Bad Reichenhall: Macht Salz kreativ?

Die „schönste Saline der Welt“, die dank König Ludwig I. als prunkvolles Denkmal für Macht und Reichtum stand und heute zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Bayerns zählt.
 
Am Springbrunnen vor dem Gradierhaus lässt sich trefflich entspannen
Die historische Salinen- und Kurstadt im Berchtesgadener Land lädt zum Durchatmen im Alpenklima ein

1159 erstmals als „Stadt“ erwähnt, blickt Bad Reichenhall mit heute 17.000 Einwohnern auf eine über 4000 Jahre alte Salzgeschichte zurück. Ab 1846 wurde die Stadt zu einem Kur- und Badeort. Seit 7. Juni 1890 darf sie auf Verfügung des bayerischen Prinzregenten Luitpold den Zusatz Bad führen. Neun Jahre später wurde sie königlich-bayerisches Staatsbad.
Noch heute ist die Lebensgrundlage das „weiße Gold“. Dem kann man in der Alpenstadt trefflich nachspüren. Am lebendigsten im 1920 erbauten 162 Meter langen, 14 Meter hohen und mit 200.000 Schwarzdornbündeln bestückten Gradierhaus, einem einzigen Freiluft-Inhalatorium, wo die Sole am Schwarzdorn herunterrieselt und man die Salzluft einatmen kann wie an Nord- und Ostsee. Daran an schließt sich der 1912 errichtete Wandelgang mit der Konzertrotunde, in der jeden Abend außer montags Konzerte der Bad Reichenhaller Philharmonie stattfinden, die ebenfalls eine lange Tradition hat. Man sagt der Kurmusik nach, dass sie auch heute noch zur Erholung und damit zum Kur-Erfolg beitrage. Wer einmal den 1976 im japanischen Kyoto geborenen Musiker Shinji Komaki am Fagott gehört hat, der kann diese Aussage vielleicht nachvollziehen.
Fest steht, dass ein „Wandeln“ im königlichen Kurgarten aus dem Jahre 1868 mit dem 1900 erbauten neobarocken Königlichen Kurhaus, dem Kurmittelhaus der Moderne im Spätjugendstil und sprudelnden Springbrunnen die Zeit für einen Moment stillstehen lässt.
Übrigens: Brunnen soll Bad Reichenhall an die 75 zählen, an vielen von ihnen kommt man bei einem Stadtrundgang vorbei. In der Poststraße wurden sogar Teile des wiederentdeckten historischen Stadtbachs in die Fußgängerzone integriert.

Durch den Rupertus-Park marschiert man, um zur Thermen- und Saunalandschaft Spa & Familien Resort RupertusTherme Bad Reichenhall zu gelangen. Silbern glänzende Stahlgeräte verführen dazu, nach Anleitung die eigene Fitness zu testen. Wohl dem, der es schafft, ist gar nicht so leicht. In der Therme umfängt einen dann die Sole wohlig warm und ganzheitlich.

Und woher kommt die Sole? Aus der „schönsten Saline der Welt“, die dank König Ludwig I. als prunkvolles Denkmal für Macht und Reichtum stand und heute zu den bedeutendsten Industriedenkmälern Bayerns zählt. Bei einer Führung staunt man über die sich unentwegt drehenden gigantischen und nach jeder Drehung läutenden Wasserräder im Brunnhaus, die die Sole aus der Tiefe der Erde nach oben befördern und aus der noch heute Salz hergestellt wird. Der Salzshop lädt zum Kauf ein.

In dieser schönen Alten Saline, in der man nicht versäumen sollte, sich die neoromanische Brunnhauskapelle anzusehen, residiert ebenfalls die 1996 gegründete Kunstakademie Bad Reichenhall, nach eigener Aussage eine der größten ihrer Art in Europa. Mehr als 2000 Kunstbegeisterte aus allen Ländern lassen sich in über 200 Kursen, Studiengängen und Seminaren in den großzügigen Ateliers inspirieren. In der Ferienzeit gibt es Kunstkurse für Kinder und Jugendliche. Das moderne Restaurant Salin in den alten Räumen ergänzt den Kunstgenuss durch Gourmet-Genuss.
Wen es nach bayerisch Deftigem gelüstet, ist im Brauereigasthof Bürgerbräu am Rathausplatz richtig, wo auch die Kunst nicht zu kurz kommt. Heimische Kunsthandwerker schufen hier über die Jahre eine dem „Bier-Heiligen“ Gambrinus geweihte Stätte mit gemütlichen bemalten Gaststuben.

Selbst auf 1616 Meter Seehöhe kann man Essen auf besondere Weise genießen, nämlich Höhengenuss im Bergrestaurant Predigtstuhl mit Kaffeeterrasse, das unter Denkmalschutz steht. Zur Unterhaltung der Berggäste spielt des öfteren eine Kapelle aus Mitgliedern der Bad Reichenhaller Philharmonie bayerische Volksmusik und andere leichte Kost, aber perfekt dargeboten. Josef und Marga Posch kauften Restaurant und die Predigtstuhlbahn, die im Jahr 60.000 Fahrgäste in acht Minuten abenteuerlich nach oben befördert. Die legendäre Bahn, die älteste im Original erhaltene, ganzjährig verkehrende und am originalen Drahtseil hängende Großkabinen-Seilbahn, die „Grande Dame der Alpen“, bringt seit ihrer Inbetriebnahme am 1. Juli 1928 in den Original-Gondeln ihre Gäste der Sonne entgegen. Das Essen verdauen könnte man auf einer kleinen Wanderung zur Almhütte Schlegelmulde und sich Bad Reichenhall auf einem „Photowalk“ von oben ansehen.
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4 Kommentare
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Amadeus Degen aus Battenberg (Eder) | 15.10.2014 | 14:04  
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Elke Backert aus Hamburg | 15.10.2014 | 14:14  
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Shima Mahi aus Langenhagen | 15.10.2014 | 20:26  
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