Der Hermann-Löns-Park – Grünanlagen in und um Hannover

Viel Wasser und viel Grün im Löns-Park.
 
Entstanden ist er aus einem Niedermoor.
 
Schon in den zwanziger Jahren kam die Idee auf, dieses sumpfige Gelände in eine Parklandschaft zu verwandeln.
Hannover: Hermann-Löns-Park | Hannover wird nicht umsonst „Die Stadt im Grünen“ genannt. Und das zu Recht. Wohl kaum in einer anderen Stadt gibt es so viele Grünanlagen wie in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Ob herrlicher Buchenwald inmitten des Großstadttrubels, ob an zahlreichen Seen, den großen Gartenanlagen in Herrenhauseen, den vielen Parks, oder an Leine, Ihme und Mittellandkanal. Überall grünt es und lädt den Spaziergänger oder Radfahrer dazu ein, diese grünen Stadtinseln zu erkunden. Natürliche sind den Bewohnern der Stadt die bedeutendsten Grünanlagen bekannt, manche andere aber auch nicht. Mit einer Serie, in der die Beiträge unregelmäßig erscheinen, möchte ich diese Grünbereiche vorstellen.
In diesem Bericht geht es um eine parkähnliche Landschaft, die dem berühmten Schriftsteller und Heimatdichter Hermann Löns gewidmet ist. Löns hat zeitweise in Hannover gelebt. Beim „Hannover Anzeiger“, dem Vorläufer der HAZ, brachte er es bis zum Chefredakteur. 1914 starb er. Ihm hätte diese herrliche Landschaft sicher gefallen.


Der Hermann-Löns-Park

Im Süd-Osten der niedersächsischen Landeshauptstadt gibt es eine Landschaft, die für die Großstadt Hannover einzigartig ist. Das ist der Hermann-Löns-Park, der von den Bewohnern der umliegenden Stadtteile Kleefeld, Heideviertel und Kirchrode auch Anna-Park genannt wird, da sich in seiner Kernzone der Annateich befindet.
Schon nach dem Ersten Weltkrieg wurde darüber nachgedacht, dieses brachliegende Gelände in eine Parklandschaft umzuwandeln. Der Boden besteht im oberen Bereich aus dem Mergel der Kreidezeit, der in Misburg, Anderten und Höver großräumig abgebaut wird. Darunter befindet sich eine wasserundurchlässige Mergel-Tonschicht, der Grund dafür, dass in früheren Zeiten ein Niedermoor entstehen konnte. Dieses wiederum ist aus einem riesigen Flachwassersee entstanden, der von der letzten Eiszeit vor 12.000 Jahren übriggeblieben und verlandet war. Und natürlich wurde dort, wie in der Leinemasch auch, Ton abgebaut. Eine Ziegelei wurde betrieben, der Annateich entstand.
In den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durchstreifte dieses Sumpfgelände an einem nebligen Morgen sogar einmal eine kleine Elefantenherde. Szenen für den deutschen Film „Das indische Grabmal“ wurden gedreht.

Zu Zeiten der Nazis wurden Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen gesucht. Nicht nur an der Leine fand man eine solche, an der der Maschsee angelegt wurde, sondern nun auch zwischen Kleefeld und Kirchrode. Die angedachten Pläne aus den zwanziger Jahren wurden nach den Entwürfen des hannoverschen Architekten Hans Klüppelberg zwischen 1936 und 1939 in die Tat umgesetzt. Ziel war es dabei nicht wie damals üblich einen Englischen Garten, wie zum Beispiel den Georgengarten, anzulegen, sondern das Gelände in eine natürlich wirkende Auenlandschaft umzuwandeln, wie sie für das flache Niedersachsen charakteristisch ist. Das war neu, und das ist, das kann man wohl auch heute noch sagen, mehr als gelungen.
Auf den Spaziergeher wirkt das etwa 80 Hektar große Gelände nicht wie ein Park, sondern wie eine natürliche Landschaft. Kleine Waldstücke, weite Wiesenflächen mit hohem Gras und oft von Blumen übersäht, darin Baumgruppen, Bäche die in kleine Gewässer münden und schließlich der große Annateich, von denen die östliche Wasserfläche mit den Inseln zusammen mit der Parklandschaft angelegt wurde, bilden diese ländlich wirkende Kulisse. Sie wird von breiteren Wegen und sich dahin schlängelnden Pfaden durchzogen. Immer wieder ergeben sich dabei neue Ansichten. Es macht einfach Freude, dieses abwechslungsreiche Gelände zu erkunden.
Und auch die Tierwelt fühlt sich darin wohl. In erster Linie sind es die Graugänse, die diese Landschaft bevölkern. Vermutlich in zu großer Zahl, da sie die Teiche durch ihre Exkremente verschmutzen und stark belasten. Aber natürlich freut man sich über den Anblick des Federviehs. Besonders dann, wenn die Junggänse im Frühsommer ihre Formationsflüge veranstalten, auch über Kirchrode. Oft fliegen sie dabei so flach, das man das Schwingen ihren Flügel hört. Auch diverse Entenarten und Teichhühner kann man beobachten, wenn auch in kleinerer Zahl. Füttern sollte man die Tiere, wie am Maschsee auch, allerdings nicht. Dadurch wird der sowieso schon zu hohe Bestand der Graugänse noch größer.
Und zum Abend, wenn die Dämmerung eingesetzt hat, kann man die Wasserfledermäuse beobachten, die aus den Baumhöhlen der alten Eichen des Tiergartens herüber kommen. Später im Jahr verziehen sie sich in die Eilenriede und zum Maschsee hin.
Und auch wer sich für Botanik interessiert, wird im Löns-Park auf seine Kosten kommen. Neben unzähligen Pflanzenarten gibt es an manchen Stellen noch das seltene Pfeifengras, Wasserlilien, Kräuter in großer Zahl, und auch Orchideen. Deswegen wurde der Park mit der angrenzenden Mardalwiese zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
Und wer sich von seiner kleinen Wanderung in lauschiger Umgebung etwas ausruhen möchte, der kann zum Beispiel in der angrenzenden Gartenkolonie im Ausfluglokal „Am Annateich“ einkehren, oder natürlich im Restaurant „Alte Mühle“ mit seinem schönen bäuerlichen Fachwerkensemble. Und dabei schaut man sich die alte Bockwindmühle an, die erst vor kurzem restauriert wurde und die im Laufe von Jahrhunderten schon so oft den Standort gewechselt hat. Und im Winter ist dieser kleine Hügel, auf dem die Mühle steht, besonders bei den Kindern sehr begehrt. Wenn genügend Schnee liegt, lädt er zu einer Schlittenpartie ein. Und man kann auch, wenn es denn mal wirklich länger kalt ist, die Schlittschuhe unterschnallen und auf dem Annateich seine Runden drehen. Anders als bei der weiten Fläche des Maschsees kann man dort um die Inseln herum kurven, oder die Kanäle entlang gleiten. Auch das hat seinen Reiz.
Wer die Natur mag, wer mal in aller Ruhe einen Spaziergang machen will und wer sich einfach in einer schönen Umgebung aufhalten möchte, der findet mit dem Löns-Park ein schönes Fleckchen Erde, an dem er das alles haben kann.

Vorgestellt habe in dieser Reihe bisher:

Flaniermeile Maschsee

Kreuz und quer durch die Eilenriede

Vogelparadies südliche Leineaue

Herbstzeit an der Leine

Die Mergelgruben bei Misburg, Anderten und Höver

Der Kronsberg zwischen Anderten und Laatzen

Landschaftsschutzgebiet Alte Bult

Der Stadthallengarten

Herbstzeit im Von-Alten-Garten am Lindener Berg

Friedhöfe als Parkanlagen
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2 Kommentare
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Katja Woidtke aus Langenhagen | 23.05.2014 | 23:14  
54.326
Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 25.05.2014 | 01:21  
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