Wertschätzender Umgang mit Tränen

Als ich einmal traurig war,
da saß ich nur so rum.
Als ich einmal traurig war,
da war die Welt ganz stumm.

Als ich einmal traurig war,
da fühlte ich mich klein.
Als ich einmal traurig war,
da wollte ich nur sein.

Als ich einmal traurig war,
da suchte ich deine Hand.
Was ich bekam, war ungefragt,
ein Ratschlag von deinem Verstand.

Jeder von uns ist ab und an traurig. Die Gründe dafür sind so verschiedenen, wie die Menschen individuell sind. Manchmal wissen wir warum wir traurig sind, manchmal wissen wir es nicht. Manchmal ist es einfach ein Gefühl, das wir nicht beschreiben können - sondern nur fühlen. Da weinen wir dann in unsere Kissen und Hände und die Frage nach dem ‚Warum‘ können wir einfach nicht beantworten. Ist das schlimm? Ich sage nein: Weinen ist genauso legitim, wie lachen - nur leider noch nicht so gesellschaftlich hoch angesehen.

Warum ist das so?

Ich vermute, das liegt daran, dass wir das Thema Trauer erst dann bearbeiten, wenn es einen Anlass dafür gibt. Wenn jemand stirbt, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Tod. Wenn wir verlassen werden, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Trennung. Wenn wir unseren Job verlieren, dann beschäftigen wir uns mit dem Thema Verlustangst.
Alle diese Situationen (und davon gibt es noch Unmengen) haben eine Gemeinsamkeit: Das Gefühl, welches in uns auftaucht und gesehen werden will, das ist nicht schön. Also im Sinne von, es fühlt sich nicht schön an. Dieses Weinen, was in den Augen brennt. Das schluchzen, was uns dem Atem nimmt. Das Gesicht, welches nach Stunden nur noch rot und verquollen aussieht. Das alles entspricht nicht unserer Gesellschaft, in der alle jung, schlank und dauerhaft glücklich sind. In einer Welt, in der die Menschen nur vom Lachen Falten bekommen und jegliche Probleme im Keime erstickt (äh … gelöst) werden. Weinen, traurig sein - das sind Themen die da nicht so rein passen.

Solche Situationen können wir oft bei uns schon schwer aushalten. Wie ist das dann erst, wenn unser Gegenüber in so einem Zustand ist? In einem Zustand der Trauer, der Trennung oder einfach so? Wenn die Tränen fließen und wir sie sehen und aushalten müssen? Das Geschluchze, das Gejammer, die immer wieder kehrenden Worte zur Beruhigung? Was können wir da machen? oder besser gesagt: Was sollten wir unterlassen?

Wertschätzende Kommunikation bei Tränen

1. Es ist ein Gefühl, das gesehen werden will

So, wie wir alltäglich lachen und damit unsere Dopamin - Ausschüttung ankurbeln - so gehört Weinen als Reinigungsprozess eben so zu uns. Weinen als Zeichen von Trauer / Abschied nehmen / Trennung etc. Es ist ein Gefühl, dass in der jeweiligen Situationen in uns lebendig ist und dann auch gesehen werden will. Damit ein Prozess enden und etwas heilen kann.


2. Zuhören und aushalten

Wenn jemand traurig ist und Beistand benötigt, dann besteht dieser in erster Linie im aushalten. Das klingt jetzt so einfach, ist es aber nicht. Warum? Weil wir mit unserer Trauer konfrontiert werden. Mit unseren Ängste und Sehnsüchten. Mit unseren Bewältigungsstrategien.

Und trotzdem oder gerade deswegen gilt in der Kommunikation: Zuhören und aushalten. In diesem Moment geht es um den Trauernden. Um sein Gefühl, sein Bedürfnis, seine Bewältigungsstrategien. Ein wertschätzender Umgang zeigt sich in Zuggewandtheit, einem offenen Ohr, viel Zeit und Taschentücher.

3. KEINE ungefragten Ratschläge

Damit wir das Gefühl der Trauer nicht spüren, lenken wir uns gerne ab. Mit anderen Themen oder Aktivitäten. Sind wir der Trauernde, dann ist alles erlaubt, was gefällt. Sind wir der Zuhörer und Beistand, dann ist nur das erlaubt, was dem Trauernden gut tut. Ungefragte Ratschläge und Hinweise a la „Das wird schon wieder.“ oder „Bei war das damals ganz ähnlich“ gehören definitiv nicht dazu.
Ein wertschätzender Umgang zeigt sich darin, solche Äußerungen zu vermeiden.

4. Sei Ehrlich

Nicht jeder kann gut mit Trauer umgehen. Entweder, weil es noch nie wirklich ein Thema war oder weil es einfach nicht gelernt wurde. Beides ist in Ordnung. Das wichtigste ist, damit ehrlich zu sich selber zu sein und dann zu den anderen.
Zu sagen, dass das Thema Angst macht - das du nicht weißt, wie du dich jetzt verhalten sollst oder darfst. Das alles ist ein Zeichen von Wertschätzung. Der Trauernde weiß somit, um deine Unsicherheit und kann darauf ebenso offen reagieren. Er kann sagen, dass er alleine sein oder einfach nur deine Hand halten möchte.
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