INDIA, eine rasante Show durch Mysterien und Wunder

INDIA-Bühne mit Fakir auf Nagelbrett vor der Show
 
Netter Turban-Junge empfängt die Besucher am Eingang.
Leider wurde die Show ganz abgesagt. Das wäre es gewesen!!
INDIA ist eine Bühne der Wunder. Über 80 Kunstler, Tänzer, Artisten, Musiker tauchen mit ihrer Show „A journey to the land of mystery and wonders“ mich und die anderen Besucher für zwei Stunden ein in das reisende Königreich eines Maharadschas. Wie einst dessen Gästen werden nun uns in den prächtigen Zeltpalästen betörend schöne und verwirrend mysteriöse Sensationen geboten, Tanz, Musik, Akrobatik und Magie einer Kultur, die geprägt ist von ästhetischer Inszenierung und spiritueller Konzentration. Unter der Schirmherrschaft Gaj Singh II., des Maharadschas von Jodhpur, eines Bewahrers und Förderers indischer Kultur, zeigt die Show einen verzauberten und verzaubernden Subkontinent. Lebenslust und Sinnenfreude gepaart mit atemberaubender Artistik irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.
Schon wenn man das Grand Chapiteau betritt, empfängt einen eine Szene aus mythischer Ferne. Mitten auf der Bühne, still sitzend auf seinem Nagelbrett, wartet ein Fakir in meditativer Versenkung, bis sich die Ränge gefüllt haben. Die Ruhe, die er ausstrahlt, lässt bereits die spirituelle Tiefe der fremden Kultur erahnen. Ihre andere, hektisch überschäumende Seite offenbart sich kontrastreich beim Opening, wenn die einstürmenden Tänzer für temperamentvolle Bewegung sorgen, Tanzszenen wie aus Bollywood.
Farbenprächtige Szenen, durchtrainierte Körper, opulente Gewänder faszinieren und verwundern mich zugleich. Geheimnisvoll, hintergründig will vieles anmuten. Nicht alles ist, wie es scheint. Unter den kostbar bestickten Kleidern, die Queen Harish trägt, wenn sie über Feuer und Glasscherben geht, steckt ein Mann. Der Rollentausch gehört seit jeher zur indischen Kultur. In den religiösen Vorstellungen des Hinduismus hat er seine Wurzeln. Aus den Riten des Glaubens entstanden aber nicht nur Tänze und Kostüme. Auch die artistischen Darbietungen haben in Indien sehr oft einen mythologischen Hintergrund. Seit mehr als 700 Jahren kennt man den Tempeltanz. Aufgeführt wird er zu Ehren Shivas, des höchsten der Götter, und zwar von den Gotipua, Knaben in Frauenkleidern. In ihrer Kunst soll die höchste Vollendung, die Verbindung von weiblicher Anmut und männlicher Tapferkeit zum Ausdruck kommen. Mit der artistischen Kraft ihrer Darbietungen wollten die Tänzer ihre Bereitschaft zur Verteidigung des Tempels demonstrieren.
Auch die Kalari-Kämpfer können ihre Kunst auf mönchische Traditionen und weit in die Geschichte zurückführen. Entstanden ist diese älteste Kampfsportart der Welt im südindischen Kerala. Obwohl noch immer mit Stöcken oder scharfen Waffen ausgetragen, hat sich Kalari (oder Kalaripayattu) über die Jahrhunderte zu einer Kunst entwickelt, bei der es vor allem um Konzentration und die Eleganz kraftvoller Bewegung geht. Gekämpft wird mit der Kraft des Gedankens. Elemente des Yoga fließen hier ebenso ein wie bei den Mallakhamb-Darbietungen. Bei dieser wesentlich jüngeren Sportart, deren Geschichte nur bis ins frühe 19. Jahrhundert zurückreicht, zeigen die Akrobaten kunstvolle Bewegungen am hängenden Seil, an Leitern oder an hohen Holzpfählen, auf deren dünnen Spitzen sie mit höchster Konzentration atemberaubend balancieren.
Wie das Spektakuläre, wie der Hochseilartist oder der Feuerschlucker, gehört das Zauberhafte zur indischen Kultur, der Tanz der Spinnenmänner oder das grandiose Schattenspiel. Auch dies eine alte indische Kunst, bei der es um Licht und Schatten als elementare Bedingungen des Lebens geht. Mit geschickten Fingern, nur mit der Bewegung seiner Hände vor dem Licht kann der Schattenspieler Menschen und Tiere erschaffen, eine ganze Welt imaginieren, ein Schattenreich der Träume und Wunder. Und wunderbar geriert sich auch der „Tanz der 1000 Arme“, während andere Tänze, klangvoll vorangetrieben vom zehnköpfigen Orchester, das Tempo der Gegenwart spüren lassen. Zu indisch inspirierten Rhythmen von Peter Gabriel, den Beatles oder dem Slumdog-Millionär-Komponisten A. R. Rahman zeigen die Tänzer das Bild des modernen Indien.
Mitreißend beschließt ihr Finale die Show, ein Fest der Sinne, dessen abschließende Ausgelassenheit an die Feste erinnert, die die Inder übers Jahr feiern, zum Beginn und zum Ende der Regenzeit und zum Frühlingsanfang vor allem. Dieses, das Holi-Festival, vereint die Menschen. Denn Holi ist Leben und Wärme, Frühling, aber auch Rausch und freudige Ekstase. Unter einem magischen Blütenregen versammelt das Holi-Festival zum Schluss noch einmal alle Künstler auf der Bühne. Mit bunten Bändern tanzen sie ins Publikum. Am Zelthimmel leuchtet die Lotusblüte, das indische Zeichen für Weisheit und Erkenntnis, ein Symbol der Schönheit, das alles verbindet: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Info: Die Plätze im Grand Chapiteau sind in fünf Kategorien gestaffelt und kosten zwischen 25 und 75 Euro zzgl. Gebühren. Montags ist spielfrei, an Samstagen und Sonntagen findet zusätzlich eine Nachmittagsvorstellung statt. Karten: Tel. (01805)725499, tickets@india-circus.com, www.india-circus.com

Bis 28. Februar gastiert INDIA in Hamburg auf dem Heiligengeistfeld und ab dem 5. März bis zum 11. April in Berlin. Weitere Tourstädte sind München (15.4-23.5.), Mannheim (27.5.-27.6.), Stuttgart (1.7.-1.8.), Brüssel (5.8.-19.9.), Düsseldorf (23.9.-31.10.), Wien (4.11.-9.1.2011) und London.

Fotos Elke Backert
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6 Kommentare zum Beitrag
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Uta Kubik-Ritter aus Uetze am 02.02.2010 um 14:40 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 03.02.2010 um 00:56 Uhr  
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Elke Backert aus Hamburg am 15.02.2010 um 21:47 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 15.02.2010 um 21:55 Uhr  
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Elke Backert aus Hamburg am 15.02.2010 um 22:00 Uhr  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 16.02.2010 um 02:08 Uhr  
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