Hillary Clinton vor der Wahl: Wahrheit oder Geopolitik?

Der Völkermord an den Armeniern im Osmanischen Reich war der erste Genozid im XX. Jahrhundert. Mehr als 1,5 Millionen Menschen wurden von den Türken vernichtet. Aber nicht alle Staaten wollen diese historische Tatsache anerkennen. So hat der Bundestag die Armenien-Resolution erst vor kurzem verabschiedet, mehr als 100 Jahre sind vergangen. Die Vereinigten Staaten von Amerika bezeichnen die gezielte Vernichtung der Armenier als Genozid bis jetzt nicht und dadurch kriechen sie vor der türkischen Kampagne für die Verleugnung des armenischen Genozides weiter.

In den USA lebt die zweitgrößte armenische Diaspora im Ausland. Über die Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern wird es schon seit vielen Jahren gesprochen. Obwohl fast jeder einzelne Bundesstaat die Resolution, die das Vorgehen des Osmanischen Reiches gegen die armenische Bevölkerung als Genozid, verabschiedet hat, tun die USA als Staat das nicht. Warum? Der Grund dafür liegt auf der Hand. Die geopolitischen Interessen stehen über alles. Außerdem war und bleibt Ankara der wichtigste strategische Partner von Washington im Nahen Osten.
Die Frage über die Bewahrung des historischen Gedächtnisses wird vor der Präsidentschaftswahl besonders akut. Die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, sagte vielmals, dass der Völkermord an den Armeniern einer der furchtbaren Gräuel des vorigen Jahrhunderts ist, und sie setzte sich für die Anerkennung des armenischen Genozides ein:

„Die Ethik und der nationale Drang nach Wahrheit bewegen die USA für die Menschenrechte einzutreten und den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen. Das armenische Genozid soll vom Kongress und US-Präsidenten anerkannt werden. Werde ich zur Präsidentin gewählt, erkenne ich den Völkermord an den Armeniern an.“

Hillary Clinton erklärte das im Jahr 2008. Damals hat sie die Präsidentenwahlen verloren. Heute hat Clinton alle Chancen auf den Sieg. Da Hillary Clinton nach ihren eigenen Worten im Laufe von vielen Jahren der armenischen Gemeinde treu bleibt und mit armenischen lobbyistischen Organisationen eng verbunden ist, erinnert sie sich bestimmt an ihr Versprechen und täuscht die Hoffnung ihrer armenischen Wähler nicht. Die Anerkennung der vom Osmanischen Reich begangenen Verbrechen wird eigentlich nicht bedeuten, dass nur die Verpflichtung gegenüber den Nachkommen der vernichteten Armenier erfüllt wird. Das ist die Verpflichtung gegenüber der Menschheit. Und wenn Hillary Clinton sie erfüllt, wird das ein Zeichen des Sieges der Wahrheit über die Lüge, der Menschenliebe über die Geopolitik.

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