Begrüßungskultur und Proteste

Politischer Stammtisch in einer Hamburger Kneipe


Nachdem sie einander mit dem ersten Bier zugeprostet hatten, sagte Walter:
"Nun will der Hamburger Senat bis Ende September einen Finanzreport für die Olympiade 2024 vorlegen. Dann fällt einem die Entscheidung am 29. November
leichter!"

"Wer macht sich noch einen Kopf über die Olympischen Spiele? Wir haben ganz andere Herausforderungen! Einundsiebzig Flüchtlinge sind in einem Lkw elendig erstickt! Wahrscheinlich im Stich gelassen von skrupellosen Schleppern, die ihnen
das letzte Geld abgenommen haben! Wir hatten sechsundsiebzig Jahre keinen Krieg.
Jetzt bekommen wir die Auswirkungen anderer Kriege zu spüren. Wir müssen auch
in Hamburg andere Prioritäten setzen!"

"Ja, Ralf hat recht!", stimmte Karl zu. "Die Bundeskanzlerin war ja auch in Heidenau und hat sich für die Flüchtlinge eingesetzt."

"Ja, und dafür von einem Teil der Bevölkerung 'Buhrufe' und Schimpfwörter einstecken müssen. Auf einem Transparent stand sogar: 'Volks-Verräterin'", ergänzte Ralf. - "Was oder wen soll sie verraten haben?"

Walter nahm erstmal einen großen Schluck Bier. "Die Protestierer sind ja nicht nur Neonazis, Abgestiegene oder Menschen, die schon immer ganz unten waren!
Es sind Rentner, Aufstocker und Hartz-IV-Empfänger, die Angst haben, dass sie bald
noch weniger Geld aus unserem Sozial-System bekommen!"

"Das ist ja auch nicht unbegründet!", meinte Karl. "Der Staat hat im letzten Halbjahr einundzwanzig Milliarden mehr eingenommen als ausgegeben. Da lässt sich aus dem Vollen schöpfen! Nun lass die Konjunktur mal drastisch zurückgehen, dann müssten Einsparungen im Haushalt erfolgen. Und glaube nicht, dass das in der Rüstung ist. Dann ist der Arbeits- und Sozialetat dran!"

Ralf nickte. "Dagegen kann man ja auch friedlich demonstrieren!
Aber die gehirnlosen Chaoten, die Flüchtlinge angreifen und Brandsätze schleudern,
(vom Wirtschaftsminister Gabriel zu Recht als 'Pack' bezeichnet), müssen hart bestraft werden!"

"Das löst aber das Problem nicht!" , antwortete Karl. "Die EU-Staaten, die keine oder nur wenige Flüchtlinge aufnehmen, sollten sich schämen, sich nur die Rosinen
`rauszupicken! Da müsste unsere Regierung viel mehr Klartext sprechen! Sonst könnte es tatsächlich zu Unruhen kommen! Und außerdem bleibt der Europäische Gedanke der gegenseitigen Hilfe und Solidarität nur eine Vision!"
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