In Hamburg versammeln sich 2600 Türken aus Solidarität mit Erdogan vor dem türkischen Konsulat

Vor dem ersten Bier begann Walter schon die Skatkarten am sonntäglichen Stammtisch zu mischen, als er von Karl gestoppt wurde.
"Später! Ich muss euch erstmal von meiner gestrigen Radtour erzählen. Auf meinem Rückweg fuhr ich wie immer am türkischen Konsulat vorbei und wurde von tausenden Demonstranten richtig eingekeilt. Die meisten sangen die türkische Nationalhymne. Einige riefen: 'Türkei, Türkei!' Es gelang mir, da durchzukommen und sogar einen Demonstranten zu fragen, warum er nicht in seine Heimat zurückkehre, um seinem Land zu dienen. Er sagte, er hätte hier seine Existenz, seine Kinder wüchsen zweisprachig auf und schließlich sei Deutschland ja auch eine Demokratie."

Ralf verschluckte sich an seinem Bier. "Sagte er tatsächlich: 'auch eine Demokratie?"

"Das kann man nicht von der Hand weisen!", schaltete Walter sich ein und schob die Skatkarten erstmal beiseite. "Erdogan wurde von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt."

Für Erdogan oder gegen eine Militärdiktatur?


"Ja, und er hat das Land ja wirtschaftlich weiter gebracht. Aber wo steuert er jetzt hin?" Karl blickte seine Freunde ratlos an.

"Das ist doch klar!", reagierte Ralf sofort. "Festigung und Ausbau der Autokratie, Aufhebung der Trennung von Staat und Religion, hin zu einem 'Gottestaat'!"

"Ja, und das wollte offenbar das putschende Militär verhindern", ergänzte Walter. "Aber glühende Erdogan-Anhänger stellten sich todesmutig dagegen. - Wollen sie einen 'Gottesstaat' mit Erdogan als Kalifen oder wollen sie nur keine Militärdiktatur?"

"Wer kann das beantworten?" antwortete Karl. "Es sollen 260 Menschen ums Leben gekommen und bereits 3000 Richter entlassen sein. Der Kampf gegen die Opposition, überhaupt gegen Andersdenkende, wird gnadenlos werden. Der 'Gottesmann' Erdogan fordert die Todesstrafe."

"Es konnte ihm gar nichts Besseres passieren!", war Ralf sich sicher. "Es mehren sich Stimmen, dass er den Putsch angezettelt hat. Er nannte ihn einen 'Segen Gottes'
Eigenartig, dass sich skrupellose Autokraten und Diktatoren in solchen Situationen auf Gott berufen. Hitler hat nach dem überlebten Attentat vom 20.7.44 auch von 'Vorsehung' gesprochen."

"Ja, das ist wirklich eigenartig!", wiederholte Walter. Er begann erneut mit dem Kartenmischen. "Nächsten Sonntag sehen wir vielleicht schon weiter. - Gutes Spiel!"


Sie stießen die Gläser mit dem Bier aneinander und Ralf sagte abschließend:
"Wie gut, dass wir in Deutschland so eine mannhafte Demokratie wie in der Türkei haben!"
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2 Kommentare
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Romi Romberg aus Berlin | 17.07.2016 | 14:58  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 17.07.2016 | 16:47  
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