Bläsermusik am Heiligabend im Atrium der Henriettenstiftung

Steffen Hospodarz dirigiert das "Festtagsorchester" im Atrium der Henriettenstiftung
 
Das Atrium - ein außergewöhnlicher Konzertsaal

Hannover: Henriettenstiftung Hannover - Atrium (Haupteingang) | Seelzer Bläser spielen Heiligabend für die Henriettenstiftung - Seit 1974 spenden die Musiker Freude

Am Heiligabend anderen Menschen musikalisch Freude zu bereiten, ist ein guter Brauch. Eine ganz besondere Tradition pflegen Blasmusiker aus Seelze bereits seit 1974. Damals lag ein Musiker des Blasorchesters des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG) in Letter mit einem gebrochenen Arm in der Henriettenstiftung Hannover und musste dort Weihnachten verbringen. Die Musiker des Blasorchesters wollten ihrem Kollegen eine Überraschung bereiten und fuhren spontan zum Krankenhaus, um ihm ein Ständchen zu bringen.

Aus dieser Aktion entstand eine andauernde Aktion: der damalige Dirigent des Blasorchesters des GBG, Imants Ellings-Elias, bestritt fortan jedes Jahr ein Konzert in dem Krankenhaus. Dieses Konzert wurde zu einem festen Bestandteil im Kalender des Blasorchesters, und auch Ehemalige und Freunde des Orchesters fanden sich ein. Um alle Patienten zu erreichen, wurde bald auch in der Kapelle Neu-Bethesda in Kirchrode, im Altenheim der Henriettenstiftung, musiziert. Dort wird das Konzert mittels Mikrofon in alle Zimmer übertragen. Im Haupthaus an der Marienstrasse spielte das Orchester anfangs im Innenhof, mittlerweile im Atrium des Hauses, das nicht nur an diesem Tag als akustisch interessantes Konzerthaus dient.

In den 35 Jahren konnten die Musiker viel erleben: ob starker Schneefall oder Eisregen - musiziert wurde immer. Auch ein Duett mit einer Schwester der Stifung, die im Innenhof den spielbaren Glockenturm zu "O du fröhliche" bediente, wurde geboten. Im Anschluss an die Musik lädt die Stiftung die Musiker zu Bockwurst und Salat ein und so bietet sich eine gute Gelegenheit für die Ehemaligen, alte Bekannte zu treffen und die neuesten Ereignisse zu besprechen.

Dieser Termin liegt den Musikern so am Herzen, dass sich die Tradition auch nach dem Tod des Dirigenten Imants Ellings-Elias weiter hält. Das Jugendblasorchester Seelze (JBO) übernahm die Organisation, Steffen Hospodarz, ehemaliger Schüler des GBG und damaliger Leiter des JBO, den Taktstock - die Abfolge der Konzerte ist trotzdem stets die gleiche geblieben. Gespielt werden traditionelle deutsche und englische Weihnachtslieder, gespickt mit swingenden Jingle Bells und White Christmas.

Der Eintritt ist frei - für Sitzplätze und Snacks sorgt das Team des Krankenhauses. Der Termin spricht sich nicht nur in Hannovers Südstadt herum - viele Zuhörer finden den Weg ins Atrium von weiter her. Die Rührung und Freude der Patienten ist deutlich zu beobachten und bereitet den Musikern besonders Ansporn, mit den Liedern an diesem besonderen Tag Freude zu bereiten.

"Ich bin seit 24 Jahren dabei - die beiden Konzerte gehören für mich zu Weihnachten einfach dazu", berichtet der Vorsitzende des JBO, Tom Kruse. So sehen es auch viele Aktive und Ehemalige des Blasorchesters des GBG sowie weiteren Seelzer Orchestern. Generationen von Bläsern treffen sich an diesem Tag und musizieren gemeinsam. Über 60 Musiker sind es im Durchschnitt.

Mittlerweile zählen nicht nur Seelzer Musiker zu diesem einmaligen Festtagsorchester. Die Aktion hat sich herumgesprochen und so finden auch viele Musiker aus anderen Orchestern aus Hannover sowie dem weiteren Umland den Weg in die Henriettenstiftung. Denn dieses Orchester ist ein "Festtagsorchester" im wahrsten Sinne.

Dieses Jahr hat das Konzert "Jubiläum" - 35 Jahre. Ein Anlass die größte Frage zu stellen: wer war der damalige Schüler des GBG, der 1974 mit dem Armbruch im Krankenhaus lag und durch seine Musikerkollegen eine einmalige Tradition in Hannover sozusagen erschaffen hat?

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