Mit Hamburger Luft bis nach Rom!
Nach meiner Pensionierung im letzten Jahr habe ich mir mit einem Freund aus persönlichen Gründen vorgenommen, etwas Besonderes zu machen, das auch mit dem Faktor Zeit zu tun hat und auch einen Pilgertour-Charakter. Die Zeit war ja bisher im Arbeitsleben nicht in dem Maße vorhanden.
Nach bereits erfüllten Jugendträumen wie Kilimanjaro-Besteigung und Trekkingtouren im Himalaya und Peru, sollte jetzt eine andere Art des Reisens folgen.
Gründe:
Aus Dankbarkeit für:
- Gesundheit der Familie und eigene Gesundheit
- Ein erfülltes Berufsleben ( als ehemaliger Amtsleiter des Fachamtes Einwohnerwesen im Bezirksamt Hamburg-Mitte mit über 100 Kolleginnen und Kollegen, die mich in meiner Tätigkeit immer hervorragend unterstützt haben)
Die Fahrt sollte auch als Beispiel dienen, dass man weitere Fahrten der Umwelt zuliebe (Klimaschutz) auch mit Muskelkraft in zunehmendem Alter bewältigen kann.
Pilger-Radtour nach Rom:
Die 6-monatige Planung der Pilger-Radtour hatte es in sich. Besorgung von Radwanderkarten, von Büchern, die auf Anforderung erst gedruckt werden mussten und Reisebeschreibungen, Besuch der Fahrrad-Messe und Kontaktaufnahme mit Personen, die etwas ähnliches schon mal gemacht haben etc.. Es war nicht einfach, weil es offensichtlich nicht viele Personen gibt, die derartige Touren unternommen haben.
Die Anschaffung eines Fahrrad-Navigationsgerätes und der technische Umgang damit kosteten ebenfalls nicht wenig Zeit.
Wir sind am 1.6.10 um 11.00 Uhr in Oststeinbek gestartet. In zünftige Radlerhosen und Trikots des Bezirksamts Hamburg-Mitte ging´s los. Das Wetter spielte mit und war uns - wie fast auf der ganzen Tour- gnädig. Die erste Etappe mit 123,5 km ging über Zollenspieker nach Eschede, dort haben wir bei einer Verwandten meines Freundes übernachtet. Am nächsten Tag führte uns die Route über Hildesheim bis Brügge, kurz vor Alfeld, ca. 121 km.
Für Übernachtungen hatten wir uns einen Jugendherbergsausweis besorgt, den wir allerdings nicht ein einziges Mal in Anspruch nehmen mussten. Wir haben immer Pensionen, Gasthöfe oder Bed und Breakfast-Zimmer gefunden.
Die weitere Tour führte uns über Orte, die uns von den Autobahn-Abfahrten bekannt vorkamen wie Göttingen, Bad Hersfeld, Schlitz, Fulda etc. Nur dass es jetzt etwas langsamer ging. Wir orientierten uns an den offiziellen Radwanderwegen z.B. Leine-Radwanderweg, Fulda-Radweg, Main-Radwanderweg, ab Augsburg auch an den weltbekannten Radweg Via Claudia Augusta. Später in Italien begleitete uns der Etsch-Radwanderweg eine lange Zeit.
Das Hessische Bergland und die Ausläufer der Rhön gaben uns einen Vorgeschmack dessen, was uns in den Alpen erwartete. Das waren bereits heftige Anstiege, die uns mehr zu schaffen machten, als wir vorher gedacht hatten. Naja, es war ja aber auch eine Pilgertour, die nun mal mit Anstrengungen und Strapazen verbunden war. Das wussten wir eigentlich vorher.
In den interessanten Orten wie Fulda, Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl, Nördlingen, Augsburg, Landsberg am Lech nahmen wir uns regelmäßig etwas Zeit, um uns die Sehenswürdigkeiten in Ruhe anzusehen.
Die Alpen haben wir bei Garmisch-Patenkirchen ( 1 Tag Pause), Mittenwald und Reschenpass überquert. Leider trübte das Wetter ein und wir mussten weite Strecken im Regen bis ins Inntal und auf dem Reschenpass fahren.
Nach dem Reschenpass fuhren wir bei bestem Wetter eine wunderschöne Strecke den Etsch-Radwanderweg nach Meran ( 2.Tag Pause)und weiter nach Bozen. Stundenland passierten wir links und rechts Obstplantagen und Weinberge. Tolle Ausblicke auf Berge und Burgen entschädigten für viele Mühen und Strapazen.
In Höhe von Rovereto bogen wir ab in Richtung Gardasee/Torbole. Der vorausgesagte steile Anstieg ging in die Beine, aber das war vergessen, als wir erstmals den Gardasee von der Anhöhe in Nago erblickten.
In Malcesine am Gardasse machte wir kurze Station und sahen uns in einem Lokal das Fussballspiel Deutschland gegen Serbien 0:1 an. Große Enttäuschung....
Weiterfahrt am Gardasse entlang, tlw. auf Radwegen direkt am See, tlw. aber auch auf der Landstraße bis Lazise am Gardasee.
Jetzt kam der wohl anstrengendste Teil der Pilgertour, nämlich die Überquerung der Appeninen. Die Anfahrt zu den Appeninen war zunächst leicht im Flachland, da wir jetzt die Po-Ebene bei Ostiglia erreichten. Übrigens eine ziemliche hässliche Industriestadt. Am Po entlang hatten wir eine 70 km-Strecke bis nach Cento ausschließlich im Regen und bei Gewitter zu bewältigen.
Am nächsten Tag lag die schwerste Etappe durch die Appeninen vor uns. Nach 30 km erreichten wir Bologna, guckten uns die Altstadt an und dann erwarteten uns 60 km Serpentinen in den Bergen, heftige Anstiege, sodass wir tlw. schieben mussten und fast am Ende unserer Kräfte waren. Eine sehr harte Bewährungsprobe.
Zur Belohnung ging´s dann 25 km zu Tal, eine wahnsinnige Abfahrt.... Gegen 20.15 Uhr trafen wir völlig erschöpft in San Pietro ein, aber es war geschafft. Der schwierigste Teil der Radtour lag hinter uns.
Dass uns noch weitere Kostproben bevorstanden, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Die Fahrt führte uns weiter durch die wunderschöne Toscana über Florenz, Arezzo, dem Trasimeno-See, Perugia und weiter nach Assisi.
Dort legten wir eine schöpferische Pause von zunächst 1 Tag ein, die wir dann allerdings aufgrund des guten Quartiers um 2 weitere Tage verlängerten. Schließlich ist Assisi auch ein weltbekannter Pilgerort. Die Weiterfahrt über Spoleto und Terni entwickelten sich zu ungeahnten schweren Etappen mit vielen steilen Anstiegen, die wir vorher wohl etwas zu leicht auf die Schulter genommen hatten.
Am 32. Tag sind wir dann am 2.7.2010 nach 2420 km um 12.15 Uhr in Rom auf dem Petersplatz angekommen. Unsere persönliche Pilgertour, als Dank, dass es unseren Familien gut geht u wir ein erfülltes Berufsleben hatten, haben wir damit erfolgreich zu Ende gebracht. Alle Strapazen waren halbwegs vergessen, wir haben gelernt, dass der Glaube u der Wille buchstäblich Berge versetzen kann. Allerdings war es ein Irrglaube, zu meinen, die letzten 4 Etappen von Assisi bis Rom schaffen wir spielend, nach dem Motto, wir sind ja gleich da. Es waren mit die schwersten Etappen. Man sollte eben nichts unterschätzen, auch das haben wir gelernt.
Wir möchten von den gemachten Erfahrungen u Erlebnissen keine Sekunde missen, auch wenn es durch die ständige Berge tlw. unheimlich schwer war. Von den Begegnungen und gemachten Bekanntschaften werden wir noch lange zehren. Es war eine Pilgertour im wahrsten Sinne des Wortes.
Wir sind ohne Panne durchgekommen und hatten noch 100 % Hamburger Luft in den Reifen.
Wir sind unglaublich dankbar und froh, dass wir heil, ohne Unfall und ohne Pannen angekommen sind.






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