Bessere Leistung mithilfe von Pillen? (Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de)
Ritalin und Modafinil für bessere Noten: Nach Ansicht von Experten nehmen nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Schüler vermehrt leistungssteigernde Medikamente. Das berichtet die HAZ in einem Artikel über den Suchthilfetag des Jugendnetzwerks Step. Peter Märtens vom Fachbereich Prävention bei Step wird darin mit dem Rat zitiert: "Lieber eine Drei mit feuchten Händen als eine Eins auf Rezept."
Nach seiner Beobachtung gibt es aber ein Trend dahin, vor Klassenarbeiten und Klausuren leistungsfördernde Mittel zu schlucken. Bei einer Umfrage der DAK hatten vor zwei Jahren 21 Prozent der Befragten 20- bis 50-Jährigen angegeben, Erfahrungen mit derartigen Medikamenten zu haben.
Was meint Ihr: Ist der Leistungsdruck an der Schule heute wirklich höher als früher? Und wenn ja: Woran liegt das?
Der Leistungsdruck in der Schule ist heute sicher höher als zu meiner Schulzeit. In der Grundschule beginnt bei vielen Eltern der Druck auf ihre Kinder ab Klasse 3, wenn die ersten (verständlichen) Noten auf dem Zeugnis stehen. Spätestens in der 4. Klasse ist der Druck da, die Kinder auf die weiterführenden Schulen vorzubereiten. Das verkürzte Abi erhöht diesen Druck an den Gymnasien um ein Übriges. Dass Lernen auch Spaß machen kann, kommt wegen der straffen Lehrpläne, fehlender Lehrer etc. oft zu kurz. Marode Schulen mit zu wenig Räumen oder viel zu kleinen Schulhöfen bei einer großen Schülerzahl machen die Sache nicht besser. Wir Eltern stehen eindeutig in der Verantwortung unseren Kindern gegenüber, uns für mehr Lehrerstellen, bessere Lernbedingungen, Sanierung von Schulen usw. einzusetzen und dabei nicht zu vergessen, dass unsere Kinder auch noch eine Kindheit haben sollten. Und die besteht nicht nur aus Pauken, Druck und Stress!
Bei dem Leistungsdruck, der in unserer Gesellschaft herrscht, kann ich aber auch die Sorgen vieler Eltern verstehen. Sicher wollen alle nur das Beste für ihre Kinder, um deren Zukunft zu sichern. Aber schon zu meiner Schulzeit hat nicht jeder Abi gemacht. Was wären wir ohne unsere Dienstleister, Handwerker und Co.? Nur weil man kein Abi gemacht hat, ist man kein schlechterer oder dümmerer Mensch. Das wird hoffentlich auch bald in einigen Chefetagen ankommen.
Bei Pillen zur Leistungssteigerung hört der Spaß für mich eindeutig auf. Wenn Eltern so etwas unterstützen, finde ich das verantwortungslos!
P.S. Der Politik sollte mehr Druck gemacht werden, an den Schulen für vernünftige Lernverhältnisse zu sorgen. Unsere Kinder sind die Zukunft von morgen!
Stimme Katja zu.
Und Schule wird vernachlässigt. Für den Krippenkram wird demonstriert - aber ob es in die Schulen reinregnet, interessiert keine Sau.
Ausserdem ist das Thema Pillen für Kinder ein alter Hut.
Es wird ja nicht nur wegen der Leistungsförderung mit Pillen gearbeitet, sondern auch bei Auffälligkeiten, dem sogenannten ADHS u.ä.
Wo ggf. eher Familienleben, erziehende Eltern, vernünftige Lebensweise und Ernährung helfen würden, stopft man lieber die Kinder mit Pillen voll.
Das geht schneller, einfacher und man muss nicht eingestehen, Fehler gemacht zu haben.
Ausserdem ist Leistungssteigerung doch extremer Bestandteil in der Gesellschaft an sich, die ja nur noch sogenannte Leistungsgesellschaft ist (wobei sich natürlich darüber streiten lässt, ob die Leistungen auch immer so toll sind ;))
In einer immer bequemer werdenden Gesellschaft ist das nun mal so.
Pillen gehören (ob wirksam oder nicht) dazu; man kann den Menschen einreden, was man will, um ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen - es wird immer funktionieren.
Wer sich schon in jungen Jahren die Gesundheit durch solche "DROGEN" ruiniert, wird früher sterben; somit aber auch die Rentenkasse entlasten... (Böser Gedanke - richtige Schlussfolgerung)
Jeder muss selber entscheiden, wie er sich ruiniert - es ist ja nicht verboten; sonst müsste man Doping-Kontrollen in den Schulen einführen...
Es bleibt also nur eine gute Aufklärung zum Thema innerhalb des Elternhauses oder (mal wieder) das Abschieben hierzu auf die Lehrer.
Wäre der Leistungsanspruch nicht gestiegen, würden wir uns nicht am PC, sondern mit Rauchzeichen verständigen.
Wenn ein Ziel schneller erreicht werden soll, erfordert die Einsparung der Zeit mehr Leistung in der dazu gesetzten; also ein Schuljahr wird nicht geschenkt, sondern erarbeitet. Das kann zur Verzweifelung und Aufgabe führen oder die Leistungsfähigkeit einer Persönlichkeit fördern - mit oder ohne legale oder illegale Drogen...
Das liegt einmal daran, dass das Abitur jetzt schon nach 12 Jahren gemacht werden soll. Dadurch erhöht sich die Stundenzahl enorm und der Leistungsdruck steigt. Das gleiche Wissen, aber ein Jahr weniger Zeit - dadurch steigt der Leistungsdruck natürlich. Aber trotzdem sollte man nicht zu leistungsfördernden Präparaten greifen. Das kriegt man auch so in den Griff. Es bedeutet zwar viel Arbeit, aber man will später ja auch eine vernünftige Arbeit haben.
Andreas aus Niedersachsen
Stimme Katja zu.
Und Schule wird vernachlässigt. Für den Krippenkram wird demonstriert - aber ob es in die Schulen reinregnet, interessiert keine Sau.
Stimme euch beiden zu. Wären die Schulen besser ausgerüstet und gewartet, würden viele Schüler lieber zur Schule gehen. Ihre Zukunft geht da Grade vor die Hunde mit Pillen.
Aber das liegt auch daran, das sie nur Stellen bekommen, wenn sie nicht in der Hauptschule mehr sind. Leider gibt es Ausbildungsplätze erst ab den Realschulabschluss. Warum ? ich weiß es nicht.
Vielleicht sollte ich so mal sagen, warum sind die Hauptschüler in der Bildung so schlecht geworden, das man sie in Handwerk nicht mehr einsetzen kann oder für 6-12 Monate dann einen Lehrer bezahlt, damit sie den Wissensstand haben, der in Handwerk benötigt wird.
Vor 40 Jahren gab es das Problem nicht. Was hat sich in der Hauptschule geändert, das es heute so ist.
In den Hauptschulen bleiben heute die stecken, die es nicht schaffen, den Realschulabschluss zu machen. Während früher auch die noch in der Volksschule waren, die auch noch gut für die Mittlere Reife gewesen wären, wenn man sich mehr um sie gekümmert hätte.
Wer heute nicht genug Leistung zeigt, fällt hinten runter. Für gute Leistung muss aber auch das Potenzial vorhanden sein. Und das war vor 40 Jahren auch nicht immer da. Das hat mit nem kaputten Schulhaus-Dach nichts zu tun.
> "warum sind die Hauptschüler in der Bildung so schlecht geworden, das man sie in Handwerk nicht mehr einsetzen kann"
Wie gesagt: Und Schule wird vernachlässigt. Für den Krippenkram wird demonstriert - aber ob es in die Schulen reinregnet, interessiert keine Sau.
Und siehe mein Beispiel in einem anderen Thread - wo Kindern nach der Schule unbedingt in der Fremdbetreuung sein sollen, damit sie lernen, was Radies oder Katze ist und auch mal werken und basteln, weil das angeblich kaum ein Kind kennt.
Da mag man den Eltern schuld geben - aber sich auch fragen: Was zum Teufel haben diese Kinder jahrelang in der Schule gemacht???
Früher war Basteln Standard. Und was welche Tiere sind, lernte man schon automatisch beim Lesen/Schreiben in der ersten Klasse.
Und heute???
Und btw... heute sind die meisten sogar auch noch schon ab drei in den angeblich soooo tollen Kindergärten!
Ahoi,
wenn ich die Zahlen richtig verstehe von dir, dann gibt es drei Jahre Kindergärten (dort soll ja schon das Lesen beigebracht werden) und neun Jahre Hauptschule. Also zwölf Jahre in denen den Kindern was beigebracht wird. Wieso werden die Schüler immer schlechter? Das muss an einen Faktor liegen. Nur die Eltern wäre zu einfach. Nicht alle Eltern lassen ihre Kinder in Regen stehen. Also was ist es dann?
> "Nur die Eltern wäre zu einfach. Nicht alle Eltern lassen ihre Kinder in Regen stehen. Also was ist es dann?"
Ich sagte doch nicht, dass es nur an den Eltern liegt, sondern: "Da mag man den Eltern schuld geben - aber sich auch fragen: Was zum Teufel haben diese Kinder jahrelang in der Schule gemacht??? Früher war Basteln Standard. Und was welche Tiere sind, lernte man schon automatisch beim Lesen/Schreiben in der ersten Klasse. Und heute???"
Und die Fremdbetreuung erwähnte ich, weil sich mit deren Ausbreitung die Probleme eher verschlechtert haben. Trotz - oder gar wegen?! - der Ausbreitung.
Btw, was interessantes und erschreckendes zum Thema gefunden:
> "... hätten 80 Prozent über Kopfschmerzen und etwa 50 Prozent über andere Beschwerden wie Rücken- oder Nackenschmerzen geklagt (...) Bis zu 50 Prozent hätten angegeben, sich überfordert zu fühlen. (...) warnte vor der Gefahr, dass Schmerzpatienten medikamentenabhängig werden (...) berichtete fast ein Viertel (23 Prozent) der befragten 14- und 15-Jährigen, dass sie unter sozialem Stress litten, was ebenfalls Schmerzen verursachen könne. Mehr als zehn Prozent hätten weniger als eine Stunde unverplanter Zeit am Tag, etwa 50 Prozent zwei Stunden. Angesichts der Ergebnisse müsse die Gesellschaft sich fragen, "ob diese Verdichtung und Beschleunigung des Lebens (...) auf die Dauer uns allen zuträglich ist ..."
Leider wird auch da nur empfohlen, in die Ganztagsbetreuung auch noch Jogging reinzupacken, anstatt den Kindern einfach wieder mehr Freiheit und Freizeit zu geben, die sie ausleben können - wo man in der Befragung doch selbst schon feststellte, dass es den Kindern an unverplanter Zeit mangele.
Nun weiß man ja, dass Kinder in den jüngeren Lebensjahren besonders viel lernen können. Der Elternwunsch, das Kind irgendwann zum erfolgreichen Erwachsen-Leben geführt zu haben, hat sich zum Elternwahn gewandelt.
Kinder haben prallgefüllte Terminkalender. Aber nicht für Kindergeburtstage, sondern für Veranstaltungen mit Schwerpunkt LERNEN und möglichst noch mit dem dringenden Bedürfnis, Erster oder Bester zu sein.
Nur mal ein Beispiel dafür, was aus Pillenkindern werden kann (vor ca. 43 Jahren so geschehen):
Ein 14-Jähriges Mädchen wurde Im Krankenhaus wegen Tablettensucht behandelt. Die Tabletten hatte sie von ihrer Mutter gegen Schmerzen oder was auch immer, zur Stärkung und Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit in der Schule erhalten. 14-jährig also, lernte sie auf dem Außengelände der Klinik eine andere Drogenabhängige kennen. Mit ihr zusammen drückte sie (spritzte sie sich) das erste Mal Heroin. Sie war sofort abhängig, blieb es, bis ich sie kennen lernte. Da war sie 30 Jahre alt und ziemlich kaputt. Mehrere Therapien hatten ihr in den Jahren nicht helfen können. Ein Jahr ihres Lebens habe ich sie begleitet. Eine neue Therapieform hatte Erfolg. Bis sie rückfällig wurde, ihr gesamtes soziales Netz zusammenbrach. Vielleicht lebt sie noch.
Und ja, weitere Drogen kommen sicher auch oft ins Spiel, wenn sich der Leistungswahn in der spärlichen Freizeit fortsetzt. Da wird dann auch schnell mal Doping im Hobbysport ein Thema oder beim Abfeiern die Pille mit der schnellsten Wirkung eingeworfen.
Nikotin und Alkohol sind doch Alltag in der Gesellschaft.
Ok, gegen das Rauchen wird mal gestänkert - aber kein Anlass ohne Alk - und wer nicht will, wird schief angesehen.
Da hast du deine Drogenbasis...
"Aber wo kommen die Drogen her und wer bringt sie ins "Spiel"? Wer sagt das Drogen Chic sind? Ohne Vorbilder, keine Nachmacher. "
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