Erinnerungen an die Sturmflut 1962. Um 3. Uhr auf den Elbbrücken

Zug-Stempel

Hamburg: Elbbrücken | Erinnerungen an die Sturmflut 1962. Um 3.00. Uhr über die Elbbrücken in Hamburg.
Es war die Nacht des 17. Februar 1962. als wir als letzter Postzug Expr. 3045. im
Stadtpost- Hamburg, "Beiwagen" , die Elbbrücken Hamburg überquerten.
Alles verlief seit der Abfahrt um 00.17. Uhr in Hannover völlig normal.
Ab Lüneburg hörten wir im Radio eines Kollegen, das 2. Tage nach dem Vollmond,
die Flut in Cuxhaven , nicht nur einen Meter höher auf-lief, sondern durch
einen Süd/West Sturm aufgestaut in Cuxhaven die Deiche schon ab 22. Uhr
überschwemmte. Hinter Hamburg-Harburg schaute ich beim Überqueren der Elbe
durch das Fenster neben dem Briefkasten, auf die Elbe. Das Wasser stand fast bis unter die Brücke, und ich wußte das wird schlimm. Die Kollegen zogen sich um und waren beim Waschen, als ich den ersten Deichbruch bemerkte. Keiner wollte in diesem , hier spärlich mit Gartenhäusern bebauten Gebiet aus dem Fenster sehen. Dann sah ich links
im Hafengebiet mehrere riesige Feuersäulen, ein Kraftwerk fackelte ab.
Rechts standen , wir fuhren über das Hochgleis, die Züge im Wasser. Ein Rangierer hatte sich in einer Bahnhütte auf den Tisch gerettet. Wir fuhren in Hamburg Hbf. nur
etwas verspätet ein. Hier ahnte kaum jemand, das in dieser Nacht 315. Einwohner
Hamburgs im kaltem Wasser der Elbe ertrinken mußten, weil bei den zuständigen
Behörden um 22.00 Uhr niemand mehr zu erreichen war und Cuxhaven 100. Kilometer entfernt war. Nachdem ich ausgeschlafen hatte fuhr ich bei "Ebbe" , mit der S-Hochbahn
in das Gebiet der Landungsbrücken, wo ich die Hochwasser-Marken und die zerstörten Geschäfte und Autos sah. Am Abend verlud ich meinen Bahnpostwagen im Postzug
Expr. 5406. Lange warteten wir auf die Abfahrt, denn die Elbbrücken waren gesperrt.
Dann fuhren wir langsam über Bergedorf, durch Gebiete mit im Wasser stehenden Lauben,
nach Lübeck, von dort aus über Ratzeburg, Mölln, Büchen und Lauenburg, mit laufenden Stopps nach Lüneburg. Hier kam keiner von der Post, wir hatten Hunger , uns waren die Kohlen ausgegangen es lag etwas Schnee draußen und vor allen hatten wir Durst.
Einige verbrannten schon leere Postbeutel und schielten nach den Wurstpaketen.
Zum Glück brachten die Kollegen in Uelzen Bier und Brötchen. Statt planmäßig
Nachts um 3.Uhr liefen wir gegen Mittag in Hannover ein. Auch hier kam zuerst
niemand an den Zug, bis nach Kassel über Altenbeken wollte keiner mehr fahren, also
auf in die Kantine und die Familie benachrichtigen. Von unserer Verwaltung, die überhaupt nicht wußte wo wir überhaupt waren, (ähnlich wie bei den Kollegen die in Ostfriesland
mal in einer Schneewehe verschwunden waren), hörten wir keine Klagen, das wir nicht
bis Kassel gefahren sind. Von dem wahrem Ausmaß der Flutkatastrophe hörte ich
erst später. ich erinnerte mich erst jetzt daran, als ich bei der Tombola beim
Bahnpostjubeläum den Stempel, Hannover -Hamburg Zug Expr.3045. 17.02. 19 62.gewann.

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11 Kommentare zum Beitrag
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Gisela Görgens aus Linz am Rhein am 04.03.2009 um 09:12 Uhr  
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Willi Hembacher aus Gersthofen am 04.03.2009 um 09:25 Uhr  
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7.365
Gisela Görgens aus Linz am Rhein am 17.02.2010 um 18:45 Uhr  
14.842
Jürgen Bruns aus Lehrte am 17.02.2010 um 18:55 Uhr  
7.365
Gisela Görgens aus Linz am Rhein am 17.02.2010 um 19:03 Uhr  
14.842
Jürgen Bruns aus Lehrte am 11.02.2012 um 18:47 Uhr  
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