Fototipps: Das Auge in die Tiefe führen

Landschaft bei Bockenem: Der geschwungene Wanderweg führt uns ins Bild hinein und signalisiert Tiefe.
Dass myheimat-User gerne Landschaften fotografieren beweisen viele Beiträge auf diesen Seiten. Aber wenn wir die Linse auf solch schöne Motive richten, haben wir alle ein kleines Problem. Die Landschaft breitet sich in drei Dimensionen vor uns aus, das fertige Foto ist – einmal abgesehen vom Holgramm – aber flach, eben nur eindimensional. Daher kann das Ergebnis unserer fotografischen Bemühungen hinterher manchmal ziemlich enttäuschen sein. Wir müssen - wenn wir uns nicht der Technik der 3-D- oder der Stereo-Fotografie bedienen wollen, einige Tricks verwenden, um unser Auge zu täuschen.

Weil die Fotoszene nach meinem Geschmack bei myheimat etwas zu kurz kommt, will ich ab und zu mit Beiträgen zu Fotothemen den Fokus auch mal auf dieses schöne Hobby richten. Diesmal soll es um die Tieferwirkung gehen.

Damit die Landschaftsaufnahmen schön wirken und unsere Erinnerung an die dreidimensionale Wirklichkeit bestätigen, heißt es Tiefenwirkung erzeugen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

Zum einen sind es die sich nach hinten verjüngende Fluchtlinien. Was in der Senkrechten als Fehler (Stichwort „stürzende Linien“) abgehakt wirkt, führt uns in der Waagerechten in das Bild hinein. Sehr schön kommt dies bei Aufnahmen von Bahngleisen zur Geltung, die vom Betrachter weg in den Hintergrund führen. Dann können wir im Weiteren die Illusion von Tiefe durch geschickte Wahl des Schärfebereiches erzeugen, wir können uns die Luftperspektive zu Nutze machen (entferntere Dinge sind heller, weil sie normalerweise in der Landschaft im Dunst verschwinden), wir können aber auch Tiefenwirkung durch die Farbwahl hervorrufen: rot drängt sich in den Vordergrund, blau ist mehr etwas für den Hintergrund. Und wenn nicht gerade Herr Tur Tur, der Scheinriese aus „Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer“, unser Motiv ist, gibt uns auch die Größe der abgebildeten Objekte einen Hinweis auf Tiefe (große Dinge sind vorn, was klein ist, muss weiter weg sein),

Heute wollen wir uns einmal mit den Linien beschäftigen, die Tiefe erzeugen. Zur Erinnerung: Ein Landschaftsbild besteht normalerweise aus Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Wenn das Bild uns etwas bietet, anhand dessen wir mit unserem Augen diesen Weg vom Vorder- zum Hintergrund nehmen können, dann glauben wir die Tiefe wieder zu spüren, die im Original vorhanden war. Eisenbahnschienen hatte ich als Hilfsmittel schon erwähnt. Die verlaufen aber meistens schnurgerade und sind nicht überall zu finden. Geschwungene Wege und Straßen nehmen unser Auge aber auch mit, führen uns elegant durch das Bild. Als Beispiel habe ich hier einmal ein Foto hochgeladen, das in Bockenem (das ist ein kleines Landstädtchen im Vorharzgebiet, genauer dem Ambergau bei Hildesheim) aufgenommen wurde.

Wir haben hier ein typisches Landschaftsfoto. Im Vordergrund ragen aber Zweige und Blütenstengel ins Bild hinein und geben den Durchblick frei. Diese Pflanzenteile scheinen relativ groß und symbolisieren deshalb Nähe. Der Turm der Kirche St. Pankratius in im Hintergrund ist hingegen klein und signalisiert „Ich bin weit weg!“ Vom Vordergrund zum Hintergrund schwingt sich nun ein Wanderweg. Und weil der nicht wie mit dem Lineal gezogen ganz gerade verläuft, sondern einen großen Bogen bildet, folgt unser Auge gern dieser Spur und zieht uns in das Bild hinein. Effekt: Wir glauben Tiefe zu spüren.
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5 Kommentare
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 01.02.2014 | 18:18  
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Andrea Münch aus Bad Wildungen | 01.02.2014 | 20:07  
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Manfred W. aus Nebra (Unstrut) | 01.02.2014 | 23:10  
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Johanna M. aus Stemwede | 01.02.2014 | 23:39  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 02.02.2014 | 03:48  
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