Hannover-Südstadt: Stolpersteine verlegt

 

Verlegung von 65 Stolpersteinen in der Wißmannstraße

Am 20. Oktober wurden in Hannover 65 neue Stolpersteine in der Wißmannstraße (Südstadt) verlegt. Die Wohnhäuser Nr. 11 und 13 waren der letzte freiwillige Wohnort von 65 Männern, Frauen und Kindern, die von den Nationalsozialisten wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt und ermordet wurden oder infolge der NS-Gewaltherrschaft anders zu Tode gekommen sind.

Diese fünfte Verlegung in Hannover ist schon aufgrund der hohen Anzahl von Stolpersteinen besonders. Ruth Gröne, die als Kind mit ihren Eltern und Großeltern in der Wißmannstraße 11 gelebt hat, hat angeregt, nicht nur für ihre Angehörigen, sondern für alle verfolgten und zu Tode gekommenen Opfer der beiden Häuser Stolpersteine zu verlegen.

Stolpersteine erinnern an Menschen, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft geworden sind. Die Steine werden am letzten selbst gewählten Wohnort der Verfolgten in den Fußweg eingelassen. Eine Messingplatte auf der Oberfläche nennt mit der Inschrift "Hier wohnte"... den Namen, den Geburtsjahrgang sowie die Umstände des Todes.

Das vom Kölner Künstler Gunter Demnig initiierte Projekt wird in Hannover durch den städtischen Fachbereich Bildung und Qualifizierung und die Deutsch-Israelische Gesellschaft e.V. realisiert. Voraussetzung ist, dass die Übernahme der Kosten in Höhe von 95 Euro je Stolperstein durch private Spenden gesichert ist.

Bei der Veranstaltung am Mittwoch war der Medienandrang sehr groß gewesen. Auch eine Vielzahl von Bürgerinnen und Bürger verfolgten diese Veranstaltung.

Der hannoversche Oberbürgermeister Stephan Weil begrüßte zu Beginn der Veranstaltung die Anwesenden.
Er freute sich besonders, dass Frau Gröne als Zeitzeugin anwesend war.

Stephan Weil bedankte sich bei den Spendern der Steine. Er betonte, dass nur durch das Engagement der Spender diese Aktion überhaupt möglich gewesen ist.

Der Oberbürgermeister fand lobende Worte für die SchülerInnen der Wilhelm-Raabe-Schule. Diese hätten gemeinsam mit ihrem Lehrer sehr intensive Nachforschungen zu den einzelnen Bewohnern vorgenommen. Stephan Weil freute sich besonders, das die SchülerInnen trotz der Herbstferien anwesend waren.

Anschließend traten zwei Schülerinnen und ein Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule vor das Mikrofon und verlasen die Namen der Bewohner. Dem Gedenken an die Verstorbenen folgte eine kurze musikalische Einlage.
Von der Musikschule Hannover spielte Sven Düerkop auf seinem Saxophon.

Als Zeitzeugin folgte Ruth Gröne. Auch sie bedankte sich bei den Schülerinnen der Wilhelm-Raabe-Schule für deren Einsatz. Frau Gröne wohnte als Kind in der Wißmannstraße 11. Stolpersteine erinnern nun an ihre Eltern. Sie erzählte mit bewegenden Worte von ihrer Kindheit.
Die zunächst ungetrübte Kindheit war mit der Machtergreifung der Nazi schlagartig beendet. Von anderen Kindern wurde sie beim Spielen verbannt und beschimpft. Die nahegelegene Schule durfte sie auch nicht besuchen.

Besonders bewegend waren ihre Auszüge aus persönlichen Briefen gewesen. Diese schilderten die erschreckende Hilflosigkeit und die pure Verzweiflung der ehemaligen Bewohner der Wißmannstraße.

Der Kantor der jüdischen Gemeinde in Hannover Andrej Sitnov trug nun eindrucksvoll ein jüdisches Gebet vor.

Abschließend sprach der Bezirksbürgermeister Südstadt-Bult Lothar Pollähne. Er mahnte die Anwesenden, dass es heute auch wieder eine Tendenz zur Ausgrenzung geben würde. Die Beiträge der vergangenen Wochen zeigten, dass auch heute wieder versucht, mit fadenscheinigen Thesen vermeintlich einfache Antworten zu geben.

Der Künstler Gunter Demnig sprach selbst nicht zu den Anwesenden. Während der Gedenkveranstaltung war er intensiv damit beschäftigt, alle 65 Gedenksteine vor den Häusern in den Fußweg einzubringen. Tatkräftige Unterstützung erhielt er dabei von drei Mitarbeitern des städtischen Tiefbauamtes.

Insgesamt sind nunmehr 165 Stolpersteine über die gesamte Landeshauptstadt Hannover verteilt. In Anbetracht des schlimmen Leid und der ungezählten Schicksale der Verfolgten während der Nazi-Herrschaft sicher nur eine geringe Zahl. Gleichwohl ein Versuch, das zu mindestens diese jeweiligen Personen eben nicht in Vergessenheit geraten.

Es bleibt zu hoffen, dass auch zukünftig viele Hannoveraner durch eine Spende diese wichtige Aktion unterstützen werden.
An einer Patenschaft Interessierte können sich mit Gabriele und Frank Lehmberg von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Verbindung setzen, unter Telefon 2 34 35 72 oder

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