslust.
P.S.: Anschließend habe ich mir die Bauanleitung eines Spatzenreihenhauses besorgt


Mit dem Aktivieren des Buttons erlauben Sie einen begrenzten Datenaustausch mit Facebook. Mehr dazu rechts unter .