Wanderung auf die Zugspitze
Hannover: Bemerode | Wanderung auf die Zugspitze, Juli 2010
„Was, du willst zu Fuß auf die Zugspitze wandern? Da fahren doch Zahnrad- und Seilbahnen hoch!“ So ähnlich klang es vor längerer Zeit schon einmal, als das Ziel der Wanderung der Brocken war („... da fährt doch die Dampflok hoch ...“).
Aber, der Weg zum Brocken durch die Fichtenwälder, von lachenden Spechten und singenden Vögeln begleitet, über den Heinrich-Heine-Weg steil bergan, ohne Verkehrslärm in der freien Natur, unterbrochen durch Trink- und Picknickrast ist einfach herrlich!
Und nachdem der Brocken, wie Heinrich Heine anmerkte „der deutscheste aller deutschen Berge“ mehrmals mit Lust und freiheitlichem Frohsinn erklommen war, entdeckte ich in der Sektionszeitschrift meines DAV (Deutscher Alpenverein) eine Ausschreibung für eine Zugspitzwanderung. DAS wäre doch mal ein schönes Ziel! Natürlich mehrere Nummern größer als der Brocken, aber mit entsprechendem Training sicherlich erreichbar.
Die Kosten lt. Ausschreibung hielten sich in Grenzen, zum Termin müsste allerdings Petrus mitspielen. Die Anmeldung erfolgte. In der Vorbesprechung, ca 4 Wochen vor dem „Zugspitztermin“, wurde alsdann geklärt, dass neben Wanderausrüstung auch Klettersteigset, Bergsteigerhelm sowie Steigeisen von Nöten seien, alles ausleihbar beim DAV. Das war also geklärt, die Vorfreude stieg. Die erfahrene Bergführerin Rosemarie, sowie Christian, Hendrik und Jochen waren sich einig.
Am 10.7.2010 war dann schließlich Treffpunkt um 7:15 am Bahnsteig 4, Richtung München. Der ICE schaffte die Hinfahrt problemlos, wenn auch mit etwas Verspätung. Die Verbindung nach Garmisch klappte auch, zur Weiterfahrt dann nach Hammersbach teilten wir 4 uns ein Taxi. Nun konnte es losgehen!
Von Hammersbach ein schöner Aufstieg, mit „brockenähnlichem“ Charakter, der uns schon mal ins Schwitzen brachte und bis zur Höllentalklamm führte. Diese Klamm zu durchsteigen ist ein eigenständiges Erlebnis. Enge Schluchten, abgesicherte Plattenwege, schmale Holzstege über tosende Wassermassen, höhlenartige Durchbrüche, in denen es tropfte wie unter einem Kieslaster, wechselten sich ständig ab. Dabei ging es stetig bergan, aber die Zeit verging wie im Fluge. Nach Verlassen der Klamm wurde sodann das erste Etappenziel erreicht, die Höllentalangerhütte, in der unsere Bergführerin 4 Lagerplätze für die Übernachtung reserviert hatte. Von der Hütte aus war das Ziel gut zu erkennen: In der Abendsonne glänzten Gipfelkreuz und Antennenmast. Überraschung: Es gibt sogar Duschen in der Hütte, wenn auch nur kaltes Wasser. Einen Fernseher gab es nicht, Deutschland : Uruguay lief also ohne uns. Das Lager war sehr eng, die Kissen klein, der Schlaf mit ca. 15 weiteren Wanderern im Lager etwas unruhig.
Gegen 5 Uhr morgens klingelten mehrere Wecker, entsprechend war das Gedränge zuerst im Waschraum, dann im Frühstücksraum. Als wir kurz nach 6 Uhr aufbrachen, verteilten sich die Wandergruppen sehr gut im Gelände, zumal nicht alle unsere Richtung einschlugen. Zunächst ging es gemächlich bergan, in wunderbarer, frischer Morgenluft. Es wurde ein wenig steiler, bis wir nach ca. 1 Std. die Leiter erreichten. Nun musste sich das Klettersteigset erstmals auf dieser Tour bewähren. Die Leiter geht gefühlte 20 m an einer Felswand gerade hoch, daneben läuft ein Sicherungsdrahtseil, zum Einhängen der Karabinerhaken (was aber längst nicht alle anderen Gruppen nutzten). Kurz danach erreichten wir das sogenannte Brett, eine steil abfallende Felswand, in die Eisenstangen hinein gebohrt sind, auf die der Wanderer treten kann. In Brusthöhe läuft dazu das Sicherungsseil, in das wir 4 uns wieder sorgfältig einhängten. Beim Betreten der Eisenstangen, um die ca 30 m breite Felswand zu queren, empfiehlt es sich, auf Fuß und Eisen zu schauen, weniger in den (100m?) tiefen Abgrund. Der kann am Ende kurz betrachtet werden, sozusagen zum Abschied. Denn nun geht es weiter ordentlich bergauf, zunächst an Latschenkiefern vorbei, die alsbald von Moosen abgelöst werden. Am Ende des Mooses überwiegen alsdann Geröll und loses Gestein. Der Rucksack wiegt schwer, die Sonne meint es sehr gut, die Beine ächzen und Durst stellt sich ein. Trinkpausen sind unerlässlich. Nach weiteren gefühlten 3 Stunden erreichen wir sodann das Schneefeld. Es führt imponierend weit nach oben und man sieht vorauseilende Seilschaften, die – je weiter oben desto kleiner ausschauen. Nun werden Grödeleisen oder Wanderstöcke benötigt. Der Schnee ist recht sulzig, aber auch ziemlich glatt. Die Querung, die eigentlich mehr einem bogenähnlich gekrümmten Aufstieg ähnelt, zieht sich hin! Für jeden Schritt im Schnee sucht man die ausgetretene Spur, um nicht abzurutschen (was nicht immer klappt). Der Aufstieg ist recht mühsam. Man gerät wieder ins Schwitzen, auch wenn die Schneeluft ein wenig Abkühlung bringt. Spannend ist am Ende der Übergang vom Ende des Schnees in die Felswand, in den sogenannten „Einstieg“. Aber Drahtseile sowie in den Fels gebohrte Stufen und Eisenstangen helfen. Eigentlich eine leichte Turnübung, aber die Beine sind schon recht schwer, und der Rucksack hat immer noch sein Gewicht …
Nun ist Felsklettern angesagt. Gut gesichert durch Drahtseile, unterstützt durch Eisenstufen und -stangen. Nach kurzer Zeit liegt das Schneefeld weit unter uns, die darauf nach oben „kriechenden“ Nachzügler wirken wie Termiten. Die Luft ist herrlich, wenn auch etwas zu warm. Waren besonders am Ende des Schneefeldes die Beine schwer, geht es jetzt auch tüchtig in die Arme. Denn ab und zu nutzt man doch das Drahtseil, um sich hochzuziehen. So geht es von Felswand zu Felswand, von Buckel zu Buckel und es nimmt schier kein Ende. Das Gipfelkreuz ist nur zu ahnen, irgendwo da gaaanz oben, im toten Winkel. Bitte, bitte, eine kurze Rast. Lasst uns noch bis zur Scharte gehen, da ist mehr Platz zum Rasten. Ab und zu werden wir überholt (so weit möglich, man drückt sich eng an die Felswand, damit sich der Überholer vorbei schieben kann. Allerdings: Niemand drängelt und Überholen geschieht nur in bestem Einvernehmen!). Auch hier nutzen längst nicht alle das Sicherungsseil und eingelassene Haken und Tritte (wir Flachlandtiroler schon). Endlich endlich ist die Scharte erreicht, und damit die Rastpause. Jetzt kann man schon den Gipfel erkennen! Das gibt noch einmal Auftrieb am Ende der Rast und man strebt nun schon etwas routiniert nach oben. Das Drahtseil ist plötzlich zu Ende und wir stehen vor dem Schild „Jubiläumsgrat“. Jetzt rechts ab, auf einen breiteren Weg, es folgt eine längere Linkskurve und dann noch mal ein kurzer Anstieg. Doch halt, hier heißt es Schlange stehen, weil von der anderen Seite (von der Münchener Hütte) viele Touris gekommen sind, um auch den – für sie - kurzen Weg zum Gipfelkreuz zu erklimmen. Gleichzeitig sind auch einige Läufer mit umgehängter Medaille darunter, denn am Vormittag hatte der Zugspitzlauf stattgefunden. Den Läufern kann man gratulieren, sie gratulieren artig zurück, wohl wissend, dass es unser Fußweg auch in sich hat. Dann, gegen 14 Uhr, stehen wir auf dem Gipfel und vor dem voluminösen, golden schimmernden Gipfelkreuz, Berg Heil! Es geschafft zu haben erzeugt ein wunderbares Wohlgefühl, auch Sauerstoff- und Adrenalinzufuhr tragen kräftig dazu bei. Der Körper ist müde, der Geist euphorisch. Nun haben wir uns 2 Std. Rast an der Münchener Hütte verdient. Der Wanderer trifft hier auch die Wahl für den Abstieg. Einige nutzen eine der Bahnen, andere gehen den gleichen Weg zurück. Für uns geht’s abwärts durch Österreich, steil hinab zur Wiener Neustädter Hütte, die gegen 18 Uhr erreicht wird. Gerade rechtzeitig zum Abendessen sowie etwas später fürs Fernsehprogramm mit Spanien : Holland.
Am nächsten Morgen wandern wir weiter abwärts bis zur Zahnradbahnstation Riffelriß. Hier werden die Schuhe gewechselt, denn von jetzt ab nutzen wir die Bahn. Auch wenn der ICE zurück (ab München) das Klima nicht verträgt, die Triebköpfchen immer wieder mal streiken, die Ankunft in Hannover nicht planmäßig gelingt, haben wir ein wunderbares Wochenende hinter uns, von dem wir alle lange zehren werden!
HJG






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