Studienwahl – die Zeit vor der Entscheidung

Der schwierige Weg der Entscheidungsfindung © Regina Lautenschläger

Es ist in jeder Generation von Abiturienten ein Dilemma: Die Mehrheit der angehenden Studierenden ist verwirrt, ob der Auswahl an Möglichkeiten hinsichtlich Studienfach und -ort. Ein noch in der Oberstufe fixes Bildungsziel verschwimmt nach der Abiturprüfung oder der Notendurchschnitt macht eine Umorientierung notwendig. Einige leisten ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, um sich mehr Zeit für den Entscheidungsprozess zu nehmen. Ein wertvolles Vorgehen, um die Sozialkompetenz zu steigern, aber was als Festigung der Studienentscheidung geplant war, kann während eines FSJ ins Wanken kommen. Die Crux bei der Fächerwahl ist, viele Inhalte und potenzielle Berufsziele von Studienfächern sind nicht gut genug bekannt und der eigene Erfahrungshorizont schränkt die Auswahl ein. Somit sind Studienfächer, die sich aus den Schulfächern ableiten lassen nach wie vor hoch im Kurs, ebenso Berufsbilder, die im Umfeld der Abiturienten vorhanden sind.

In der Beratungspraxis ist es augenfällig, wie stark der Druck auf die angehenden Studierenden zugenommen hat, insbesondere auf jene mit einem sehr guten Abiturdurchschnitt. Selbst die Auswahl eines Praktikums führt nicht selten zu einem Entscheidungsdilemma – geprägt von der Angst, sich für das Falsche zu entscheiden. In vielen Fällen lässt sich der Druck nehmen, wenn ein Bewusstsein aufgebaut wird, dass ein Praktikum auch dazu dienen kann, eine bestimmte Studienrichtung auszuschließen. Alleine dafür lohnt sich schon der kurze Einblick in die Praxis. Die Angst vor Fehlentscheidungen reduziert sich weiter, wenn klar ist, dass jeder Weg auch umkehrbar ist, sollte man feststellen, dass es der falsche ist. Je eher allerdings diese Umorientierung stattfindet, desto besser.

Angst vor Festlegung


Eine Abiturientin im Studienvorbereitungsjahr kam aufgelöst in ein Beratungsgespräch, weil sie sich partout nicht entscheiden konnte, ob sie sich bei Unternehmen X oder Y um ein Praktikum bemühen sollte. Beides war geeignet, um einen Einblick in die praktische Anwendung des Maschinen- und Fahrzeugbaus zu erlangen – ihr favorisiertes Studienziel. Die eine Firma beschäftigte sich jedoch mit der Fahrzeuginneneinrichtung, die andere mit dem Karosseriedesign. Sie befürchtete, dass sie sich mit der Auswahl des Praktikums jetzt schon festlegt, wie ihre berufliche Zukunft aussieht. Unter dieser Annahme war ihre Besorgnis für sie real und dramatisch. Nach der Beratung konnte sie sich auf das Ausschlussprinzip einlassen und sich entlasten, indem sie akzeptierte, dass das Ergebnis des Praktikums auch lauten darf: „Das ist eher nichts für mich.“ Gleiches ist auch von einer Abiturientin zu berichten, die Medizin studieren wollte und vorher ein FSJ an einer Uniklinik machte. Sie brach dies nach vier Monaten ab, weil ihr der Schichtdienst körperlich zusetzte und Gespräche mit Assistenzärzten eine Perspektive aufzeichneten, die für sie nicht passte. Für sie hatte selbst das vermeidliche Scheitern einen positiven Aspekt: Es diente der Klärung und des Ausschlusses eines Medizinstudiums.

Ungewöhnliche Wege, das richtige Studienziel zu finden.


Neben allen rationalen Aspekten bei der Wahl des Studiums, wie z. B. Prestige, Verdienstmöglichkeiten, direkter Einstieg in den Familienbetrieb, ist es gut, auch zunächst unbewusste Entscheidungskriterien mit einfließen zu lassen – insbesondere dann, wenn die Auswahl zu groß erscheint. Hier einige Tipps aus der Praxis, die sich bewährt haben:
1. Wenn du dich nicht konkret für ein Fach entscheiden kannst, dann such dir zunächst den Ort aus. Nutze die Zeit nach dem Abitur und besichtige Städte und Hochschulen, die auf deiner Auswahlliste stehen. Sieh dir die Menschen an, sprich mit ihnen, geh in die Uni, prüfe, ob dir die Atmosphäre liegt. Stelle fest, ob du Möglichkeiten hast, dein kulturelles Bedürfnis in der Stadt zu stillen oder deinen Lieblingssport weiterhin auszuüben.
2. Visualisiere deine Zukunft. In welcher Arbeitsumgebung möchtest du später arbeiten. Siehst du dich alleine oder im Team, mit Menschen oder Maschinen arbeiten, im Büro in Businesskleidung, im Labor oder lieber draußen mit Gummistiefeln.
3. Was sind deine größten Talente? Befrage zusätzlich andere Menschen, wie sie dich sehen. Welches Talent möchtest du unbedingt einsetzen, welches könntest du auch in deiner Freizeit ausleben? Wenn du dich beispielweise für kreativ hältst, schau genauer hin. Ist das eine Kreativität für ungewöhnliche Lösungswege, eine bildnerische Kreativität oder eine besondere Schreibkompetenz? Schaust du lieber Details an oder das große Ganze? Bei welchen Tätigkeiten geht es dir gut, was machst du wirklich gerne? Aus was schöpft du Energie, auch wenn es anstrengend wird?
4. Sammle deine Ergebnisse und überprüfe anhand einer Favoritenliste, in welchem Studienfach und -ort du dich wohl fühlen würdest. Wenn du zu wenig Infos hast: Sprich mit Studierenden, befrage sie nach ihren Erfahrungen und suche das Gespräch mit Menschen, die bereits im Beruf stehen.
5. Mach dir bewusst, dass die Studienwahl einer von mehreren Schritten in Richtung Beruf ist. Mit einem Hochschulabschluss ist noch längst nicht vorgegeben, womit du später dein Geld verdienst. Nicht selten führen mehrere Wege zum Ziel, daher darf und sollte dir dein Studienfach auch Spaß machen und dein Interesse wecken. Damit hast du genügend Eigenmotivation, dein Studium auch durchzuhalten. Denn wer das tut, was er gerne tut, ist viel öfter besser als andere, die mit weniger Begeisterung studieren.

Firmenportrait

„Pink Potential setze ich gleich mit unbewussten und ungelebten Potenzialen. Das Besondere, Herausstechende, Farbige in einem Menschen – das, was sich wirklich nach Freude anfühlt,“ so die Erläuterung zur Namensgebung auf der Webseite. Geführt wird das Unternehmen mit Sitz in Haar bei München von Regina Lautenschläger, die als Kommunikationsprofi international leitend tätig war, bevor sie Pink Potential gründete. Breites Fach- und Praxiswissen kombiniert mit umfangreichen psychologischen Methoden und Qualifikationen machen sie zu einer gefragten Trainer und Beraterpersönlichkeit.
Pink Potential veranstaltet bundesweit Workshops und Vorträge zu den Themen Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung. Das Angebot richtet sich an Menschen in beruflichen und privaten Umbruchsituationen, die mit Methoden des Coachings und der ganzheitlich lösungsorientierter Individualberatung Klärungs- und Entscheidungsprozesse herbeiführen möchten. Jungen Akademikern in der Phase des Berufseinstiegs zählen ebenso zu den Kunden wie Fach- und Führungskräfte.

Kontakt: Regina Lautenschläger, Pink Potential - jobcoaching & more
Ludwig-van Beethoven-Str. 6, 85540 Haar b München
lautenschlaeger@pinkpotential.de / +(0)89 88902764, www.pinkpotential.de
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