Wo Zigtausende gegen die Flut anlaufen

Besinnlich und romantisch: eine Kahnfahrt durch Alleen von Kopfweiden auf dem mit Wasserlinsen übersäten Flüsschen Autise im Sumpfgebiet des Marais Poitevin.
 
Besinnlich und romantisch: eine Kahnfahrt durch Alleen von Kopfweiden auf dem mit Wasserlinsen übersäten Flüsschen Autise im Sumpfgebiet des Marais Poitevin.
Frankreichs wenig bekannte Ecke: Die Vendée und die Atlantik-Inseln Noirmoutier und Yeu

Noirmoutier-en-l`Ile. Das Besteck auf dem Tisch des Restaurants erinnert an das eines Chirurgen. Es wird tatsächlich gebraucht. Für die Meeresfrüchte, die der Ober auf riesiger Platte in die Tischmitte stellt. Mit dem Messer schneidet man die geschlossenen – noch lebenden - Muscheln auf. Die restlichen Werkzeuge bearbeiten Schnecken, Austern, Langustinen. Crevetten werden mit den Fingern gepult. Essen wie Gott in Frankreich.

Im Nordwesten Frankreichs, wo sich an die Bretagne das Departement Loire-Atlantique anschließt, befindet sich das Schlemmerland für Meeresfrüchte-Anbeter. Mit kilometerlangen feinen Sandstränden, zwei Inseln im Atlantik und ausgezeichneten Weinen ist das Gebiet südlich von Nantes an der Loire-Mündung gesegnet: die Vendée.

Hat man die im italienischen Stil wiederaufgebaute Stadt Clisson, das Tor zur Vendée, passiert, sieht man weithin grüne Rebflächen. Hier wächst ein Weißwein, der seinen Namen zwei Flüssen verdankt, der Muscadet Sèvre et Maine. Man kennt ihn auch in Deutschland. Das Etikett sollte aber den Zusatz „sur lie“ tragen, das heißt, er reift wie Champagner fünf Jahre auf der Hefe. Er mundet vorzüglich, nicht nur zu Spargel.

Hier geben aber auch an die 100 Schlösser Gästen in historischem Ambiente Unterkunft. Kein Zimmer gleicht dem anderen. Im Château de la Flocellière etwa ist das Diner mit dem Besitzerehepaar im Preis eingeschlossen. Eine Barkenfahrt im Sumpfgebiet des Marais Poitevin durch Alleen von Kopfweiden lässt jeden Workaholic zur Ruhe kommen.

Glanzlichter einer Reise sind die Inseln. Noirmoutier mit schönen Villen der Belle Époque, einer der ältesten Festungen des Landes und südlicher Vegetation erreicht man seit 1971 über eine Brücke, viel romantischer – doch nur bei Ebbe – über den „Gois“, die 4,5 Kilometer lange mit Steinen befestigte Straße durch das Meer. Seit dem 18. Jahrhundert können sich von der Flut Überraschte auf Hochstände retten. Jedes Jahr im Mai oder Juni, dieses Jahr am 28. Juni 2015, kommen Sportler aus aller Welt nach Beauvoir sur Mer und laufen bei der Veranstaltung „Foulées du Gois“ mit der Flut um die Wette.
Die Salinen liefern feinstes Salz, mit dem man die Fois gras bestreut, und die mit Algen ernährten Felder beste Frühkartoffeln, die „bonnottes“. Malerisch der Fischerhafen in einem Meeresarm.

Nur per Schiff geht`s zur Ile d`Yeu. Dort mietet man ein Rad und kann in einem Tag die reizvolle Insel erkunden: zerklüftete Steilküsten, lauschige Sandbuchten, einsame Fischerdörfer und den belebten Hafen von Port-Joinville.

Einen Vorgeschmack auf die Region gibt ein Blick ins Internet: www.vendee-tourisme.com; www.clisson.com; www.ile-noirmoutier.com; www.flocellierecastle.com, www.ile-yeu.fr, www.lesfouleesdugois.com

(Chateau de la Flocelliere):
An die hundert Schlösser geben Gästen in historischem Ambiente Unterkunft, hier das Château de la Flocellière aus dem 12. Jahrhundert, dessen Besitzer Vicomte et Vicomtesse Patrice Vignial den Feudalsitz inmitten eines 15 Hektar großen Parks fürstlich, aber wohnlich gestalteten.
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