Lernort Synagoge

Ein schüler stellt sich zur Verfügung, damit gezeigt werden kann, wie man aus der Thora liest.
Hainsfarth: Synagoge Hainsfarth | Es ist eine pädagogische Binsenweisheit, dass man durch die Anschauung am Ort des Geschehens, die Inhalte des Unterrichts am besten begreifen kann. Dies gilt insbesondere für die Heimatgeschichte. 70 Jahre Kriegsende in Deutschland und Befreiung der Konzentrationslager sowie aufkeimender Rechtsextremismus war für das Sonderpädagogische Förderzentrum der Sankt-Georg-Schule ein Grund für eine Themenwoche "Toleranz". Zu diesem Thema führten die Lehrkräfte die Schüler der 6, 7 und 8. Klassen zur ehemaligen Synagoge in Hainsfarth, wo sie von Bürgermeister Hans Bodenmüller begrüßt wurden, dem Hausherren des im Besitz der Gemeinde befindlichen Gebäudes.
Über die in Hainsfarth seit dem 30-jährigen Krieg durch Erlaubnis des Fürstenhauses Oettingen-Spielberg ansässigen Juden und die jüdischen Traditionen informierte Sigi Atzmon, die 1. Vorsitzende des Freundeskreises der Synagoge. Eine der ersten Fragen der Schüler bezog sich auf das koschere Essen, welche sie damit beantwortete, dass schon in sehr früher Zeit bemerkt wurde, dass Milch und Fleisch zusammen schlecht zu vertragen seien, weshalb beide nur getrennt voneinander gegessen werden sollten. Außerdem verbiete koscheres (reines) Essen die Verwendung von Schweinefleisch. Als Unterschiede zu einer Kirche erkannten die Schüler das Fehlen von Kreuz, Bänken, Altar und die roh und unverputzt gelassene, leere Thora-Nische, entdeckten aber auch die hebräischen Schriften an der Stirnwand. Das seien die Anfangsworte der 10 Gebote, informierte Sigi Atzmon und las die Worte vor mit Übersetzung. An fehlendem Altar und Thora-Schrein, mit den für den Juden als heilig geltenden Thora-Rollen, sowie den nicht mehr vorhandenen Bänken könne man sehen, dass hier nicht mehr gebetet wird, da es keine jüdische Gemeinde mehr gäbe. In früherer Zeit hätten 109 Männer und 102 Frauen Platz gefunden, seit 1860 dieses Haus eingeweiht worden sei. Ein Schüler stellte sich dann zur Verfügung, zu zeigen, wie der jüdische Gläubige aus der Bibel las, mit Kippa, Betschal und Zeigestab.
Das Ende der Synagoge als jüdisches Bethaus sei mit der Demolierung der Einrichtung, der Schändung der Thora und dem Raub der Kultgegenstände in der von der nationalsozialistischen Regierung Hitlers angeordneten Reichpogromnacht am 9. November 1938 gekommen, schließlich auch mit der Deportation der letzten jüdischen Bürger 1942, von denen keiner mehr zurückgekommen sei. Angezündet worden sei die Synagoge nicht in Rücksicht auf die christlichen Nachbarn und die damalige Absicht der Gemeinde, eine Turnhalle einzubauen. Nach jahrelanger Verwendung als Baustofflager und Gefrierhalle sei sie 1977 in ihren Besitz gekommen. Bürgermeister Engelhardt habe sich 1983 für die Renovierung des architektonischen Kleinods als Begegnungsstätte eingesetzt, in der seit 1996 der Freundeskreis der Synagoge ihrer Bestimmung gemäße Veranstaltungen abhalte.
Von der Frauenempore aus konnten die Schüler die architektonischen Besonderheiten einer Synagoge kennenlernen vor allem die als maurisch bekannten Hufeisenbögen an Fenstern und Eingang, außerdem einige kultische Gegenstände und Bräuche zur Schabbatfeier. Sie durften Matzenbrot kosten, das auch Jesus, da er Jude war, bei der Einsetzung des Abendmahls gebrochen und mit dem Wein verteilt hat.
Eine weitere Gruppe der Schüler erhielt im Wechsel dazu von dem ehemaligen Rektor der Hainsfarther Schule, Manfred Meyr, eine Führung über den jüdischen Friedhof, wo sie über die Bräuche der jüdischen Beerdigungen und über die Gestaltung der Grabsteine aufgeklärt wurden.
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