575 Jahre Stadtbibliothek Hannover

Legende der Hl. Katharina von Alexandrien, Predigt von der Hl. Anna, beide dt. Mittelalterliche Handschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, Schenkung Senator Friedrich Culemann (Stadtbibliothek Hannover, Ms. Mag. 149).
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  • Legende der Hl. Katharina von Alexandrien, Predigt von der Hl. Anna, beide dt. Mittelalterliche Handschrift aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, Schenkung Senator Friedrich Culemann (Stadtbibliothek Hannover, Ms. Mag. 149).
  • hochgeladen von Bernd Sperlich

Das 575-jährige Bestehen der Stadtbibliothek/Ratsbibliothek wird schon seit einem halben Jahr groß gefeiert. Es begann am 23. April 2015. Der Termin wurde in zweierlei Hinsicht nicht zufällig gewählt. Zum einen erklärte die Unesco diesen Tag im Jahr 1995 zum "Welttag des Buches", zum anderen markiert der 23. April (1440) die "Geburtsstunde" der Stadtbibliothek (Ratsbibliothek) Hannover.

Es folgten weitere Veranstaltungen und Mitmach-Aktionen, die das Ziel hatten, Lesebereitschaft resp. Freude am Buch zu steigern. Zum Abschluss der Feierlichkeiten ließ es die Stadtbücherei mit einer großen Geburtstags-Party am 24. Oktober („Tag der Bibliotheken“) noch einmal richtig „krachen“. Auch viele Stadtteil-Bibliotheken öffneten ihr festlich geschmücktes Haus und luden zu tollen Mitmach-Angeboten ein.

Interessantester Programmpunkt der „Mutter-Bibliothek“ war ohne Zweifel die Präsentation mittelalterlicher Handschriften durch die Bibliotheks-Leiterin Dr. Carola Schelle-Wolff. Sie stellte 6 Bände aus dem 14. und 15. Jahrhundert vor, die aus Papier- oder Tierhaut-Pergamentseiten bestehen, häufig mit schönen Fleuronné-Initialen versehen. Geschrieben wurde mit einem Federkiel, der in ein Fässchen Rußtinte getaucht wurde.

Die Werke sind ein großer Schatz, auch wenn einige Bände später restauriert werden mussten. Jeder Band wurde bereits wechselweise für einen Monat in einer Glasvitrine der Stadtbibliothek zur Schau gestellt. Leider kann man sie jetzt nicht mehr besichtigen. Die Ausstellungsstücke werden wieder in das Ausweich-Magazin der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Forschungsstätte für Mittelalter und Frühe Neuzeit, zurückgebracht, wo sie in einem klimatisierten Raum hoffentlich noch weitere 575 Jahre überdauern können.

Die Anfänge der Stadtbibliothek, so Schelle-Wolff, reichen bis 1440 zurück. In jenem Jahr vermachte Konrad von Sarstedt, Pfarrherr der Martktkirche, Probst von Kloster Lüne, seine Büchersammlung der Stadt Hannover. 1479 übergab Volkmar, Domherr in Lübeck und Spross derer von Anderten, seine bibliophilen Schätze ebenfalls dem Rat der Stadt Hannover. Weitere Schenkungen, aber auch die Übernahme von Nachlässen führten im weiteren Verlauf der Jahrhunderte zu einer respektablen Bestandserweiterung.

1889 zog die Bibliothek in einen Seitenflügel des Kestnermuseums. Noch vor Ausbruch des 1. Weltkrieges kam es durch die Trennung von Stadtbibliothek und Stadtarchiv zu einer Neuorganisation. 1931 bezog man ein 10-geschossiges Hochhaus an der Hildesheimer Straße. Das Gebäude ist auch heute noch Standort "unserer" Stadtbibliothek.

Im 2. Weltkrieg hatte die Stadtbibliothek erhebliche Buchverluste, über 100000 Werke wurden zerstört. Die Altbestände, so auch die mittelalterlichen Handschriften, konnten jedoch rechtzeitig ausgelagert werden. Sie kamen fast unversehrt wieder nach Hannover zurück, berichtet die Bibliothekschefin, die sich im Übrigen für den Vortrag sehr viel Zeit nahm und geduldig alle Fragen der Anwesenden beantwortete.

Bürgerreporter:in:

Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld

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